Ärzte Zeitung, 11.04.2014

Brunsbüttel

Modellprojekt am Scheideweg

Ist das innovative Versorgungsmodell Brunsbüttel gescheitert? Darüber streitet das Westküstenklinikum mit den Kassen.

Modellprojekt am Scheideweg

Aus dem Westküstenklinikum sollte ein Facharztzentrum werden, in dem die Klinikärzte auch ambulante Leistungen erbringen.

© WKK

BRUNSBÜTTEL. Gericht statt Zukunftsmodell: Die Verhandlungen um ein integratives Versorgungskonzept in Brunsbüttel sind vom Westküstenklinikum (WKK) und vom Kreis Dithmarschen für gescheitert erklärt worden. Die Krankenkassen zeigten sich überrascht - nun drohen ihnen gerichtliche Auseinandersetzungen um einen Sicherstellungszuschlag.

Die für den 10. April anberaumte Pressekonferenz, in der der unterzeichnete Vertrag erläutert werden sollte, hatte das WKK kurzfristig abgesagt, obwohl vdek und BKK schon unterschrieben hatten.

Im WKK betrachtet man den Vorstandschef der AOK Nordwest, Martin Litsch, als Verhinderer. Litsch vermisst weitere Fakten und lehnt die Rolle als Sündenbock ab.

Mit dem vor einem halben Jahr angekündigten integrativen Konzept für die Region Brunsbüttel sollte die Versorgung durch ein abgespecktes Klinikangebot mit enger Verzahnung der ambulanten Medizin neu aufgestellt werden.

Schranken zwischen den Sektoren sollten fallen - aus dem WKK sollte ein Facharztzentrum werden, in dem die Klinikärzte auch ambulante Leistungen erbringen. Dafür sollten auch zusätzliche Kassenarztsitze über die Bedarfsplanung hinaus ausgewiesen werden.

WKK will Zuschlag einfordern

Das stationäre Angebot ist vom Landkreis Dithmarschen als Träger nur defizitär aufrechtzuerhalten, weshalb das Land gegen den Widerstand der Kassen einen umstrittenen Sicherstellungszuschlag, den in Deutschland bislang nur Inselkrankenhäuser erhalten, verfügt hat. In einer Eilentscheidung hatte ein Gericht dem WKK im vergangenen Jahr deshalb 1,2 Millionen Euro zugesprochen.

Dieser Zuschlag - und damit ein Präzedenzfall für Festlandskrankenhäuser - wäre durch das Konzept obsolet. Das WKK kündigte bereits an, diesen Zuschlag nun einzufordern. Am 15. Mai steht dazu ein Gerichtsentscheid in der Hauptsache an.

Litsch verwies darauf, dass alle Beteiligten sich noch vor wenigen Tagen darauf geeinigt hatten, alle offenen Punkte bis Anfang Juli zu klären. Ohne die Klärung, so Litsch, sei es "unverantwortlich, dem WKK einen Blankoscheck auszustellen."

Unter den Krankenkassen ist die Entscheidung der AOK aber umstritten. IKK und Knappschaft forderten gemeinsam mit der AOK eine seriöse Finanzplanung und weitere Daten. Sie riefen die Akteure auf, weiter gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.Bei anderen Kassenvertretern herrschte Unverständnis.

Nach Angaben des WKK hatte die DAK für die Ersatzkassen bereits den Vertrag unterschrieben. Auch BKK-Vertragschef Dr. Dirk Janssen hatte unterzeichnet.

"Ich würde es wirklich bedauern, wenn das gemeinsame Zukunftskonzept nun nicht mehr zustande kommt", sagte Janssen der "Ärzte Zeitung". (di)

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