Ärzte Zeitung, 11.12.2014

Klinikärzte

Am liebsten bei Öffentlichen

Haben privat geführte Kliniken ein Imageproblem? Viele Mediziner glauben, dort herrsche das kalte Diktat des Profits. Für den Wettbewerb um Fachkräfte ist das keine optimale Ausgangsbasis.

MÜNCHEN. Auf der Suche nach medizinischem Fachpersonal haben Kliniken in privater Trägerschaft gegenüber öffentlich oder gemeinnützig geführten Mitbewerbern die schlechteren Karten. Ärzte hegen vielfach die Erwartung, dass in privaten Krankenhäusern der Rotstift regiert und wirtschaftliche Ziele alles dominieren.

Das drückt die Zufriedenheit mit den Privaten als Arbeitgeber. Laut einer aktuellen Studie der Personalberatung Rochus Mummert in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Marketing und Gesundheitsmanagement der Universität Freiburg bilden die privaten Kliniken im Vergleich zu öffentlichen, gemeinnützigen und konfessionellen Häusern das Schlusslicht, was die Zufriedenheit ihrer ärztlichen Mitarbeiter angeht.

Für die Studie "Arbeitgeberattraktivität von Kliniken: Für welche Träger sich angehende Chefärzte entscheiden" wurden nach Unternehmensangaben online 239 Ärzte in leitenden Funktionen bei deutschen Krankenhäusern befragt. Am wohlsten fühlen sich demnach die Mediziner in öffentlichen Häusern, gefolgt von gemeinnützigen und kopnfessionellen.

 Letztere haben jedoch gleichfalls ein Rekrutierungsproblem. Denn neben der befürchteten Zahlenorientierung bei den Privaten ist auch die Erwartung, dass bei den konfessionell geführten Häusern christliche Werte den Arbeitsalltag dominieren, für viele Ärzte Grund genug, bei solchen Anbietern nicht anheuern zu wollen.

Konsequenz: Bei Stellenangeboten öffentlicher oder gemeinnütziger Klinikunternehmen denken Ärzte in leitenden Positionen eher über einen Arbeitgeberwechsel nach als bei Angeboten aus der Privaten oder der kirchlichen Wirtschaft.

Nur beim Geld sind die Privaten vorn

Auch was die Karrieremöglichkeiten betrifft - für die Befragten das wichtigste Kriterium, um die Attraktivität einer Klinik als Arbeitgeber zu bewerten -, schneiden die öffentlichen Häuser am besten ab. Immerhin können sich die Privaten in diesem Punkt an die zweite Stelle schieben.

Dafür schneiden sie beim Kriterium Jobsicherheit wieder am schlechtesten ab. Auch unter diesem Gesichtspunkt führen die kommunalen Kliniken. Kollegialität oder Work-Life-Balance, Kriterien vor allem für jüngere Ärzte, werden bei den privaten Arbeitgebern gleichfalls am wenigsten erwartet.

Lediglich bei den Verdienstaussichten stehen die Privaten am besten dar. Doch Geld ist sprichwörtlich nicht alles - auch nicht für angehende Chefärzte.

"Gute Gehaltsperspektiven", heißt es in einer Mitteilung von Rochus Mummert, "sind im Vergleich zu den Karriereaussichten für die Arbeitgeberattraktivität der Kliniken weniger ausschlaggebend".

Konfession nicht raushängen lassen

"Im Wettbewerb um die besten Fachkräfte", hätten die privaten Häuser "einen großen Nachholbedarf", heißt es weiter. Das Management müsse "Strategien finden, die Anziehungskraft des eigenen Krankenhauses zu erhöhen". Das gilt um so mehr, als es sich bei manchen Vorbehalten gegen die Privaten offenkundig nur um ein Vorurteil handelt.

So ergab die Befragung, "dass Ärzte, die bereits in einem privaten Haus gearbeitet haben, diesen Kliniktyp wieder wählen würden." In den meisten privaten Kliniken gelinge es recht gut, im Alltag den Fokus auf fachliche Fragen zu legen.

Kirchlichen Arbeitgebern rät die Personalberatung, nicht allzu stark auf die Konfession abzustellen, - "vor allem nicht bei Bewerbungsgesprächen". (cw)

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