Ärzte Zeitung, 05.10.2015

Türkei

Kliniken rüsten auf

Die Türkei will den Gesundheitstourismus ankurbeln - auch mit Patienten aus Deutschland. Die größte private Klinikkette des Landes expandiert kräftig und hebt den Standard. Auch internationale Kooperationen sollen das Angebot stärken.

Von Matthias Wallenfels

ISTANBUL. Auf dem türkischen Gesundheitsmarkt rüsten Kliniken auf. Sie wollen unter anderem ein größeres Stück vom Kuchen des weltweiten Medizintourismus haben.

Wie die deutsche Außenhandelsagentur Germany Trade & Invest (gtai) mitteilt, will die private türkische Krankenhauskette Medical Park künftig mit ihrer neuen Marke "VM Medical Park" VIP-Dienste für Patienten mit höheren Ansprüchen erbringen.

Patienten und deren Angehörigen sollten im Rahmen des neuen Konzepts hochwertige medizinische Leistungen und weitreichende ergänzende Dienste angeboten werden. Zu Medical Park gehören 26 Krankenhäuser.

HighTech-Medizin

Die Kette sei durch die Kapitalbeteiligung von internationalen Rentenfonds aus Kanada, Singapur und Europa im Jahr 2014 zur größten Krankenhausgruppe der Türkei aufgestiegen. Seit dem Einstieg der institutionellen Investoren operiere sie unter dem Dach der MLP Care Group.

Mit dem neuen Wachstumskonzept und der neuen Marke wolle Medical Park mehr kaufkräftige Patienten gewinnen. Dadurch wolle die Krankenhauskette ihre Position am Markt für Gesundheitsdienstleistungen festigen.

Die Krankenhäuser unter der Marke "VM Medical Park" sollen sich nach Angaben der Generalkoordinatorin der MLP Care Group, Basak Erel, in hohem Maße am individuellen Bedarf der Patienten orientieren und sich durch fortgeschrittene und hochwertige Diagnose- und Behandlungsmethoden von anderen Krankenhäusern unterscheiden, so die gtai.

Das erste Luxus-Krankenhaus nach dem neuen Konzept werde nach den Worten von Erel noch im Jahr 2015 in Kocaeli eröffnen.

Die Provinz Kocaeli, etwa 100 Kilometer östlich von Istanbul mit starker Industriekonzentration, biete für Investitionen in neue Krankenhäuser ein erhebliches Potenzial. In den 26 Krankenhäusern der Medical-Park-Kette würden jährlich insgesamt etwa 700.000 Patienten behandelt.

Neben Privatpatienten könnten auch die Versicherten der staatlichen Sozialversicherungsanstalt SGK (Sosyal Güvenlik Kurumu) die Leistungen der Kliniken in Anspruch nehmen, indem sie eigene Zuzahlungen zu den offiziell anerkannten Behandlungssätzen der SGK leisteten. In den Krankenhäusern der Gruppe erhielten im Durchschnitt auch etwa 100.000 ausländische Patienten pro Jahr eine medizinische Behandlung. Die Aufnahme ausländischer Patienten solle weiter erhöht werden.

Health Campus für Istanbul

Auch ausländische Investoren möchten auf dem türkischen Gesundheitsmarkt stärker mitmischen. So habe das US-Gesundheitsunternehmen Houston Methodist Global Health Care Services (HMG) einen Vertrag mit dem türkischen Bauunternehmen Emsas Insaat unterzeichnet für die Errichtung eines "Integrated Health Campus" mit 2682 Krankenbetten im Istanbuler Stadtbezirk Basaksehir.

Die Anlage auf einer Fläche von 817.000 Quadratmetern solle in drei Jahren fertiggestellt werden. Emsas Insaat werde hauptsächlich mit Bauarbeiten während der Bauphase des Campus befasst sein. HMG übernehme die Planungs- und Entwicklungsarbeiten und das Krankenhausmanagement.

Wie Emsas-Präsident Ali Riza Arslan anlässlich der Vertragsunterzeichnung in Istanbul erklärt habe, wolle das Gesundheitsministerium im Basaksehir Integrated Health Campus nach seiner Fertigstellung 4300 Fachkräfte beschäftigen.

Die Ausweitung des Gesundheitstourismus ist ein erklärtes Ziel der türkischen Regierung. Nach den Plänen des Gesundheitsministeriums soll die Zahl der ausländischen Patienten 2015 auf 500.000 und bis 2023 auf rund zwei Millionen steigen, so die gtai.

Die Deviseneinnahmen aus dem Gesundheitstourismus sollen demnach bis Ende des Jahres auf sieben Milliarden US-Dollar und bis 2023 auf 20 Milliarden US-Dollar zulegen.

Wie Jens Juszczak, bei der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg Leiter des Forschungsbereichs Medizintourismus, beobachtet, setzt die Türkei auch auf die Ansprache von im Ausland lebenden Landsleuten.

Türkische Kliniken versuchten, für elektive Eingriffe gezielt bei in Deutschland lebenden Auswanderern mit kostengünstigen Angeboten zu überzeugen. Ein Pluspunkt: Das Klinikpersonal versteht die Landessprache.

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