Ärzte Zeitung, 10.08.2016

Gesundheitsforschung

Deutsch-hellenischer Pakt soll die Wissenschaft stärken

Die Versorgungssituation in Griechenland ist dramatisch. Langfristig könnte die Wissenschaft Hilfe bringen. Berlin und Athen wollen die Forschungsförderung dazu gemeinsam anschieben.

Von Matthias Wallenfels und Jana Kötter

Deutschland und Griechenland richten ihren gemeinsamen Blick auf die Wissenschaft in die Zukunft: Trotz der Folgen der Krise vertiefen die Länder ihre Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung.

Mit dem 2. Deutsch-Griechischen Forschungs- und Innovationsprogramm sollen Innovation und Beschäftigung auch im Gesundheitssektor weiter angeregt werden, wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mitteilt.

"Die Mängel in der aktuellen Versorgungssituation können wir nicht direkt adressieren", betonte ein Sprecher des BMBF im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Jedoch hoffe man, durch die Stärkung von Forschungskooperationen langfristig Verbesserungen herbeiführen zu können.

"Der Wechsel hin zu Programmen, die zur wirtschaftlichen Entwicklung führen, wird zum Wachstum beitragen", heißt es in einer Mitteilung zum Programm. Hiermit liefere man ein "erfolgreiches Instrumentarium zur Bewältigung der Herausforderungen der wirtschaftlichen Krise".

So ist es erklärtes Ziel, die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu stärken und Nachwuchswissenschaftler in beiden Ländern zu fördern. Entsprechend gestalten sich die Kriterien an die zu fördernden Projekte: Neben dem wissenschaftlichen Mehrwert müssen "exzellente Nachwuchsforscher" beteiligt sowie kleine und mittlere Unternehmen eingebunden sein.

Und: Die Projekte müssen in europäische Programme angeschlossen werden können - damit es nicht bei einzelnen Modellen bleibt.

Bis zu neun Millionen Euro von jeder Seite

Für die auf eine Laufzeit von drei Jahren ausgerichteten Projekte sollen die beiden Länder jeweils bis zu neun Millionen Euro zur Verfügung stellen. Dabei war es nicht zuletzt der Gesundheitssektor, der seit der Finanzkrise 2010 mit erheblichen Einsparungen zur finanziellen Konsolidierung Griechenlands beigetragen hat.

Allein zwischen 2009 und 2012 wurden die staatlichen Ausgaben für Gesundheit um 24 Prozent zusammengestrichen. "Die pauschalen Sparmaßnahmen haben Leistungen in allen Bereichen verringert und die Gesundheitsversorgung ganz unmittelbar verschlechtert", beobachtet Alexander Kentikelenis von der Universität Cambridge, Experte für die Folgen von Finanzkrisen.

Die Stärkung von Forschungskooperationen, so sind sich die finanzierenden Forschungsministerien aber einig, könnte langfristig helfen, Sparpotenziale sinnvoll zu nutzen und gleichzeitig die Versorgung sicherzustellen – in allen Bereichen des Lebens.

So werden außer der Gesundheitsforschung auch Projekte aus den Bereichen Geistes- und Sozialwissenschaften, Materialforschung, Optische Technologien, Bioökonomie sowie Energieforschung gefördert.

Um Ergebnisse der Forschung schneller in die Praxis – zum Beispiel in den medizinischen Versorgungsalltag in Praxen und Kliniken – zu bringen, haben sich das BMBF und das griechische Forschungsministerium darüber hinaus verständigt, Maßnahmen zum Wissens- und Technologietransfer in Griechenland zu unterstützen.

Das BMBF stellt für die Jahre 2017 und 2018 bis zu zwei Millionen Euro für die Forcierung der Translation zur Verfügung.

23 bilaterale Projekte bereits auf den Weg gebracht

Hoffnung bringt dabei ein Blick in die Vergangenheit: Mit dem 1. Deutsch-Griechischen Forschungsprogramm hatten das BMBF, das griechische Partnerministerium und das Generalsekretariat für Forschung und Technologie (GSRT) im Jahr 2014 insgesamt 23 bilaterale Forschungsprojekte auf den Weg gebracht. Beide Länder stellten dafür zusammen mehr als zehn Millionen Euro bereit.

Ein Beispiel für die in der ersten Runde geförderten Projekte ist die Kooperation der Eberhard-Karls Universität Tübingen mit dem St. Savas Cancer Hospital in Athen, die Immunsignaturen in Tumoren und im Blut als biologische Merkmale fokussiere. Mit der Behandlungsmethode soll Brustkrebs durch Unterstützung und Stärkung der körpereignen Abwehr besser bekämpft werden.

Das Projekt ECHO (Enhancing Chronic patients' Health Online) zielt hingegen auf die Digitalisierung von personennahen Dienstleistungen bei Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD. Sie sollen, sieht das Projekt vor, über Online-Dienste, die über Smartphones oder Webbrowser benutzt werden können, betreut werden.

Das Ziel des Projektes ist nach eigenen Angaben die Einführung und Anwendung der Kombination von Cloud-Computing-Technologien, Online-Diensten, Prozessen, Datenanalyse und Smartphone-Anwendungen in der Praxis, um dadurch die Schwere der Erkrankung, die Anzahl der Notfälle und Krankenhausaufenthalte zu verringern sowie die Kosteneffektivität der angestrebten Lösung zu erhöhen.

Die Validierung erfolge durch die Erprobung mit Patienten, wie der Projekt-Website zu entnehmen ist. Ein Business-Plan, der eine finanzierte Testphase enthalte, überführe diese mit einem realistischen Finanzierungsansatz in eine Nachhaltigkeitsphase.

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