Ärzte Zeitung online, 04.02.2014

Klinikfusionen

Wider den Proporz-Habitus

Bei Klinikfusionen spielt die Abbildung von Proporzen eine viel zu große Rolle, kritisiert ein Experte. Er plädiert dafür, Player aus dem Krankenhausalltag in die Verhandlungen zu integrieren.

Von Ilse Schlingensiepen

Wider den Proporz-Habitus

Fusionspuzzle: Werden Klinikverbünde aus mehreren Häusern fusioniert, so sollten sie ein verzahntes und stabiles Fundament bilden, um zukunftsfähig zu sein.

© SaulHerrera/istockphoto

MÜNSTER. Bei Krankenhausfusionen müssen Fachleute ein viel stärkeres Gewicht bekommen, fordert Dr. Rudolf Kösters, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der St. Franziskus-Stiftung und Ehrenpräsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

"Fusionsverhandlungen werden erschwert durch viele Interessierte, die mitreden wollen, ohne hinterher die Verantwortung zu tragen", sagte Kösters auf dem Kongress "Gesundheitswirtschaft managen" der Franziskus Stiftung, der Rechtsanwaltskanzlei Wigge und des Beratungsunternehmens zeb in Münster.

Die Weichenstellungen sollten in Händen derer liegen, die kompetent sind in medizinischen und pflegerischen, seelsorgerischen sowie wirtschaftlichen Fragen.

Bei Entscheidungen müssten sie sowohl die Patienten- als auch die Mitarbeiterperspektive einbeziehen. "Sonst steht vieles auf tönernen Füßen." Bislang spiele bei Fusionen die Abbildung von Proporzen noch eine viel zu große Rolle.

Plädoyer für freie Mandate

Kösters sprach sich gegen gebundene Mandate in den Klinikgremien aus. Sie führten zu einem Denken in der ursprünglichen Trägerschaft. Zu der aus seiner Sicht notwendigen Professionalisierung im Aufsichtsrat und der Gesellschafterversammlung gehört auch die entgeltliche Tätigkeit.

Es gehe dort schließlich um eine wirtschaftliche Verantwortung, die eingeklagt werden kann. "Man sollte wissen, dass das dicke Ende kommen kann, sonst bleibt es beim unverbindlichen Mitreden."

Als Themen, die eine Fusion verhindern oder zum Scheitern bringen können, nannte Kösters die Standortsicherung und die Auswahl der Disziplinen. Diese Fragen müssten vor der Fusion geregelt werden oder danach mit einem Stimmenquorum, das eine Blockade unmöglich mache.

"Einstimmigkeit kann tödlich sein, Vetorechte ebenso", sagte er.

Generalvikar mahnt zu stärkerer Vernetzung

Kirchliche Krankenhäuser müssen sich stärker vernetzen, sagte Generalvikar Theo Paul, Vorstandsvorsitzender des Katholischen Krankenhausverbands Deutschlands.

Bei Fusionen sollten sie aber die Rückbindung in die Bevölkerung und die Gemeinde nicht vernachlässigen. Sie sei in der Vergangenheit die besondere Stärke gewesen. "Kirchliche Krankenhäuser sind keine Gesundheitskonzerne."

Die Bevölkerung erwarte von ihnen eine gute medizinische Versorgung, eine gute Atmosphäre und überschaubare Strukturen, betonte Paul. "Eine Nivellierung würde dazu führen, dass die Akzeptanz wegfällt."

In Westfalen haben sich 14 Kliniken zum evangelischen Valeo-Verbund zusammengeschlossen. Einigen war diese Form der Zusammenarbeit zu wenig, sie haben die Valeo Kliniken GmbH gebildet, zu der zehn Einrichtungen gehören, darunter vier Krankenhäuser.

An ihnen hält die Holding jeweils mindestens 51 Prozent. Ziel sei es, eine größere Marktmacht zu erreichen, eine bessere Personalentwicklung und eine bessere Medizin-Strategie, berichtete Geschäftsführer Jochen Brink. "Die Kostensynergie hat die geringste Rolle gespielt."

Einzelinteressen vorbeugen

Die Partikularinteressen der einzelnen Einrichtungen, die im Verbund noch durchschlagen, sollen im Konzern überwunden werden, sagte Brink.

Es gehe darum, durch eine klare Beherrschungsstruktur, eine Gremienstruktur und Personenidentitäten Einzelinteressen vorzubeugen. "Die Konzernmutter muss ein Durchgriffsrecht in der einzelnen Einrichtung haben."

Zu den wichtigsten Fragen bei einer Fusion gehören nach Brinks Erfahrung: die Verteilung der Gesellschaftsanteile und der Stimmrechte, die medizinische Leistungsstruktur und die Frage, welche Personen sich in dem Modell wiederfinden sollen und welche nicht.

"Gremienvorbehalte und konfessionelle Eckpunkte müssen vorher geklärt werden", sagte er. Ein wichtiger Faktor sei zudem die Finanzausstattung. "Wenn alle nichts mitbringen, dann klappt es nicht. Sie brauchen auch starke Partner dabei."

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