Ärzte Zeitung, 22.10.2014

Verpackt wie Astronauten

Das richtige Ankleide-ABC zum Schutz vor Ebola

Doppelte bis dreifache Schutzmontur, bruchsichere Spezialgefäße, sorgfältige Desinfektion: Die Göttinger Uniklinik hat sich für die Behandlung von Ebola-Patienten gewappnet und zum Schutz von Patienten und Mitarbeitern strenge Vorkehrungen getroffen.

Von Heidi Niemann

Das richtige Ankleide-ABC zum Schutz vor Ebola

Doppelt und dreifach verpackt: UMG-Mitarbeiter Jens Jakisch (links) und Dagmar Harder präsentieren sich in der komplette Schutzmontur.

© Niemann

GÖTTINGEN. "Vorsicht, Biogefährdung!" Noch ist das Warnschild an der Tür zur Isolierstation der Göttinger Universitätsmedizin (UMG) verdeckt.

Da es in Göttingen bislang noch keinen Patienten mit Verdacht auf eine Ebola-Infektion gab, musste das Schild noch nicht aufgeklappt werden.

Das Risiko, dass dieser Fall eintrete, sei derzeit sehr gering, sagt Professor Helmut Eiffert vom Institut für Medizinische Mikrobiologie. Trotzdem hat das Klinikum umfangreiche Maßnahmen getroffen, um ihre Patienten und ihre Mitarbeiter vor einer Infektion zu schützen.

Einen Fall wie in Spanien, wo sich kürzlich eine Krankenschwester bei der Behandlung eines Ebola-Patienten infiziert hatte, soll es in Göttingen nicht geben.

Die UMG veranstaltet deshalb nicht nur wöchentliche Schulungen für ihr Pflegepersonal, sondern hat auch als zusätzlichen Schutz zwei Kammern an die Isolierstation angebaut, die das so genannte Ausschleusen optimieren sollen.

Warnendes Beispiel Spanien

"Das Ausschleusen ist der kritischste Punkt", erläutert Sabine Scheithauer, Leiterin der Stabsstelle Krankenhaushygiene und Infektiologie. Dies zeigt auch der Fall in Spanien: Medienberichten zufolge soll sich die Krankenschwester dadurch infiziert haben, dass sie sich beim Ausziehen des Schutzhandschuhes über das Gesicht strich.

Damit hier eine solche Panne nicht passiert, hat das Klinikum die Reihenfolge für das An- und Ausziehen der Schutzkleidung genau festgelegt.

Sollte ein Verdachtsfall auf eine Ebola-Erkrankung auftreten, würde der betreffende Patient direkt auf der Isolierstation aufgenommen, ohne mit anderen Patienten in Kontakt zu kommen.

Ärzte, Schwestern und Pfleger müssen vor dem Betreten der Station in einem Vorraum Ringe, Uhren, Ketten, Pieper, Stifte, Handys und andere Utensilien ablegen und ihre Hände desinfizieren.

Dann kommt die Ankleideprozedur. Los geht`s an den Füßen: OP-Socken und OP-Schuhe werden in Schutzüberstiefel eingepackt, die Haare mit einer Haube bedeckt, dann kommt der Overall.

"Wir haben flüssigkeitsdichte Anzüge angeschafft, damit gehen wir über die Vorgaben des Robert Koch-Instituts hinaus", sagt Sabine Scheithauer. Danach wird ein spezieller Mundschutz mit Ventil angelegt. "Dieser muss sehr genau sitzen", sagt Pflegedienstleiter Holger Gottschling.

Erst danach wird die Kapuze des Overalls über den Kopf gezogen und der Reißverschluss bis oben hin geschlossen. Weil Ebola-Viren unter anderem über Körperflüssigkeiten übertragen werden, müssen als zusätzliche Schutzmaßnahmen eine Einwegschürze über den Overall und ein Visier vor das Gesicht gezogen werden.

Astronautenähnliche Montur

"Doppelt hält besser" gilt auch für die Hände: Über einen grünen Schutzhandschuh kommt erst der Ärmel des Overalls, dann ein zweiter Handschuh, dann müssen noch die Ärmel in die Stulpen gekrempelt werden. So eingepackt, kommen die Ärzte und Pfleger in ihrer astronautenähnlichen Montur kräftig ins Schwitzen.

Auch für die Auskleide-Prozedur gibt es genaue Anweisungen. Hier ist noch einmal besondere Vorsicht erforderlich, weil das Personal auf der Isolierstation Kontakt mit dem Patienten hatte. Damit keine Fehler gemacht werden, kommt ein zusätzlicher Mitarbeiter - ebenfalls in voller Schutzausrüstung - über einen separaten Eingang als Supervisor in die erste Schleusenkammer.

Dieser achtet zum Beispiel darauf, dass Ärzte und Pfleger zunächst ihre Schutzanzüge an Kopf, Schultern und Oberkörper mit Desinfektionsmitteltüchern abwischen und das Visier nach vorne und nicht über den Kopf abziehen. Die benutzten Kleidungsstücke und Schuhe verstauen sie in bruchsicheren Gefäßen, die sich nach dem Verschließen nicht mehr öffnen lassen.

Sollte sich der Ebola-Verdacht bestätigen, würde der Patient nicht in Göttingen behandelt, sondern ins Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf verlegt. Dies ist das zuständige Kompetenzzentrum für die Behandlung dieser Krankheit.

Die CDC-Richtlinien für Klinikmitarbeiter

Bei intensiven und wiederholten Schulungen wird der Umgang mit der Ausrüstung gezeigt, besonders Schritt für Schritt das An- und Ausziehen.

