Ärzte Zeitung, 27.02.2015

Niedersachsen

Grippe-Gipfel kommt noch

Die Grippewelle bringt weiter viele Kliniken in Niedersachsen in Schwierigkeiten. Ein Ende ist nicht in Sicht.

BREMEN. Die Grippe macht manchem Krankenhaus in Niedersachsen schwer zu schaffen. Wie berichtet, schieben die Pflegenden die Patienten aus Platznot bereits auf den Flur. Dabei kommt das dicke Ende noch.

"Wir sehen die Grippe bei unseren Patienten als Hauptproblem noch selten", sagt Dr. Ralf Siepe, Chef der Notaufnahme in den Niels-Stensen-Kliniken in Bramsche.

"Was uns Probleme macht, sind die derzeit vielen älteren Patienten mit infektionsbedingter Atemnot oder Lungenentzündung. Da sehen wir derzeit sehr, sehr viele Patienten. Weit mehr als in den vergangenen Jahren."

Das Haus sei auf der inneren Station bis zu 120 Prozent überbelegt, sagt Siepe. Wenn es gar nicht anders geht, wird aus einem Doppelzimmer ein Dreibettzimmer - oder die Patientenbetten müssen tatsächlich für einige Sunden auf dem Flur stehen. Nun behelfe man sich zudem mit "Außenliegern".

Die betroffenen Patienten werden also in Krankenzimmern anderer Stationen untergebracht. "Das Problem ist dann natürlich, dass das gesamte Versorgungsteam durch mehrere Stationen laufen muss, um seine Patienten aufzusuchen", sagt Siepe.

Dazu hapert es auch beim Personal. "Da sind eine Menge Pflegende und Ärzte krank, inklusive der Pflegedienstleitung", sagt Michael Schiffbänker, Sprecher der Niels-Stensen-Kliniken, "wir haben einen hohen Krankenstand."

"Ganze Straßenzüge wegen Durchfallerkrankungen platt"

Professor Wilfried Bautsch, Hygienefacharzt am Klinikum Braunschweig, sagt: "Wir haben eine komplexe Situation: viele grippale Infekte, viele Durchfallerkrankungen plus Influenza bei den Patienten."

Tatsächlich liegen "in Braunschweig sozusagen ganze Straßenzüge wegen Durchfallerkrankungen platt", sagt Marion Lenz, Sprecherin des Klinikums.

Für einen Engpass reiche es, wenn die Patienten nur einen halben Tag später als geplant entlassen werden, so Bautsch.

"Denn wenn der Abfluss der Patienten stockt, bleibt es dennoch beim konstanten Zufluss." Die Puffer, die das hohe Aufkommen hätten auffangen können, "sind längst aus Kostengründen abgebaut. Jetzt haben wir das Problem."

Auch beim Personal schaut Bautsch mit Sorge auf die kommenden Wochen. "Wir rechnen mit erheblichem Personalausfall durch Grippe", sagt er im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Schon jetzt hat das Haus bei der Pflege Honorarkräfte eingestellt.

Nach Angaben des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes dürfte die Grippewelle im Land deutlich anschwellen und die ohnedies übervollen Krankenhäuser massiv treffen. Aus den Daten von 38 Praxen und vier Krankenhäusern ermittelt das Amt, wie schwer die Influenza-Saison ausfällt.

"Wir haben mit derzeit 52,5 Prozent bestätigten Influenzafällen aller untersuchten Proben die Höchstquote aus der Saison 2012/2013 von 51 Prozent getoppt", sagt Dr. Dagmar Ziehm vom Gesundheitsamt. Zum Vergleich: In der Saison 2013/2014 lag die Quote bei 7,7 Prozent. (cben)

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