Ärzte Zeitung online, 29.07.2013

Indonesien

Eldorado der Medizintechnik?

Indonesien führt die Kasse für alle ein. Das pusht die Nachfrage nach Equipment in den Kliniken.

Von Matthias Wallenfels

JAKARTA. Entwickelt sich Indonesien in diesem Jahr noch zum Eldorado ausländischer Medizintechnikanbieter? Die Zeichen stehen nicht schlecht für die Exporteure aus Deutschland, Singapur, Japan, den USA sowie China.

Wie die deutsche Außenhandelsagentur Germany Trade & Invest (gtai) berichtet, stehen Kliniken in ganz Indonesien vor einem massiven Investitionsschub. Denn zum 1. Januar nächsten Jahres sollen in dem größten muslimischen Land der Erde 100 Prozent der Bevölkerung in den Genuss einer Krankenversicherung kommen.

Ab dem Jahreswechsel rechneten die Kliniken daher mit einem wahren Patientenansturm. Dringend müssten neue Hospitäler gebaut und ausgestattet werden. Das meiste technische Gerät dürfte nach Einschätzung der gtai importiert werden - der Löwenanteil von den oben genannten Ländern.

Denn einheimische Firmen könnten - die Situation ist vergleichbar mit der Situation in anderen Schwellenländern, wie Südafrika oder der Türkei - aufgrund eines ausgeprägten Know-how-Defizites in der Regel nur einfache Verbrauchswaren für den Klinikalltag herstellen.

Singapur wichtigster Orthopädietechnik-Lieferant

Im Jahr 2012 importierte Indonesien Medizintechnik im Wert von umgerechnet rund 560 Mio. US-Dollar (rund 424 Millionen Euro). Auf den ersten Blick erscheint der Wert angesichts einer Bevölkerung von über 240 Millionen Menschen klein.

Allerdings darf, woran die gtai erinnert, nicht vergessen werden, dass es sich um einen Markt in einem sehr frühen Stadium handelt. Er zeichne sich durch eine sehr niedrige Ausgangbasis, aber hohe Wachstumsraten aus.

Im Vergleich zu 2002 seien die Branchenimporte um mehr als das Zwölffache gestiegen.

Laut Statistik sei Singapur der mit weitem Abstand wichtigste Lieferant von Medizintechnik. So lieferte der Stadtstaat 2012 Branchenwaren im Wert von nahezu 220 Millionen US-Dollar nach Indonesien.

Allerdings habe es sich bei den Lieferungen auch um Reexporte gehandelt, die in anderen Ländern hergestellt wurden. Viele Anbieter verschickten ihre für das südostasiatische Archipel bestimmten Waren über ein in der ehemaligen britischen Kolonie gelegenes Handelshaus.

Zudem bestünden nahezu 90 Prozent der singapurischen Lieferungen aus Orthopädietechnik und nicht aus klassischen medizintechnischen Apparaten.

In diesen Sparten dominierten Anbieter aus Deutschland, den USA, Japan und China. Die Importe von Elektrodiagnose- und Röntgenapparaten beliefen sich 2012 laut Zollstatistik auf 127 Millionen US-Dollar.

Verkehr begünstigt Nachfrageschub nach Prothesen

Bemerkenswert ist laut gtai, dass sich Indonesiens Einfuhren von Prothesen und Implantaten 2012 auf nahezu 200 Millionen US-Dollar summierten. Im Straßenverkehr des größten und bevölkerungsreichsten südostasiatischen Landes würden jährlich Zehntausende verstümmelt und benötigten anschließend künstliche Gliedmaßen.

Deutschland verkaufte 2012 Medizintechnik an indonesische Kunden im Wert von fast 50 Millionen US-Dollar. Elektrodiagnose- und Röntgengeräte machten mehr als 40 Prozent der Lieferungen "made in Germany" aus, so gtai.

Im Zuge der Einführung der Krankenversicherung für alle werden neue Hospitäler dringend benötigt, schätzt die gtai. Bis 2015 sollen nach Plänen der Regierung Krankenhäuser mit einer Kapazität von mehr als 35.000 Betten neu entstehen.

Das kann der Staat alleine nicht stemmen. Der private Sektor muss ebenfalls seinen Beitrag leisten. Besonders aktiv zeigt sich laut gtai die Lippo-Karawaci-Gruppe.

Sie betreibe derzeit landesweit 13 Krankenhäuser. Diese böten durchweg einen im Vergleich zu anderen Klinken höheren Standard. Einige seien sogar international akkreditiert, was eine Ausnahmeerscheinung in Indonesien darstelle.

Deutsche Anbieter investieren vor Ort

In einem Interview mit Germany Trade & Invest habe die Gesellschaft ihre Zukunftspläne offen gelegt. Von Ende 2013 bis Anfang 2014 wolle sie drei neue Häuser bauen. Ihnen sollen bis Ende 2015 sieben Kliniken folgen.

Bis 2017 sind dann noch 22 weitere Krankenhäuser geplant. Damit beabsichtigt die Lippo-Gruppe, im Jahr 2018 insgesamt 45 Kliniken landesweit zu betreiben. Die durchschnittlichen Investitionskosten pro Krankenhaus (Baukosten und Ausstattung) liegen laut Unternehmensaussagen bei 30 bis 35 Millionen US-Dollar.

Somit belaufe sich das Gesamtinvestitionsvolumen für die 32 geplanten Kliniken auf rund eine Milliarde US-Dollar.

Die internationalen Anbieter von Medizintechnik wollen nicht nur mehr Produkte nach Indonesien exportieren, sondern auch verstärkt vor Ort produzieren. Laut Meldungen des renommierten "Jakarta Globe" plant beispielsweise die deutsche Braun-Gruppe den Bau einer Fabrik in West-Java.

Sie soll 2017 in Betrieb gehen. Die Investitionskosten belaufen sich nach dem Bericht auf rund 100 Millionen US-Dollar.

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