Ärzte Zeitung, 10.12.2014

Qualität in Kliniken

Es gibt kein "Weiter so"

Kliniken müssen sich auf ein neues Versorgungszeitalter gefasst machen. Das sollte zu mehr Transparenz und Qualität führen.

Von Wolfgang van den Bergh

AUGSBURG. Das Bestreben der Bund-Länder-Arbeitsgruppe, der Versorgungsqualität in Kliniken eine zentrale, möglicherweise vergütungsrelevante Bedeutung beizumessen, hat in einigen Häusern die Sorge geweckt, den Anforderungen nicht mehr Rechnung tragen zu können. Andere Häuser sehen darin gute Chancen, sich über Qualität stärker am Markt zu positionieren.

Dieses Thema stand im Mittelpunkt des Kongresses "Augsburger Perspektiven", der zum dritten Mal vom Klinikum Augsburg veranstaltet wurde. Ärzte und Pflegekräfte, Klinik-Manager sowie Vertreter von Krankenkassen diskutierten darüber, wie die Forderung nach mehr Qualität ohne zusätzlichen bürokratischen Aufwand erfüllt werden könne.

Dr. Clemens Guth, Geschäftsführender Direktor der Artemed SE, machte gleich zu Beginn des Kongresses deutlich, dass Kliniken ihr Potenzial bei der Qualitätssicherung bei weitem nicht ausschöpften.

Es gebe zum Teil erhebliche Qualitätsunterschiede zwischen Kliniken in einzelnen Indiktionsbereichen. Zahlen, die das belegten, lieferte Guth etwa aus der Koronarchirurgie, der Behandlung von Patienten mit Colon-CA und der Frühchenversorgung.

Fokus ist die Ergebnisqualität

In seinem Impulsvortrag forderte Guth, den Fokus mehr auf die Ergebnisqualität und damit auf den Patientennutzen zu lenken. Basis dafür sei ein System integrierter Praxiseinheiten, in denen die Behandlungsergebnisse gemeinsam verantwortet werden.

Er räumte ein, dass die Messbarkeit der Outcomes nicht einfach sei. Derzeit würden Parameter entwickelt, die dazu eine Orientierung böten, kündigte Guth an. Zudem appellierte er an die Krankenkassen, diesen Prozess zu unterstützen.

"Wir dürfen nicht so tun, als ob die Ergebnis-Messung in der Versorgung bislang keine Rolle gespielt habe", gab Dr. Gerhard M. Sontheimer, Vorstandschef der Gesundheit Nordhessen Holding AG, zu bedenken.

Es gehe auch nicht um eine Verweigerungshaltung der Kliniken, doch die Sorge vor mehr Bürokratie und Kontrolle wecke immer wieder Misstrauen bei den Beschäftigten.

Eine Position, die so auch von Professor Michael Beyer, Ärztlicher Vorstand des Augsburger Klinikums, vertreten werden konnte. Beyer stellte in diesem Zusammenhang die Frage nach den Qualitätszielen und welche Rolle der Faktor Lebensqualität bei der Beurteilung von Qualität spiele.

Und: Am Beispiel der Klinikinfektionen machte Beyer deutlich, dass ein Mehr an Kontrolle und Screening mit höheren Kosten verbunden sei.

Politik und Kassen in der Pflicht

Mit Blick auf Kosten und Investitionen sieht Dr. Thomas Zimmermann, Vorsitzender des Landesgesundheitsbeirats in Bayern sowohl Politik als auch Kassen in der Pflicht. Immerhin habe Bayern seit 1972 über 20 Milliarden Euro in die Hand genommen.

Allein von 2000 bis 2013 seien 290 Einzelmaßnahmen mit über drei Milliarden Euro vom Land unterstützt worden. Mit Blick auf die Bund-Länder-Arbeitsgruppe forderte der langjährige Gesundheitsexperte der CSU eine nachhaltige Finanzierung auch der Betriebskosten.

Den Ball nahm Barmer-Landeschef Gerhard Potuschek gerne auf. Die Kassen seien in den letzten Jahren durchaus ihren Verpflichtungen nachgekommen. Er erwarte aber auch Verständnis dafür, dass die Kassen nicht mehr länger bereit seien, auch schlechte Qualität zu bezahlen.

"Ich bin froh, dass die Diskussion über Zu- und Abschläge begonnen hat." Ob allerdings jetzt schon der richtige Zeitpunkt für sogenannte Pay for Performance-Modelle sei, müsse hinterfragt werden, so Potuschek. Zudem plädierte er dafür, neue sektorübergreifende Versorgungskonzepte zu erproben.

Zuvor hatte sich Alexander Schmidtke, Vorstandschef des Augsburger Klinikums sowie zuständig für Finanzen und Strategiefragen, dafür ausgesprochen, solche gemeinsamen Modelle von KV und Klinik mit regionalen Budgets aufzulegen. Eine konfrontative Haltung zwischen Niedergelassenen und Klinikern sei wenig zielführend.

Mit Blick auf die Klinikreform hofft Schmidtke auf Unterstützung bei der Notfallversorgung, die in ihrer jetzigen Form Fehlanreize setze und zu einer Unterfinanzierung führe. Ferner erwartet er eine Regelung für "Extremkostenfälle" in Kliniken. Allein im Augsburger Klinikum werden pro Jahr 300 dieser Patienten behandelt.

Die Klinik müsse sehen, wie sie diese knapp fünf Millionen Euro Unterfinanzierung gegenfinanziert bekomme, so Schmidtke. Schließlich forderte der Vorstandschef eine offene Diskussion über Zuschläge zur Weiterbildung junger Ärzte.

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