Ärzte Zeitung, 07.03.2016

Klinikum Nordfriesland

Standorte bangen um Existenz

Im Kreis Nordfriesland gibt es noch vier öffentliche Klinikstandorte. Doch deren Fortbestand ist bedroht. Ein neues Gutachten lässt besonders für einen der Standorte wenig Hoffnung auf Rettung übrig.

Von Dirk Schnack

Standorte bangen um Existenz

Das Krankenhaus in Husum aus der Vogelperspektive: Gutachter sehen an diesem Standort des Klinikums Nordfriesland noch Chancen, das Angebotsspektrum sogar zu erweitern.Klinik Husum / Fotoflug.de

HUSUM. In Nordfriesland wird bis zur Entscheidung des Kreistags am 23. März über die Zukunft des Klinikums diskutiert. Denn das kreiseigene Klinikum fährt nicht nur seit Jahren Defizite ein, nun droht ihm auch die Insolvenz. Ein Grund dafür ist der Betrieb von insgesamt vier Standorten: Außer in der Kreisstadt Husum und in Wyk auf der Insel Föhr gibt es noch Standorte in Niebüll und Tönning.

An den vier Standorten arbeiten rund 1500 Beschäftigte, die Häuser kommen zusammen auf 400 Betten. Für Tönning gibt es nur noch geringe Hoffnungen auf einen Erhalt, seit vergangene Woche auch ein zweites Gutachten die Schließung empfohlen hat. Damit könnte der Klinikträger rund 800.000 Euro im Jahr sparen.

Die weiteren Wege für die Patienten halten die Gutachter für zumutbar. Einzig für Urlauber in St. Peter-Ording hält man die Fahrtzeit von 39 Minuten nach Husum für zu lang. Hier strebt man aber für Notfälle Veränderungen im Rettungsdienst an. Alle anderen Varianten mit stationärer Versorgung in Tönning wären Verlustbringer.

Sicherstellungszuschlag im Fokus

Auch der Standort Niebüll sollte nach Meinung der Gutachter nur dann ohne große Veränderungen weiter betrieben werden, wenn der schon vor zwei Jahren beantragte Sicherstellungszuschlag tatsächlich gewährt wird. Dies ist allerdings fraglich, positive Signale von den Krankenkassen fehlen bislang.

Rückenwind verspricht sich der Kreis von einer drei Jahre alten Aussage des Landesrechnungshofes, wonach die stationäre Versorgung in Niebüll wegen der weiten Entfernungen trotz mangelnder Wirtschaftlichkeit vorgehalten werden müsse.

Für Niebüll wird unter anderem der Ausbau der Geriatrie vorgeschlagen, Chirurgie und HNO sollen erhalten bleiben. Für die Geburtshilfe hatte der erste Gutachter den Verzicht vorgeschlagen, das zweite Gutachten empfiehlt wegen der Entfernung zu den nächsten Geburtshilfen den Erhalt.

Dies gilt allerdings nur, solange keine gesetzgeberischen Verschärfungen kommen. "Zukünftige Qualitätsanforderungen stellen ein erhebliches Risiko dar", teilte der Kreis hierzu mit.

Um die von Belegarzt Dr. Assem Hossein geleitete Geburtshilfe in Niebüll hatte es wie berichtet Diskussionen gegeben: Hossein kann weder qualitative, noch wirtschaftliche Gründe erkennen, die für eine Schließung seiner Abteilung sprechen. Auch nach Angaben der Gutachter erwirtschaftet die Abteilung einen positiven Deckungsbeitrag. Die besten Entwicklungschancen bescheinigen die Gutachter allerdings ausgerechnet dem mit nur 76 Prozent ausgelasteten Standort Husum. Hier ist eine Erweiterung des Angebotsspektrums zulasten der anderen Standorte möglich.

Verzicht auf Festlandkliniken?

Im Gespräch ist auch ein Verzicht auf alle drei bisherigen Festlandkrankenhäuser. Ein Neubau könnte dann im zentral gelegenen Bredstedt entstehen. Der Neubau würde 65 Millionen Euro kosten, die das Land finanzieren müsste. Im Gegenzug würden anstehende Investitionen an den Altbauten entfallen.

Mit dieser Lösung würde der Kreis als Träger zwar am ehesten in die Lage versetzt werden, Verluste zu vermeiden. Ob er den Verzicht auf die gewohnten Standorte aber politisch durchsetzen will, wird sich auch auf den heute und nächste Woche stattfindenden Einwohnerversammlungen zeigen.

 

 

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