Ärzte Zeitung, 07.04.2014

Kommentar zur Mengenausweitung

Mysteriöse Steigerungen

Von Dirk Schnack

Mengenausweitungen bringen Kliniken zunehmend in Erklärungsnot. Immer neue Schlagzeilen über Fallzahlen, die auch Experten nicht sofort erklären können, haben sich zu einem Imageproblem für die Kliniken entwickelt.

Das Problem für die stationären Einrichtungen: sie bewegen sich in einem Honorarsystem, das sie für sinkende Fallzahlen bestraft und das für die breite Öffentlichkeit schwer verständlich ist.

Die Ursache aber im DRG-System allein zu suchen, wäre zu kurz gegriffen. Wenn Klinikvertreter selbst einräumen, dass sie in der Codierung noch nicht professionell genug aufgestellt sind, lässt sich erahnen, dass die tatsächliche Leistungsmenge nochdeutlich über der abgerechneten liegt.

Der Anspruch in unserer Gesellschaft, für jedes gesundheitliche Problem schnell eine Lösung präsentiert zu bekommen, trägt zu steigenden Fallzahlen bei, dies gilt nicht nur für Operationen. Die Kehrseite dieser Entwicklung - steigende Kosten - blendet die Gesellschaft dabei gerne aus.

Ärgerlich wird es, wenn wenige schwarze Schafe in der Ärzteschaft unnötige Behandlungen erbringen und damit den Ruf eines ganzen Berufsstandes schädigen.

Hier müssen Ärzte und Kliniken für Aufklärung sorgen und dann zu Recht eine differenzierte Bewertung auch in den Medien einfordern. Kassen könnten dazu beitragen - bislang geschieht dies leider zu selten.

Lesen Sie dazu auch:
Mengenausweitung: Wie Ärzte diffamiert werden

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