Ärzte Zeitung, 18.10.2012

In Kolumbien

Medizintechnikanbieter wittern guten Markt

Nicht nur mit Drogenkartellen und Rebellen der FARC hadert Kolumbien. Auch das Gesundheitssystem ist marode. Die Medizintechnikindustrie kann das mit anderen Augen sehen: Der Bedarf an Ausstattung wächst.

Von Matthias Wallenfels

Medizintechnikanbieter wittern guten Markt

Seilbahn als ÖPNV in Medellín: Vor allem in den großen Städten des Landes wird investiert. So auch in den Aufbau moderner Kliniken.

© Xinhua/ imago

NEU-ISENBURG. Die Augen der Medizintechnikanbieter richten sich derzeit wieder verstärkt nach Südamerika.

Speziell Kolumbien könnte deutschen Anbietern großes Absatzpotenzial bieten, wie die deutsche Außenhandelsagentur Germany Trade & Invest (gtai) berichtet.

Demnach sei das kolumbianische Gesundheitssystem gegenwärtig wie bereits 2009 erneut in eine Krise geschlittert.

Zu viele Gesundheitskassen hätten durch schlechte Verwaltung und Korruption bei öffentlichen und privaten Krankenhäusern hohe Schulden aufgebaut, die zu Liquiditätsengpässen geführt haben.

Gleichzeitig seien aber die staatlichen Versicherungsleistungen ausgeweitet und auch auf nicht Sozialversicherte ausgedehnt worden. Gelänge es der Regierung das System zu stabilisieren, so gtai, dürfte auch der Absatz von Medizintechnik profitieren.

Schlechte Verwaltung und Korruption sorgten für Misere

Das derzeitige Gesundheitssystem in Kolumbien sei 1993 per Gesetz ins Leben gerufen worden und habe sich über die Jahre zu einem der umfassendsten öffentlichen Krankenversicherungssysteme in Lateinamerika entwickelt.

Gesundheitskassen (Entidad Promotora de Salud, EPS) konkurrierten um Sozialversicherte, für die der Staat je nach Risikoprofil feste Sätze zahlt. Die EPS wiederum schlössen Verträge ab mit Gesundheitsdienstleistern (Instituciones Prestadoras de Servicios, IPS) wie Krankenhäusern und ambulanten Kliniken, die zum Teil privat und zum Teil öffentlich sind.

In dieses System ist laut gtai über die Jahre auch die nicht sozialversicherte Bevölkerung integriert worden - allerdings in separate Gesundheitskassen. Noch sei die Vollabdeckung der gesamten Bevölkerung nicht abgeschlossen.

Das Gesundheitsministerium habe im Mai 2012 etwa 19,4 Millionen im Sozialversicherungsregime für Beitragszahler gezählt - etwa 42 Prozent der Bevölkerung. Weitere 22,5 Millionen oder 48 Prozent der Bevölkerung seien nicht sozialversichert gewesen.

Die insgesamt etwa 2,3 Millionen Polizeikräfte, Lehrer, Mitarbeiter der Zentralbank und der Erdölgesellschaft Ecopetrol sowie Militärangehörige seien separat aus staatlichen Mitteln abgedeckt worden und hätten etwa fünf Prozent der Bevölkerung ausgemacht.

Somit werden laut gtai nach einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Fedesarrollo auch mehr als 80 Prozent der Gesundheitsausgaben von der öffentlichen Hand geleistet.

Zu den restlichen fünf Prozent der Bevölkerung zählten wohlhabendere Privatversicherte sowie noch nicht erfasste Personen ohne Versicherung.

Gesundheitsinfrastruktur hinkt beim Ausbau hinterher

Der Ausbau der öffentlichen Gesundheitsinfrastruktur konnte allerdings bisher nicht mit der rasanten Ausweitung der öffentlichen Krankenversicherung Schritt halten. Neuinvestitionen würden vor allem von privaten Kliniken getätigt, die für die Medizintechnikanbieter immer interessanter geworden sind.

Von etwa 10.500 Kliniken seien 9300 privat und 1200 öffentlich. Von den 55.000 Krankenhausbetten im Land seien etwa 49 Prozent in privaten und 51 Prozent in staatlichen Einrichtungen.

Unter den Krankenhäusern in Kolumbien gibt es laut gtai etwa 30 Großkliniken, die hauptsächlich in den größten Städten - Bogotá, Cali und Medellín - angesiedelt und auf dem neuesten technischen Stand sind. Derzeit entstünden vor allem in Medellín und Cali neue Kliniken.

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