Ärzte Zeitung, 14.10.2013

Berlin

Aus für das Haus der Gesundheit?

Patienten in der Umgebung des Alexanderplatzes reagieren verunsichert: Die Sana Gesundheitszentren GmbH plant, rund 20 Arztsitzen an das Unfallkrankenhaus Berlin zu verlegen.

Von Angela Mißlbeck

BERLIN. Aus dem traditionsreichen Haus der Gesundheit am Berliner Alexanderplatz sollen Mitte nächsten Jahres die Arztpraxen ausziehen.

Das plant der Betreiber der rund 20 Praxen unterschiedlicher Fachrichtungen, die Sana Gesundheitszentren (SGZ) Berlin-Brandenburg GmbH.

Sie beabsichtige "einen Trägerwechsel und die Verlegung der Einrichtungen", heißt es in der Antwort des Gesundheitssenators auf eine Kleine Anfrage. Vorgesehen ist demnach, dass die Praxen an das Unfallkrankenhaus Berlin (ukb) in Berlin-Marzahn übergehen und dorthin umziehen.

Das ukb errichtet seit 2012 ein modernes Gebäude für ein ambulantes Gesundheitszentrum. Es äußerte sich nicht zu den Plänen.

Haus ist denkmalgeschützt

Die Verlegung soll zum 1. Juli 2014 erfolgen. Das hat die AOK Nordost bestätigt, die Eigentümerin des Hauses der Gesundheit ist.

Das denkmalgeschützte Haus wird seit 1923 als Gesundheitszentrum genutzt und war die erste Poliklinik der DDR.

Dem Zulassungsausschuss der KV Berlin liegt laut Anfrage noch kein Antrag auf Verlegung der Arztsitze vor. KV-Angaben zufolge praktizieren im Haus der Gesundheit derzeit 21 Ärzte und drei psychologische Psychotherapeuten.

Für alle Fachgruppen besteht im Berliner Bezirk Mitte rechnerisch Überversorgung. Dagegen ist der Bezirk Marzahn-Hellersdorf deutlich schlechter versorgt.

Dort liegt zum Beispiel der Versorgungsgrad für Psychotherapeuten laut Anfrage nur bei 70,4 Prozent (Mitte: 177,9 Prozent).

Aus Sicht der Sana Kliniken würde der Umzug die ambulante Versorgung in Marzahn verbessern, während es im Umkreis des Alexanderplatzes andere Arztpraxen gebe.

Auch die AOK Nordost betrachtet die Versorgung in Mitte bei einem Wegzug der SGZ-Praxen als nicht gefährdet.

Proteste angekündigt

Zweifel meldet hier jedoch der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses Dr. Wolfgang Albers (Linke) an.

Es gebe keine andere Diabetologin im näheren Umkreis und viele alte Menschen in der Nachbarschaft des Alexanderplatzes würden in der unmittelbaren Umgebung nicht ausreichend Ärzte finden.

Anwohner haben Medienberichten zufolge bereits Proteste gegen den Umzug angekündigt.

"Es ist die Aufgabe des Zulassungsausschusses, genau zu prüfen, ob die Verlegung aller Sitze unter Versorgungsgesichtspunkten genehmigt werden kann", sagte Albers der "Ärzte Zeitung".

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