Ärzte Zeitung, 13.03.2015

Uniklinik

"Mannheimer Modell" bleibt

Das Uniklinikum Mannheim bekommt neue Leitungsstrukturen. Bei der Verquickung von Land und Stadt bei den Zuständigkeiten soll es aber bleiben.

Von iNGEBORG bÖRDLEIN

MANNHEIM. Nach langen Verhandlungen über eine künftige Leitungsstruktur am Mannheimer Universitätsklinikum haben die Beteiligten nun geliefert.

Danach soll das seit 50 Jahren bestehende bundesweit einzigartige "Mannheimer Modell" fortgeführt werden: Klinikträger und damit für die Krankenversorgung zuständig ist weiterhin die Stadt.

Das Land Baden-Württemberg ist für Forschung und Lehre an der Mannheimer Medizinfakultät zuständig, die zur Heidelberger Universität gehört.

Die Belange der universitären Forschung und Lehre werden künftig deutlich stärker in den Leitungsstrukturen vertreten sein.

Das hatte der Wissenschaftsrat im letzten Jahr gefordert.

Neue Grundlage

"Dadurch wird eine neue Grundlage für die positive Entwicklung der gesamten Universitätsmedizin in Mannheim geschaffen", sagte die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) bei der Vorstellung der Eckpunkte für eine künftige Kooperation zwischen Stadt und Land kürzlich in Mannheim.

Nun müssten die handelnden Personen vor Ort zeigen, dass sie diese Zukunft gemeinsam erfolgreich gestalten wollen und können, betonte die Ministerin.

In der Vergangenheit hat es zwischen der Stadt als Klinikumsträger und Repräsentanten der Fakultät immer wieder Unstimmigkeiten in Bezug auf finanzielle Zuständigkeiten der beiden Träger und klinisch-wissenschaftlicher Repräsentanz in der Führungsriege des Mannheimer Uniklinikums gegeben.

Mit dem neuen Kooperationsmodell sollen nun Strukturen geschaffen werden, die "eine gemeinsame Planung und Entwicklung von Universitätsklinikum und Fakultät gewährleisten, die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit stärken und eine dauerhaft innovative, hochwertige und wirtschaftliche Krankenversorgung sicherstellen" teilen die Kooperationspartner mit.

Der Aufwertung der Wissenschaft in der städtischen Klinik wird dadurch Rechnung getragen, dass Forschung und Lehre künftig als "eigene Unternehmensziele" des Uniklinikums definiert werden und in den Aufsichtsrat des Klinikums erstmals zwei Vertreter der Wissenschaft berufen werden.

Von zwei gleichberechtigten Geschäftsführern muss einer medizinisch-wissenschaftlich qualifiziert und in der Regel hauptamtlich beschäftigt sein.

Gemeinsamer Verwaltungsrat

Uniklinikum und Fakultät sollen künftig gemeinsam strategisch planen. Beiden Partnern soll bei mittel- und langfristigen Planungen eine Struktur- und Finanzkommission beratend zur Seite stehen, in der Vertreter der Stadt, des Wissenschaftsministerium und der Uni repräsentiert sind.

Für Angelegenheiten, die Klinik und Fakultät gemeinsam betreffen - etwa Berufungen - wird ein gemeinsamer Verwaltungsrat etabliert, dem die Geschäftsführung des Klinikums und zwei Vertreter des Dekanats der Fakultät angehören.

Die künftigen Kooperationspartner zeigten sich zufrieden mit der "Strukturreform". Mit einer weiteren Annäherung an die Strukturen der universitären Medizin würden die Forschungs- und Lehrorientierung neben den klinischen Kompetenzen künftig gestärkt.

Davon würden nicht nur die Uni, sondern auch die Patienten profitieren, erklärte der Rektor der Universität Heidelberg, Professor Bernhard Eitel. Bekommt das Modell von allen beteiligten Gremien seinen Segen, sollen die Vereinbarungen im Mai umgesetzt werden.

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