Ärzte Zeitung, 04.02.2016

Rostock

Gewebebank holt sich Unterstützung

Um die Versorgung mit Transplantaten zu verbessern, kooperiert die 2015 gegründete gemeinnützige Gewebebank in Rostock jetzt mit einem britischen Medizinprodukte-Unternehmen.

ROSTOCK. Von der Zusammenarbeit mit der britischen Firma Tissue Regenix erhoffen sich die Rostocker auch Zugang zu regenerativen Transplantaten auf der Basis zellfreier Gewebegerüste.

Das Unternehmen arbeitet mit einer patentierten Technologie, die die Erbinformation und das zelluläre Material aus dem Spendergewebe entfernt und ein zellfreies Gerüst hinterlässt.

Darauf werden Zellen des Patienten angesiedelt und regeneriert. Das neue Gewebe wird vom Körper des Empfängers nicht als fremd eingestuft und somit auch nicht abgestoßen.

Die neuen Partner kündigten bei der Vertragsunterzeichnung in Rostock auch gemeinsame Forschung an.

Für Tissue-Regenix-Geschäftsführer Antony Odell ist die Rostocker Vereinbarung der Auftakt für weitere vergleichbare Kooperationen mit Gewebebanken weltweit.

Nach Einschätzung der Partner ist die Versorgung mit Gewebetransplantaten in Deutschland derzeit unbefriedigend.

Nach ihren Angaben liegen die Wartezeiten beim Ersatz von Augenhornhäuten, Herzklappen und Gefäßen bei rund drei Monaten.

Deutschland importiert deshalb Gewebetransplantate aus dem Ausland. Zu den Gewebetransplantaten zählen auch Knochen, Sehnen, Faszien und Haut.

Begleitet wird die neue Zusammenarbeit von der Ärztekammer und den Krankenkassen in Mecklenburg-Vorpommern. Kammerpräsident Dr. Andreas Crusius und AOK-Chef Frank Ahrend erwarten, dass viele Menschen im Nordosten von der Kooperation profitieren werden - wenn intensiver über die Gewebespende aufgeklärt wird.

Beide Organisationen wollen sich dafür einsetzen.Nach Beobachtung des Rostocker Arztes Dr. Frank-Peter Nitschke, der die Kooperation mit initiierte, setzen sich zu wenige Menschen mit dem Thema Gewebespende auseinander.

Die intensivere Aufklärung in Kombination mit der neuen Technologie wird nach seiner Ansicht bewirken, dass es künftig mehr Gewebetransplantationen geben wird.

Er erwartet, dass zum Beispiel die Zahl von derzeit rund 8000 Hornhauttransplantationen bundesweit auf 12.000 steigen wird.

In Deutschland werden bislang jährlich rund 52.000 Gewebetransplantationen vorgenommen. Im Gegensatz zur Organspende werden die Gewebe nicht gleich verpflanzt, sondern in Banken aufbereitet. (di)

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