Ärzte Zeitung, 16.10.2015

NRW

Patienten beklagen Zeitmangel in Kliniken

Der Patientenbeauftragte in NRW legt den Finger in die Wunde: fehlende Wertschätzung, Barrieren in der Praxis.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. Wenn sich Patienten oder Angehörige an den Patientenbeauftragten der nordrhein-westfälischen Landesregierung Dirk Meyer wenden, stehen drei Themen im Mittelpunkt: Klagen über einen Mangel an wertschätzender Behandlung, vor allem in den Kliniken, das Fehlen barrierefreier Zugänge in der ambulanten Versorgung und die unzureichende Information und Beratung durch die Kassen.

Das zeigt der Bericht des Patientenbeauftragten für 2014. Noch immer sei die fehlende Wertschätzung, meist durch Zeitmangel, ein großes Problem in unserem Gesundheitssystem, sagte Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) bei der Vorstellung des Berichts.

"Der Bund und die gemeinsame Selbstverwaltung aus Ärzten und Krankenkassen müssen endlich dafür sorgen, dass in der ambulanten Versorgung sprechende Medizin und Zeit für menschliche Zuwendung angemessen finanziert werden", forderte sie.

Mehr Pflegepersonal

Die Kliniken müssten die Möglichkeit bekommen, mehr Pflegepersonal einzustellen - und der Bund dafür sorgen, dass dies auch durch die Kassen finanziert wird. Insgesamt haben sich im vergangenen Jahr 1123 Personen an Meyer gewandt, verglichen mit 1085 im Jahr 2013.

Ein Drittel aller Beschwerden (33,5 Prozent) hatten die ambulante Versorgung zum Gegenstand, 26,7 Prozent die gesetzliche Krankenversicherung und 26,5 Prozent die stationäre Versorgung.

Der Patientenbeauftragte verzeichnet eine Verschiebung bei den Anfragen: 2014 gab es zum stationären Bereich eine Zunahme, wohingegen die Anfragen zur ambulanten Versorgung deutlich zurückgingen.

Im ambulanten Bereich zielten viele Anfragen auf Fachärzte, während Hausärzte nur seltener Gegenstand waren. Fragen zur GKV drehten sich häufig um die Kostenübernahme.

"Immer mehr Patienten und Angehörige mit komplexen Beschwerden suchen Rat und Unterstützung, insbesondere bei vermuteten Behandlungsfehlern", sagte Meyer. In 38 Prozent aller Beschwerden und Anfragen zum Krankenhaus ging es um vermutete Behandlungsfehler.

Bei Zahnärzten zielten sogar 47,4 Prozent aller Anfragen auf Behandlungsfehler, im ambulanten Bereich spielte das Thema nur eine untergeordnete Rolle. "Wir benötigen einen offenen, wertschätzenden Umgang mit Fehlern, nur so kann aus ihnen gelernt und die Patientensicherheit erhöht werden", betonte Meyer.

Er hält eine Stärkung der Patientenbeteiligung und der Patientenrechte für notwendig. "Die aktive Einbeziehung der Patientinnen und Patienten in das Behandlungsgeschehen ist ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Versorgungsqualität."

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