Ärzte Zeitung online, 24.10.2013

Transplantation

Prüfer entlasten Uniklinik Regensburg

Für 2010 und 2011 hat das Uniklinikum Regensburg eine weiße Weste bescheinigt bekommen: Für Lebertransplantationen sind Patientendaten nicht systematisch manipuliert worden, sagen Prüfer der Bundesärztekammer. Bekannte Fälle hätten aber vor dem Prüfzeitraum stattgefunden. Nun gibt es erste Erkenntnisse für die Zeit vor 2010 im Fall Regensburg.

NEU-ISENBURG. Am Uniklinikum Regensburg (UKR) hat es auch vor 2010 keine systematische Manipulation bei Lebertransplantationen gegeben. Die Bundesärztekammer (BÄK) hatte die Arbeit des Transplantationszentrums von 2007 bis 2009 untersucht.

Die BÄK habe dem Zentrum eine "gute Arbeit" bescheinigt, es lägen keine "systematischen Abweichungen" vor, teilte das Klinikum auf Anfrage der "Ärzte Zeitung" mit. Die ausführlichen Ergebnisse lägen der Klinik aber noch nicht vor.

"In den vergangenen fünf Jahren hat es keine wesentlichen Vorkommnisse in Regensburg mehr gegeben", sagte Ruth Rissing-van Saan, Mitglied der Prüfungs- und Überwachungskommission (PÜK), der "Süddeutschen Zeitung". Lediglich einzelne Verstöße gegen Richtlinien "im Eifer des Gefechts" habe es fast in allen Zentren gegeben.

In Regensburg soll es wenige Fälle gegeben haben, in denen Patienten mit eigentlich zu großen Tumoren noch eine Transplantation erhalten sollten. Ebenso sollen wenige alkoholkranke Patienten als geeignet für eine Transplantation eingestuft worden sein, die noch nicht die vorgeschriebenen sechs Monate abstinent waren.

Keinerlei Unstimmigkeiten hätten die Prüfer hingegen bei Dialysen entdeckt, heißt es. Dieser Weg wurde an anderen Transplantationszentren oft genutzt, um Patienten anhand falscher Werte kränker aussehen zu lassen als sie waren, damit diese schneller ein Spenderorgan erhalten.

Weitere Details seien bisher noch nicht bekannt, da die Prüfung noch andauere. Das Uniklinikum Regensburg reagierte erfreut auf die Nachricht.

Acht-Augen-Prinzip bei Lebertransplantationen

Bereits im September konnten die Regensburger Ärzte erstmals aufatmen. Damals legte die Prüfkommission ihre Ergebnisse für die Jahre 2010 und 2011 vor. In Regensburg, so das Urteil, habe es in dieser Zeit keine systematischen Regelverstöße gegeben.

Allerdings hätten sich bekannte Fälle aus Regensburg vor dem Prüfzeitraum ereignet, sagte Anne-Gret Rinder, Vorsitzende der Prüfungskommission, vor zwei Monaten.

Der Prüfbericht für 2010 und 2011 dokumentiert lediglich zwei Verstöße am Uniklinikum Regensburg. Dabei handelte es sich um krebskranke Patienten. Weder bei alkoholkranken noch bei dialysepflichtigen Patienten wurde ein Richtlinienverstoß festgestellt.

Dennoch hat das Uniklinikum Regensburg Konsequenzen aus den Manipulationsvorwürfen gezogen. So habe man die im Dezember 2012 geänderten Transplantationsrichtlinien unmittelbar umgesetzt: So gelte bei Lebertransplantationen sogar das Acht-Augen-Prinzip, teilte eine Kliniksprecherin mit.

Der Ärztliche Direktor des UKR benenne jeden beteiligten Arzt und diese seien auch Eurotransplant namentlich bekannt. "Auf diese Weise gibt es klar geregelte namentliche Verantwortlichkeiten", so die Sprecherin.

Bei Nieren, Pankreas- und Herztransplantationen gilt für "alle Tätigkeiten rund um die Wartelistenarbeit" das Sechs-Augen-Prinzip. So will die Klinik das Vertrauen in die Transplantationsmedizin zurückgewinnen.

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