Ärzte Zeitung, 01.12.2014

Fehlmedikation vorbeugen

Notaufnahmen unter der Lupe

In drei Unikliniken werden über ein Jahr sämtliche Notfalleinweisungen auf Medikationsfehler untersucht. Im Fokus stehen unerwünschte Arzneimittelwirkungen.

Von Matthias Wallenfels

Notaufnahmen unter der Lupe

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nimmt Medikationsfehler bei Notfalleinweisungen in Kliniken unter die Lupe.

© Angelika Warmuth/ dpa

BONN. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nimmt Medikationsfehler bei Notfalleinweisungen in Kliniken unter die Lupe. Ein entsprechendes Forschungsprojekt werde vom Bundesministerium für Gesundheit mit insgesamt 580.000 Euro gefördert, wie das BfArM informiert.

Über jeweils ein Jahr lang werden nach Behördenangaben in den zentralen Notaufnahmen der Universitätskliniken Bonn, Fürth und Ulm sämtliche Notfalleinweisungen von Patienten daraufhin untersucht, ob sie durch Fehler bei der Verschreibung oder Anwendung von Arzneimitteln verursacht wurden.

Medikationsfehler vermeiden

Damit sollen neue Erkenntnisse über das Ausmaß und die Gründe von Medikationsfehlern gewonnen werden, um verbesserte Strategien zu deren Vermeidung entwickeln zu können.

BfArM-Präsident Professor Karl Broich betonte mit Blick auf den Patientenschutz den engen Zusammenhang zwischen dem neuen Forschungsprojekt und den Pharmakovigilanz-Aufgaben seiner Behörde: "Medikationsfehler führen in der Praxis immer wieder zu erheblichen Gesundheitsschäden, obwohl sie häufig vermeidbar wären.

Hier können wir mit unserer Forschung im Sinne der Patienten gezielt zu einer weiteren Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit beitragen."

Zur Häufigkeit und den konkreten Ursachen von Medikationsfehlern in der ambulanten und stationären Krankenversorgung in Deutschland liegen bisher laut BfArM nur wenige Daten vor.

Schätzungen zufolge führten unerwünschte Arzneimittelwirkungen durch vermeidbare Medikationsfehler in Deutschland zu rund 500.000 Krankenhausnotaufnahmen pro Jahr.

Daten aus der Praxis gewinnen

Das Forscherteam unter Leitung von Professor Julia Stingl und Professor Dirk von Mallek am BfArM und vom Fakultätszentrum Translationale Medizin an der Universität Bonn solle belastbare repräsentative und häufigkeitsbezogene Daten aus der Praxis gewinnen, um die Bedeutung von Medikationsfehlern im Kontext der praktischen Anwendung von Arzneien verbessert einschätzen zu können.

Zugleich solle die Relation zu solchen unerwünschten Arzneiwirkungen erfasst werden, die nicht durch Medikationsfehler bedingt seien.

Durch die Zusammenarbeit mit den drei repräsentativen Kliniken würden im Forschungsprojekt insgesamt etwa 90.000 Krankenhausnotaufnahmen erfasst, darunter voraussichtlich 9000 Fälle, die auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen zurückgehen, schätzt das BfArM.

Hier solle untersucht werden, wie viele dieser Fälle Medikationsfehler darstellen und durch vorbeugende Maßnahmen zukünftig vermeidbar wären.

Das Projekt werde in enger Kooperation mit der Arzneikommission der Deutschen Ärzteschaft durchgeführt.

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