Ärzte Zeitung online, 13.12.2013

Exportchance

Südkoreas immenser MedTech-Hunger

Die Kliniken zwischen Seoul und Jeju rüsten ihr Equipment auf - eine Exportchance.

Von Matthias Wallenfels

SEOUL. Beflügelt durch das zum 1. Juli 2011 in Kraft getretene Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Südkorea, bietet der koreanische Markt für Medizintechnik deutschen Unternehmen auch in den kommenden Jahren gute Geschäftschancen.

Darauf weist die deutsche Außenhandelsagentur Germany Trade & Invest (gtai) nicht zuletzt anlässlich der 2013 - vertraglich verbürgten - 130 Jahre alten deutsch-koreanischen Beziehungen hin.

Laut gtai wachsen in Südkorea die Anforderungen an die medizinische Versorgung mit dem steigenden Lebensstandard der Bevölkerung.

Der Wettbewerb um Patienten bei den meist privaten Krankenhäusern sei sehr hart. Dies führe zu einem erheblichen Modernisierungsbedarf. Außerdem entstünden neue Hospitäler und medizinische Zentren.

Vor allem HighTech-Produkte werden importiert

Der südkoreanische Markt für Medizintechnik wuchs nach Angaben der gtai 2012 um 6,6 Prozent auf 4,6 Billionen Won (umgerechnet etwa 3,2 Milliarden Euro).

Während Südkorea seinen Bedarf an einfacher Medizintechnik weitgehend aus eigener Produktion decken kann, ist das Land bei technologisch fortgeschrittenen Geräten stark abhängig von Importen. Im Jahr 2012 habe es 63,8 Prozent des gesamten Bedarfs eingeführt.

Südkoreas Kliniken sind meist mit modernen diagnostischen Ausrüstungen wie Computertomografen (CT) und Magnetresonanzgeräten (MRT) sehr gut ausgerüstet.

Der scharfe Wettbewerb der hauptsächlich privaten Krankenhäuser fördert, wie gtai-Experten beobachten, die Anhebung des medizintechnischen Niveaus im Land.

Führende Kliniken böten beispielsweise in bestens ausgestatteten medizinischen Zentren stark nachgefragte Vorsorgeuntersuchungen an. Diese gingen über die zwar kostenlosen, jedoch sehr einfachen Basisuntersuchungen der Nationalen Krankenversicherung (NHI) hinaus.

Auch in Zukunft werde der Bedarf an technologisch anspruchsvollen Ausrüstungen und Geräten in Südkorea hoch sein. Mit dem steigenden Wohlstand und der schnellen Alterung der Bevölkerung wüchsen die Ansprüche der Koreaner an die medizinische Versorgung.

Dem werde durch den Bau neuer Kliniken und die Erweiterung bestehender medizinischer Zentren Rechnung getragen.

Hohe Selbstbeteiligung bei Gesundheitsausgaben

Die Koreaner tragen einen Großteil der Kosten für ihre medizinische Versorgung selbst (2012: 36,1 Prozent). Insgesamt lag der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt 2012 bei 7,5 Prozent.

Dies entsprach laut gtai dem fünftniedrigsten Wert unter den OECD-Mitgliedern. Deutschland zum Vergleich gab 2011 rund 11,3 Prozent für die Gesundheit aus.

Einfluss auf den Gesundheitsmarkt hat nach Einschätzung der gtai auch die Politik der NHI, in die fast alle Koreaner einzahlen.

So will das Ministry of Health and Welfare (MHW) den Anteil der Kosten, den die NHI bei schweren Leiden wie Krebs, Herzkrankheiten, Schlaganfall und anderen Hirnerkrankungen sowie seltenen Krankheiten übernimmt, bis 2016 schrittweise erhöhen.

Auch der von der südkoreanischen Regierung geförderte Medizintourismus werde die Nachfrage nach hochwertigem medizinischem Equipment stärken. Die Anzahl ausländischer Patienten in Südkorea habe 2012 knapp 160.000 erreicht. Dies seien 30,4 Prozent mehr als im Vorjahr gewesen.

Die Entwicklung ist in der Retrospektive interessant und gestaltet sich sehr dynamisch: 2007 seien es gerade einmal 8000 Medizintouristen aus dem Ausland gewesen.

Beliebt bei ausländischen Patienten seien unter anderem die Innere Medizin, Schönheits-Op und Zahnbehandlungen. Regional erfolgten die meisten Behandlungen in Seoul. Zu den wichtigsten Herkunftsländern zählten China, die USA, Japan und Russland.

Auf der Ferieninsel Jeju sollen in der Jeju Healthcare Town Gesundheits- und Wellnesseinrichtungen entstehen, die sich auch an ausländische Patienten richten.

Seoul pusht Qualitätsproduktion im eigenen Land

Um das Niveau der lokalen Industrie anzuheben, baut Südkorea laut gtai seit 2009 zwei Komplexe für medizinische Spitzentechnologien in Daegu und in Osong (Provinz North Chungcheong) auf.

Dort sollen Arzneimittel und medizinische Geräte auf dem neuesten Stand der Technik entwickelt werden. In der Medizintechnik liege der Schwerpunkt in Daegu auf IT-basierten Geräten und in Osong auf Geräten für die Biotechnologie.

2012 führte Südkorea Medizintechnik im Wert von 2,67 Milliarden US-Dollar ein. Gegenüber dem Vorjahr habe dies einem Anstieg um 0,7 Prozent entsprochen, so die gtai.

In den ersten acht Monaten 2013 seien die Importe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,1 Prozent auf 1,78 Milliarden US-Dollar gestiegen.

Wichtigste Lieferländer Südkoreas seien die USA, Deutschland, Japan, China und die Schweiz. Besonders gefragte Branchenprodukte "Made in Germany" seien 2012 unter anderem MRT, Dialysatoren für die Hämodialyse, CT, ophthalmologische Instrumente, Hämodialysesysteme, Röntgenröhren, Angiographiegeräte sowie künstliche Gelenke gewesen.

Grundlage für die Zulassung von medizinischen Instrumenten und Geräten in Südkorea ist der "Medical Device Act", wie die deutsche Außenhandelsagentur informiert. Das Genehmigungsverfahren bei der zuständigen Behörde, dem Ministry of Food and Drug Safety (MFDS) gelte als aufwändig.

Um für Produkte der Risikoklasse zwei und höher eine Lizenz zu erhalten, müsse eine umfangreiche technische Dokumentation bis hin zu Ergebnissen klinischer Versuche eingereicht werden, außerdem ein Konformitätsnachweis (GMP - Good Manufacturing Practices).

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