Ärzte Zeitung, 17.06.2014

Drittmittel-Affäre

Charité-Dekanin tritt zurück

Die Unstimmigkeiten um Drittmittel an der Berliner Charité haben personelle Konsequenzen: Die Dekanin Professor Annette Grüters-Kieslich nimmt ihren Hut.

BERLIN. Die Dekanin der Berliner Uniklinik Charité Professor Annette Grüters-Kieslich nimmt ihren Hut. Zum Jahresende stellt die bundesweit erste Frau an der Spitze einer medizinischen Fakultät ihr Amt zur Verfügung. Sie zieht damit die Konsequenzen aus der Drittmittel-Affäre an Europas größter Uniklinik.

Grüters-Kieslich begründete ihre Entscheidung damit, dass sie weiteren Schaden von der Charité abwenden wolle. Der Aufsichtsrat dankte ihr für ihre Leistungen für die Charité insgesamt, für die Fakultät und den Vorstand.

Die Berliner Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) erklärte als Aufsichtsrats-Vorsitzende: "Ziel des Aufsichtsrates ist es, dass die Charité wieder in ruhiges Fahrwasser kommt. Mit einer starken Fakultät und einer gut aufgestellten Krankenversorgung."

Sie forderte weiterhin umfassende Aufklärung über die Drittmittelbuchungen an der Charité. Der Aufsichtsrat habe deutlich gemacht, dass er es nicht akzeptieren könne, wenn es derartige Mängel in der unternehmerischen Transparenz gebe, so Scheeres.

Künftig entscheidet Gesamtvorstand der Uniklinik über Verwendung von Drittmitteln

Der Aufsichtsrat hat zudem beschlossen, den bereits freigestellten kaufmännischen Leiter der Fakultät mit sofortiger Wirkung vorzeitig abzuberufen. Regulär wäre seine Amtszeit Anfang 2015 ausgelaufen.

Als weitere Konsequenz wurde beschlossen, dass die Entscheidung über die Verwendung von Drittmitteln künftig nicht mehr bei der Fakultätsleitung allein, sondern beim Gesamtvorstand der Uniklinik liegt. Die Fakultät erhält ein Vetorecht.

Die angesparten strittigen Drittmittel von 34,7 Millionen Euro aus der Gewinnrücklage sollen in voller Höhe der Forschungsfinanzierung zur Verfügung stehen.

Gleichzeitig hat der Aufsichtsrat den Jahresabschluss der Uniklinik beschlossen. Ohne Sondereffekte aus der Auflösung der Drittmittel-Verbindlichkeiten schloss die Charité das Jahr 2013 mit einer schwarzen Null von 1,6 Millionen Euro ab. Damit legt das Uniklinikum zum dritten Mal in Folge ein positives Jahresergebnis vor.

"Das zeigt, dass unsere Maßnahmen greifen und wir nachhaltig wirtschaften", sagte Charité-Chef Professor Karl Max Einhäupl.Senatorin Scheeres verwies auf die schwierige Lage der Unikliniken insgesamt und forderte einen Systemzuschlag.

Das Ergebnis der Charité dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass alle deutschen Universitätskliniken unter extremem finanziellen Druck stehen. "Sie benötigen deshalb dringend einen Systemzuschlag", so Scheeres. (ami)

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