Ärzte Zeitung, 09.10.2015

Schleswig-Holstein

MVZ - eine Erfolgsgeschichte

Die ambulante Versorgung im Norden wird inzwischen stark durch Medizinische Versorgungszentren geprägt. In den 77 MVZ in Schleswig-Holstein sind 540 Ärzte tätig - die meisten von ihnen angestellt.

Von Dirk Schnack

BAD SEGEBERG. Die medizinische Versorgung in MVZ wird in Schleswig-Holstein meist von angestellten Ärzten abgedeckt: 475 angestellte Ärzte arbeiten in den Zentren auf 320 Stellen, nur 65 Vertragsärzte in MVZ sind selbstständig.

Wichtigster Betreiber von MVZ sind die Krankenhäuser, die 47 Zentren führen - mit weiterhin leicht steigender Tendenz. Ausschließlich von Vertragsärzten werden 19 MVZ betrieben. Weitere MVZ befinden sich in sonstiger Trägerschaft, etwa von Laboren. Viele der in MVZ tätigen Ärzte arbeiten in Teilzeit.

Nach Zahlen der KV Schleswig-Holstein teilen sich die 540 Ärzte 379 Stellen. Allein die 47 Klinik-MVZ beschäftigen 304 Ärzte auf 180 Stellen. Doch auch einige Vertragsärzte nutzen die Chancen, die MVZ bieten.

Einer der ersten Vertragsärzte in Schleswig-Holstein, die ein MVZ gründeten, war der in Nortorf niedergelassene Internist Dr. Jürgen Carl. In der Kleinstadt gründete er vor rund zehn Jahren das dritte MVZ in Schleswig-Holstein überhaupt.

Wichtiges Motiv für seine Entscheidung war die Möglichkeit, über diese Form angestellte Ärzte zu finden, die eine Kooperation suchen und später selbst als Praxisinhaber Verantwortung übernehmen können - mit der Möglichkeit, Carls Nachfolger zu werden. Tatsächlich plagen den inzwischen 65-Jährigen anders als viele Kollegen in der Region keine Nachfolgesorgen.

Keine Nachfolge-Sorgen mehr

Das MVZ Nortorf hält aktuell zwei Arztsitze, auf denen drei Ärzte arbeiten. Hinzu kommen zwei Weiterbildungsassistenten, eine psychologische Fachärztin ohne Arztsitz und eine Oecotrophologin. Carl ist sicher, dass er in Kooperation mit einem der jüngeren Kollegen eine Nachfolgeregelung findet.

Carl betrachtet das MVZ aber auch als Marketinginstrument. Ärzte, die sich in der Region Mittelholstein für die ambulante Versorgung interessieren, schauen sich nach seinen Erfahrungen eher im MVZ als in Einzelpraxen um. Gründe: Das MVZ stehe für Teamarbeit, fachübergreifende Zusammenarbeit und gute Organisation.

Auch Patienten schätzen nach seiner Beobachtung ein MVZ: "Patienten gehen zunehmend dorthin, wo mehrere Ärzte arbeiten." Gründe seien die Präsenzzeiten und die Annahme, dass ein MVZ nicht so leicht aufgegeben wird wie eine Einzelpraxis.

Zum Thema Präsenzzeiten haben Carl und seine Kollegen interessante Erfahrungen gesammelt: Das MVZ hat die von vielen Praxen nicht besetzten Nachmittage am Mittwoch und Freitag angeboten.

Bei Patienten durchgesetzt hat sich nur der Freitagnachmittag. Ärzten, die sich mit dem Gedanken an eine Vergrößerung der Praxis tragen, rät Carl, die Teilzeitbeschäftigung anzubieten: "Das wünschen viele junge Ärzte - unabhängig davon, ob man eine Gemeinschaftspraxis oder ein MVZ macht."

Ein MVZ ganz anderer Größenordnung betreibt die Helios-Gruppe in der Umgebung ihrer Klinik Damp. Das MVZ Kappeln, eine 100-prozentige Tochter der Ostseeklinik Damp, verfügt über 6,5 Arztstellen an vier Standorten in der Region, an denen zehn Ärzte beschäftigt sind - darunter sechs Orthopäden, zwei Allgemeinmediziner und zwei Gynäkologen.

Ärzte können hier Voll- oder Teilzeit arbeiten und die Tätigkeit in Klinik und Praxis kombinieren. So teilen sich etwa zwei halbtags beschäftigte Gynäkologen die Arbeit auf einem halben Arztsitz - sind also als Viertelkraft auch noch in der Klinik tätig. Einer der angestellten Ärzte am MVZ ist der Orthopäde Dr. Tilmann Rhode.

"Arztsitze wurden uns angeboten"

Mit der Klinik als MVZ-Träger hat er die nach seiner Vorstellung optimale Lösung gefunden: Kein wirtschaftliches Risiko, immer die Ansprechpartner aus der Klinik im Hintergrund. Sein Arbeitgeber lasse ihm die Freiheit, den Praxisbetrieb in Eigenregie zu organisieren.

Die zahlreichen Arztsitze sind der Ostseeklinik Damp laut Klinik-Geschäftsführer Christian Kreische von Vertragsärzten angeboten worden. Aktiv will er das MVZ nicht ausweiten.

Er verschweigt aber nicht, dass das MVZ der Klinik Vorteile bringt: "Patienten, die bei uns eingewiesen werden müssen, werden in unserem MVZ optimal darauf vorbereitet."

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