Ärzte Zeitung, 10.08.2016

Gesunde Branche

Bleibt die Gesundheitswirtschaft auf Expansionskurs?

Laut HSH Nordbank ist die Gesundheitswirtschaft in Deutschland seit 2007 um 3,1 Prozent gewachsen – und das jedes Jahr. Die Gesamtwirtschaft konnte in der gleichen Zeit jährlich nur um 1,6 Prozent zulegen. Welche Prognosen geben die Hamburger für die Entwicklung des Marktes?

Von Dirk Schnack

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Auf Wachstumskurs: Die Gesundheitsbranche wächst kräftig. Eine Studie der HSH Nordbank sieht aber Gefahren.

© Calado/fotolia.com

HAMBURG. Die Gesundheitsbranche in Deutschland wird in den kommenden Jahren auf einem überdurchschnittlichen Wachstumskurs bleiben - die Teilmärkte stehen aber vor unterschiedlichen Herausforderungen. Insbesondere in der Pflege besteht laut der zu Wochenbeginn öffentlich vorgestellten Studie Gesundheitswirtschaft der HSH Nordbank Konsolidierungsdruck. Hierzu berichten die Studienautoren von zunehmenden Übernahmeaktivitäten, die von Finanzinvestoren forciert werden.

Die Pflege-Anbieter müssten sich mit Fachkräftemangel, niedrigen Gewinnmargen und immer stärkeren Wettbewerbern auseinandersetzen. Zwar sorge die Alterung der Bevölkerung für steigenden Bedarf an Pflegeleistungen, doch besteht laut Studie "langfristig Unklarheit, wie stark steigende Pflegebedürftigkeit gesellschaftlich finanziert werden kann."

Verdrängungswettbewerb im Pflegebereich möglich

Die Autoren schließen nicht aus, dass es zu einem regionalen Verdrängungswettbewerb kommen wird. HSH-Gesundheitsexperte Thomas Miller gibt zu bedenken, dass einige Unternehmen in der Pflege gegenüber Pharmaunternehmen oder auch Kliniken Bonitätsschwächen aufweisen.

Effiziente Pflegeeinrichtungen erachten die Studienautoren aber als "grundsätzlich attraktiv für privates Kapital". Laut HSH trugen ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen 2014 mit 35 Milliarden Euro zur gesamten Bruttowertschöpfung der Gesundheitswirtschaft bei. Der Umsatz teilt sich auf knapp 13.000 Pflegedienste und ebenso viele Pflegeheime auf.

Kommunale Krankenhäuser sind "qualitativ an der Spitze" – noch

Im Krankenhausmarkt sehen die Autoren kommunale Kliniken "qualitativ an der Spitze". Diese Position halten sie aber für gefährdet, weil den kommunalen Kliniken gegenüber der privaten Konkurrenz der Zugang zu frischem Kapital erschwert wird. Diesen Wettbewerbsvorteil nutzen die privaten Träger der Bank zufolge auch aus - "damit können sie modernisieren, digitalisieren und technisieren."

Als Folgen stellten sich steigende Auslastung und Effizienz ein. Als weitere Nachteile der kommunalen Träger nennt HSH unter anderem unklare Zuständigkeiten, politisch getriebene Entscheidungen und geringe Veränderungsbereitschaft. Als Lösung empfehlen sie neue Wege in der Finanzierung, auch unbesicherte Instrumente. Als Problem für die Branche nennen die Studienautoren außer den knappen finanziellen Ressourcen auch regional bestehende Überkapazitäten sowie geringen Spielraum bei der Preisfestsetzung.

Wachstumspotential in der Pharmabranche

Im Pharmamarkt sehen die Autoren Wachstumspotenzial. Ob Unternehmen dieses ausschöpfen können, hängt laut HSH von der eigenen Wettbewerbsfähigkeit, der Innovationskraft der Forschung und der Effizienz des Gesundheitssystems ab.

Für die deutschen Unternehmen nennt die Bank fehlende Blockbuster und die im internationalen Vergleich geringe Größe als Nachteile. Als wesentliches Risiko wird der zunehmende Preisdruck angesehen. Insgesamt sprechen sie aber von einer "soliden Profitabilität" und erwarten ein zwar moderates, aber intaktes Marktwachstum. Hohe Wachstumschancen sehen sie im Biotech-Segment.

Preisdruck und Fachkräftemangel in der Medizintechnik

Auch die Medizintechnik wird nach Einschätzung der Bank ein Wachstumsfeld bleiben. Dafür spräche neben dem technischen Fortschritt und der demografischen Entwicklung auch die steigende Bereitschaft der Menschen, mehr Geld für Gesundheit auszugeben. Risiken für die Branche bestünden im Fachkräftemangel sowie im Preisdruck.

Das Kreditvolumen der HSH in der Gesundheitswirtschaft betrug vergangenes Jahr 1,3 Milliarden Euro; dieses Jahr rechnet die Bank mit einem Neugeschäft in der Größenordnung um 400 Millionen Euro.

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