Ärzte Zeitung, 14.07.2015

China

Moderne Medizin boomt

China ist weltweit einer der am stärksten wachsenden Gesundheitsmärkte. Auch für internationale Unternehmen bietet das Reich der Mitte damit große Chancen.

Von Jana Kötter

Moderne Medizin boomt

Abkühlung für Fieberpatienten – in China könnte das künftig auch die Medizintechnik übernehmen.

© Jana Kötter

PEKING. Sieht so in Zukunft eine symptomatische Therapie für Patienten mit hohem Fieber aus? Tatsächlich mutet das leuchtend blaue Latex-Stirnband futuristisch an. Es soll Fieber-Patienten helfen.

Über eine Fernbedienung lässt sich die Temperatur des integrierten Kühlapparats einstellen, der im akuten Fall die Temperatur des Patienten senken soll. "Unsere Tests haben bewiesen, dass es wirklich hilft", betont der Verkäufer am Messestand.

Neben Fitnessgeräten, Schönheitsprodukten und vermeintlichen Heil-Edelsteinen ist der Kühlapparat nur eines der vermeintlich "innovativen Medizinprodukte", die jüngst auf der Pekinger Messe für den privaten und professionellen Gesundheitsmarkt vorgestellt worden sind.

Sie alle haben gezeigt: So unterschiedlich das Verständnis von Gesundheit in den Kulturen auch sein mag, so groß ist doch das Interesse, auf das die Ausstellung gestoßen ist.

Internationale Messebeteiligung

Auch internationale Besucher und Standbetreiber haben sich auf dem Pekinger Expo-Gelände eingefunden.

Der chinesische Gesundheitsmarkt ist für sie ein wichtiges Thema, denn er entwickelt sich seit Jahren äußerst dynamisch: Bis 2020 soll der Gesundheitssektor im Reich der Mitte laut einer McKinsey-Studie ein Volumen von nahezu 900 Milliarden Euro erreichen.

Bereits heute ist China der zweitgrößte Markt für Medikamente und Medizinprodukte - Tendenz steigend.

Allein im Zeitraum von 2006 bis 2011 haben sich die Gesundheitsausgaben von 140 Milliarden auf knapp 320 Milliarden US-Dollar verdoppelt, so die 2012 erschienene McKinsey-Untersuchung. Marktkenner sehen in der nahen Zukunft kein Ende dieser Entwicklung.

"Viele Multinationals richten ihr Augenmerk auf China", attestiert Franck Le Deu, Chef des McKinsey-Büros in Shanghai. "Allein die Größe des Marktes macht das Land sehr attraktiv."

Belegt wird dies durch viele Beispiele internationaler Unternehmen, die in China Fuß fassen wollen. So geht Nestlé Health Science seit Jahren Partnerschaften mit chinesischen Unternehmen ein, um sich damit Zugang zum Markt vor Ort zu verschaffen.

Jüngstes Beispiel ist die 2012 bekannt gegebene Gründung eines Joint Ventures mit dem Gesundheitsunternehmen Chi-Med, das dem Hongkonger Milliardär Li Ka-Shing gehört. Der Zusammenschluss, der Nutrition Science Partners Limited (NSP) heißt, soll Produkte auf pflanzlicher Basis entwickeln und vertreiben.

Im Konzern Nestlé hat der Produktbereich "Ernährung und Gesundheitsprodukte" im Geschäftsjahr 2013 eigenen Angaben zufolge ein Plus von 7,6 Prozent verbucht - ein Weg, den das Unternehmen auch in Zukunft gehen will.

Auch in Asien: "Die Partnerschaft wird die Bestrebungen stärken, personalisierte Gesundheitspflege in der Kombination aus Ernährung, Medizin- und Diagnoseprodukten zur Verfügung zu stellen", so eine Mitteilung zur Gründung von NSP.

"Das Joint Venture ist eine Chance, diesen Weg auch Patienten außerhalb der USA zur Verfügung zu stellen."

Die Bestrebungen auf dem chinesischen Gesundheitsmarkt weisen dabei vor allem in zwei Richtungen: einerseits Nahrungsergänzungsmittel, darunter auch Milchpulver für Neugeborene, die trotz diverser Lebensmittelskandale nach wie vor gefragt sind. Andererseits der Markt für Senioren und Pflege.

Denn China steht wie kaum ein anderes Land vor den Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft. Und mit Einkommenszuwächsen der Bevölkerung steigen auch die Ansprüche an medizinische Produkte.

Potenzial bei Ambient Assisted Living

Dass der Gesundheitsmarkt immer wichtiger wird, beobachten deswegen auch Unternehmen, die nicht traditionell aus dem Sektor stammen.

Das Elektrounternehmen Haier etwa, das ursprünglich Kühlschränke produzierte und sich lange Zeit vor allem auf Haushaltsgeräte konzentrierte: "Das Thema ‚mobile home‘ wird für uns immer wichtiger", sagt Lillian Xiong, Sprecherin des Unternehmens.

Im Showroom der Firma im ostchinesischen Qingdao stellt sie Besuchern neben Blutdruckmessstationen für den Hausgebrauch auch Lösungen aus dem Bereich Ambient Assisted Living vor, die die Mobilität von älteren Menschen in den eigenen vier Wänden sicherstellen sollen, etwa hochmoderne Dusch-Klappsitze, die zahlreiche Brausen integriert haben.

Noch mache der Gesundheitssektor am Unternehmensumsatz nur einen "sehr geringen Teil" aus. "Gesundheitsthemen werden in der Zukunft jedoch eine wichtige Rolle spielen - in China, aber auch in anderen Nationen", weiß Xiong.

Haier exportiert in 108 Nationen. "Wir sind auf den steigenden Bedarf vorbereitet."

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