Ärzte Zeitung App, 13.08.2014

Schachzug

Chefarzt und Hygieniker in Personalunion

Eine Klinik in Südbrandenburg geht offensiv mit dem Thema Klinikhygiene um. Ab 2016 muss sie per Gesetz einen Krankenhaushygieniker vorhalten. Hier übernimmt die Aufgabe der neue Chefarzt - ein personalstrategischer Schachzug.

Von Matthias Wallenfels

Chefarzt und Hygieniker in Personalunion

Das Thema Hygiene wird für Kliniken immer wichtiger. Ab 2016 muss jedes Krankenhaus, das über mehr als 400 Betten verfügt, einen Arzt für die Krankenhaushygiene haben.

© gornist / fotolia.com

SENFTENBERG. 2016 wird es ernst für viele Krankenhäuser in Deutschland. Denn ab dann benötigen alle Kliniken mit mehr als 400 Betten aufgrund der Novellierung des Infektionsschutzgesetzes einen eigenen Arzt für die Krankenhaushygiene. Das ist kaum zu schaffen, warnen Experten, weil Krankenhaushygieniker knapp sind.

Wie sich auch kleinere Häuser dieser Herausforderung im Rahmen des strategischen Personalmanagements erfolgreich stellen können, zeigt das Klinikum Niederlausitz, nach eigenen Angaben mit 510 Betten das größte Krankenhaus der Regelversorgung in Südbrandenburg.

Das Krankenhaus beschäftigt seit Beginn des Jahres Dr. Thomas Buthut als neuen Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Dass er einmal der Krankenhaushygieniker im Klinikum sein wird, war bereits bei seiner Einstellung klar, denn er befindet sich bereits in der zweijährigen Fortbildung und wird diese berufsbegleitend im kommenden Jahr abschließen.

"Hygiene ist das A und O im Krankenhaus. Wir gehören damit zu denen, die den hohen Stellenwert der Hygiene auch in personelle Strukturen umsetzen", kommentiert Hendrik Karpinski, Geschäftsführer der Klinikum Niederlausitz GmbH, den personalpolitischen Schachzug.

Klinik etabliert Hygieneinstitut

Im Juli wurde nach Klinikangaben das neue Institut für Krankenhaushygiene etabliert. Das Hygieneteam - Buthut und drei Hygienefachkräfte - soll sich auf die Analyse neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Infektionsprävention konzentrieren und diese in die hygienischen Strukturen und Prozesse im Klinikum umsetzen.

Ein Schwerpunkt der Arbeit wird der Kampf gegen multiresistente Krankheitserreger sein. Denn etwa ein Drittel der MRSA-bedingten Infektionen in Krankenhäusern gelten als vermeidbar.

Der Krankenhaushygieniker berate zudem die Geschäftsführung, sei für die regelmäßige Fortbildung der Mitarbeiter sowie Begehungen und Kontrollen aller Bereiche des Hauses verantwortlich und in allen hygienerelevanten Belangen weisungsbefugt.

Das Institut für Krankenhaushygiene im Klinikum Niederlausitz ist direkt der Geschäftsführung unterstellt und arbeitet nach den Vorgaben des Robert Koch-Instituts (RKI) sowie den Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO).

Die zu beratenden und prüfenden Bereiche sind laut Klinik umfassend. Neben den klassischen Bettenstationen an den Klinikstandorten Senftenberg und Lauchhammer, gehörten auch die Zentralsterilisation, die Küche und die Reinigung dazu.

Darüber hinaus würden auch das Internat, die LernBar sowie die Reittherapie am FamilienCampus Lausitz in Klettwitz sowie die ambulanten Praxen der Tochtergesellschaften künftig von dem Krankenhaushygieniker betreut.

Zu den Kernaufgaben des Teams zählten das Erfassen und die Ursachenklärung möglicher Krankenhausinfektionen und Einleitung notwendiger Gegenmaßnahmen sowie die Erstellung von Hygieneplänen.

Stellschraube Personalschulung

Zum Teil werde die Hygiene auch bei der Planung funktioneller und baulicher Maßnahmen hinzugezogen. Wesentlicher Bestandteil sei - zu Präventionszwecken - die Schulung des Personals zur Händehygiene und zum Umgang mit multiresistenten Erregern sowie die Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden.

"Wir wollen alle Mitarbeiter schulen und auf den aktuellen Stand zum Thema Hygiene bringen und halten. Ich sehe darin eine interessante und spannende Herausforderung", erläutert Buthut.

Unterstützung und externe Beratung erfahre das Hygieneteam von Professor Lutz Jatzwauk, Leiter der Krankenhaushygiene und Umweltschutz des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden an der Technischen Universität Dresden.

Jatzwauk sei bereits seit vielen Jahren für das Klinikum Niederlausitz als Berater im Bereich der Krankenhaushygiene tätig.

[13.08.2014, 13:32:01]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Orthographie :-)
Clostridien-Sporen zum Beitrag »
[13.08.2014, 12:56:04]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
na endlich! die "Hygieniker" haben sich ja schon zur Plage entwickelt
Natürlich ist der auch letztverantwortliche Chirurg
die bessere Alternative. Wer Verantwortung trägt muss auch entscheiden können.
ich mache jetzt auch den "staatlichen" Desinfektorschein.

Der größte Fehler der Hygieniker ist ihr Feldzug GEGEN das Händewaschen.
Damit wird die Nagelprobe aller effektiven Desinfektionsmaßnahmen:
CLOSTRIEENSPOREN
konterkariert. Sie können sich dann mit "hygienischer Händedesinfektion" ungestört vermehren.
Und, o Wunder, die nehmen zu und werden zum Problem mit steigenden Todesfällen
(Clostidium dificile).
Ein Glück, dass es in den Op´s noch Waschbecken gibt.
Zur Allgemeinchirurgie gehört die Wundbehandlung und die Kenntnis der nicht wenigen Varianten der Wundinfektionen, sowie ihrer korrekten Behandlung,
bei der übrigens die "Antibiotika" NICHT an erster Stelle stehen!
Kein Hygieniker kann Gasbrand diagnostizieren,
der erfahrene Chirurg sollte das können. zum Beitrag »

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