Ärzte Zeitung, 23.01.2015

Kliniken

Mit Silber und Kupfer gegen Keime

Nosokomiale Infektionen stellen für Kliniken eine große Herausforderung dar. Bald könnten (Edel-)Metalle den Keimen in den Krankenhäusern flächendeckend den Garaus machen.

Von Matthias Wallenfels

Mit Silber und Kupfer gegen Keime

Türklinken abwischen lohnt sich - auf ihnen befinden sich viele Keime.

© PhotoSG / fotolia.com

SAARBRÜCKEN. In Krankenhäusern, Küchen und Sanitärbereichen, in Klima- und Lüftungsanlagen sowie bei der Verarbeitung von Lebensmitteln sind Hygiene und keimfreies Arbeiten wichtig.

In diesen Bereichen gefährden Bakterien und Pilze die Gesundheit von Patienten und Verbrauchern. Forscher des INM - Leibniz-Instituts für Neue Materialien haben nun nach eigener Aussage antimikrobielle, abriebfeste Beschichtungen sowohl mit Silber-, als auch mit Kupferkolloiden hergestellt.

Diese sollen Keime zuverlässig und langfristig abtöten und gleichzeitig das Einnisten neuer Keime verhindern. Die Beschichtungen eigneten sich besonders für die Verarbeitung auf großen und harten Flächen, auf Türklinken und für Textilien.

Vom 28. bis 30. Januar präsentieren die Forscher des INM dieses im German Pavilion auf der nano tech 2015 in Tokio.

"Die neue Entwicklung verbindet mehrere Eigenschaften miteinander, welche die Anwesenheit von Keimen und Pilzen auf solchen Flächen praktisch auf Null setzen", erklärt Carsten Becker-Willinger, Leiter des Programmbereichs Nanomere®.

In der Beschichtung seien Silber- oder Kupferkolloide eingelagert, die keimtötende Metall-Ionen nach und nach an die Umgebung abgeben. "Die Metallkolloide sind nur wenige Nanometer groß. Durch ihr besonderes Verhältnis von Größe und Oberfläche lässt sich ein ausgeprägter Langzeiteffekt verwirklichen", erläutert Becker-Willinger.

Der Verbrauch der Metalle zu Metall-Ionen sei dabei so gering, dass die Wirksamkeit der Beschichtung auf mehrere Jahre eingestellt werden könne, ergänzt der Chemiker. Diese Langzeitwirkung werde zusätzlich durch eine hohe Abriebfestigkeit verstärkt.

Das neue Material lässt sich auf verschiedene Untergründe auftragen

Die Oberfläche der Beschichtung sei gleichzeitig antiadhäsiv: Weder abgetötete noch frische Keime können so auf der Oberfläche anhaften. Damit wirke die Beschichtung vor allem der Bildung eines flächendeckenden Biofilms entgegen.

Die mikrobizide und biofilmhemmende Wirkung konnten die Forscher laut INM über das standardisierte Testverfahren ASTM E2 180 nachweisen.

Das neue Material lasse sich auf verschiedene Untergründe wie zum Beispiel Kunststoff, Keramik oder Metall durch gängige Techniken wie Sprühen oder Tauchen auftragen.

Es härte thermisch oder photochemisch aus. Durch gezielte Variation der einzelnen Bestandteile könnten die Entwickler auf die besonderen und unterschiedlichen Bedürfnisse möglicher Anwender reagieren.

Bereits seit Jahren ist Kupfer als Keimkiller in Krankenhäusern in der Diskussion.

Das Jorvi Hospital im finnischen Espoo setzt nach Angaben des Deutschen Kupferinstituts in Düsseldorf bereits seit einem Jahr als erste Klinik weltweit auf Kupfer, um die Keimübertragung im patientennahen Umfeld zu reduzieren.

Das Krankenhaus habe die IT-Arbeitsplätze in der Notaufnahme mit antimikrobiellen Kupferkomponenten ausgestattet. Hierzu zählten Peripheriegeräte der EDV ebenso wie Schreibtischplatten.

Um die Problematik nosokomialer Infektionen zu minimieren, gelte es, die vorhandenen Hygienestandards zu erweitern, so das Kupferinstitut.

Zielsetzung des zum Helsinki University Central Hospital (HUCH) gehörenden Krankenhauses sei es, die Vielzahl der unterschiedlichen Keime, die über Notfallpatienten in die Klinik hereingetragen würden, von Beginn an deutlich zu reduzieren.

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