Um eine Hautexposition zu vermeiden, sind zusätzlich zu den bisherigen Maßnahmen Ganzkörperanzüge und Einmal-Wegwerf-Helme für Kopf und Hals vorgeschrieben. Schutzbrillen entfallen damit. Außerdem sind u.a. Pflicht: doppelte Handschuhe, wasserdichte Stiefel, Respiratoren, ein spezieller Schleusenraum.

Ein geschulter Kontrolleur überwacht das An- und Ausziehen der Schutzanzüge.

b>Infektionskontrolle: Die CDC mahnt, bei Patienten mit Reiseanamnese und Fieber, Kopfschmerzen, Diarrhoe etc. an Ebola zu denken. Verdachtsfälle müssen sofort isoliert und abgeklärt werden, ein Sicherheitsbeauftragter überwacht die Einhaltung des Krisenplans.

[23.10.2014, 14:34:50]
Dr. Horst Grünwoldt 
Ebola-Schutz-Verkleidung
Der "Seuchenkampf" gegen unsichtbare Virus-Feinde nimmt immer skurilere Formen an. Die Göttinger Uniklinik rüstet ihr medizinisches Personal mit hermetisch abgeschlossenen Ganzkörper-Anzügen aus, um sich selbst vor ansteckenden Körperflüssigkeiten von Ebola-Patienten zu schützen. Die scheint sogar für Tauchgänge im infektiösen Fluidum geeignet zu sein!
Wie wollen die Ärzte und das Pflegepersonal unter dieser Selbst-Isolation und Vermummung noch einen anständigen medizinischen Dienst am Schwerstkranken durchführen, z.B. mit Zweifach-Handschuhen korrekte und schonende Katheter legen und Wundbehandlungen vornehmen?
Verantwortlich für diesen gespenstigen "Seuchen"-Auftritt sind natürlich nach m.E. die praxis- und patientenfernen Labormediziner, Mikrobiologen und Virologen, die -auch verbal und irrational- immer wieder von (aktiv) "ausbrechenden", "überspringenden" und sich "verbreitenden" sowie "aggressiven" Erregern, -offensichtlich dramatisierend oder sogar wichtigtuerisch-, unverantwortlich über die "unsichtbaren Feinde" parlieren.
Sofern bei ansteckenden Krankheiten nicht ein tierischer Vektor -aus dem animalischen Reich der Insekten, Helminthen, Mollusken oder Vertebrata- festgestellt wird, sind es doch stets die Menschen selbst, die unwissend und aktiv auf unhygienische Art Mikroben oder Virus verschleppen und andere damit kontaminieren, oder sogar infizieren (lat. Inficire= "etwas hineinmachen") durch verschmieren.
In dieser Hinsicht scheinen mir die nahezu unbeweglichen Helfer für die aktive Infektions-Übertragung sogar mit ihrem umfangreichen, zu entsorgenden Desinfektionsmüll prädisponiert für eine nicht zu kontrollierende Keimverschleppung.
Als erfahrener Hygieniker würde ich für mich selbst -um medizinisch handlungsfähig zu bleiben- lediglich eine Kopfhaube, Mund-Nasen-Maske, meine optische Brille, Einmalhandschuhe und -überschuhe sowie für das Tropenklima angemessene Wechsel-Arztkleidung tragen. Schließlich kann ich mich -auch mit dem Ebolavirus- lediglich über meine ungeschützten Schleimhaut-Körperöffnungen (Augen-Mund-Nase) infizieren. Nur an denen habe ich mich vor dem "Eindringen" von fremden Körperflüssigkeiten durch Annießen, Anhusten oder dem (unwahrscheinlichen) "Ankotzen" bei der Untersuchung, Behandlung und Pflege - auch eines hämorhagisch Kranken - zu schützen.
Wenn ich nicht unter der "Ebola-Vermummungs-Immobilität" mich selbst mittels Injektionsnadel infiziere, schütze ich mich ausreichend durch Kleiderwechsel und ein Duschbad in einer Schleuse.
Um einem Ebola-Hospitalismus vorzubeugen, würde ich die ansteckungs-verdächtigen Patienten unter der Tropensonne lediglich in Pavillion-Zelten, die anschließend verbrannt werden können, zur Untersuchung und Behandlung unterbringen. Bettgestelle und Matratzen wären darin obsolet - bodennahe Sportmatten erwünscht
Unter den schwierigen, materiellen Bedingungen der tropischen E-Länder stelle ich den Einheimischen für die Raum-, Latrinen- und Bestattungs-Desinfektion den altbewährten Chlorkalk, für die Bedarfsgegenstände-Desinfektion eine frischangesetzte Na-Hypochlorid-Lösung und für die äußere_Hautdesinfektion eine alkalische (Schmier-)Seife aus Palmölproduktion zur Verfügung. Anschließend werden nur noch die Hände mit 70%igem Iso-Propylalkohol desinfiziert.
Den Ganzkörper-Präservativ-Anzug behalte ich mir vor für die Schlußreinigung und Desinfektion von Räumlichkeiten ohne Patienten-Belegung!
Der geringe Kosten- und Material-Aufwand zu einer effektiven "Seuchen-Bekämpfung" nach o.g. Muster, dürfte die WHO und alle "Ebola"-Spender-Länder freuen, wenn deren Entscheider nicht zu "infektionsanfällig" gegenüber der gewinnorientierten Pharma- und Hygiene-Industrie sind.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock zum Beitrag »

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