Ärzte Zeitung, 26.06.2015

Zweitmeinung

In Praxis und Klinik noch nicht der Renner

Noch sind Ärzte in Praxen und Kliniken zurückhaltend, wenn es darum geht, ihre Patienten auf die Zweitmeinungsoption hinzuweisen oder sie ihnen anzuempfehlen. Das ergab eine Befragung ambulant und stationär tätiger Ärzte.

Von Matthias Wallenfels

 In Praxis und Klinik noch nicht der Renner

Viele Ärzte hadern noch damit, Patienten zum Einholen einer Zweitmeinung zu ermuntern.

© Alexander Raths / fotolia.com

HAMBURG. Ärzte in Praxis und Klinik hadern anscheinend noch etwas mit der Option eines Zweitmeinungsverfahrens.

Wie aus einer Online-Befragung der Asklepios Kliniken Hamburg unter insgesamt 103 Ärzten aus Klinik und Praxis hervorgeht, haben von diesen in den vergangenen zwölf Monaten im Niedergelassenenbereich nur jeden zehnten Patienten auf die Möglichkeit einer Zweitmeinung aufmerksam gemacht oder dies anempfohlen, auf Klinikseite waren es 16 Prozent.

Am häufigsten zur Zweitmeinung rieten niedergelassene Haus- und Fachärzte ihren Patienten mit 54 Prozent demnach bei schweren operativen Eingriffen, wie zum Beispiel kardiologischen oder onkologischen Erkrankungen.

Bei den Klinikern waren es in diesem Bereich nur 42 Prozent. Mit 49 Prozent am häufigsten wiesen Klinikärzte im Fall von schweren Erkrankungen wie Krebs oder Schlaganfall auf die Zweitmeinungsoption hin (36 Prozent bei den Niedergelassenen).

Es muss nicht immer der Klinikarzt sein

Viele niedergelassene Ärzte sehen die Patienten in puncto Zweitmeinung bei einem ebenfalls niedergelassenen Kollegen in guten Händen. So gaben 42 Prozent an, keinerlei Vorteile zu sehen, wenn der Patient seine Zweitmeinung bei einem Klinikarzt einholt.

Allerdings sehen es auch 40 Prozent als Vorteil an, dass ein Klinikarzt das Expertennetzwerk seiner Einrichtung nutzen kann. 36 Prozent stimmen der Aussage zu, dass der Krankenhausarzt im besten Fall schon viele ähnliche Fälle operiert oder mindestens behandelt hat.

Interessant ist die Tatsache, dass bei den niedergelassenen Ärzten 56 Prozent davon ausgehen, dass ihre Patienten ein sehr starkes oder eher starkes Interesse an einer Zweitmeinung haben. Das heißt, für Haus- und Fachärzte gibt es im Praxisalltag noch ein hohes Optimierungspotenzial bei der Patientenkommunikation.

Die Vorteile des Zweitmeinungsverfahrens liegen nach Ansicht von Dr. Thomas Wolfram, Geschäftsführer und Sprecher der Asklepios Kliniken Hamburg, auf der Hand: "Der Patient kann sich aufgrund der zweiten Meinung viel bewusster entscheiden, auch in Bezug auf alternative Behandlungsmöglichkeiten."

Patienten wollen Zweitmeinung

Belegt wird dies auch durch frühere Ergebnisse einer Patienten-Befragung im Auftrag derselben Klinik. So waren nahezu alle Bundesbürger, die schon einmal eine Zweitmeinung von einem anderen Arzt eingeholt haben, mit Ablauf und Ergebnis des Zweitmeinungsverfahrens zufrieden (wir berichteten).

94 Prozent der Deutschen, die bislang noch keine zweite Meinung eingeholt haben, würden dies im Krankheitsfall machen oder zumindest erwägen.

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