Ärzte Zeitung online, 12.09.2013

Integrierte Versorgung

Netzärzte lassen sich nach Einspar-Erfolg honorieren

IV-Vertrag ohne Risiko für die Kasse: Das Arztnetz Bergisch Land hat gemeinsam mit der AOK einen Vertrag aufgesetzt, bei dem erst Geld fließt, wenn Einsparungen vorzuweisen sind. Trotzdem ein lohnender Coup, so das Netz.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. Niedergelassene Haus- und Fachärzte in Remscheid und Umgebung gehen für eine optimierte Versorgung ihrer Patienten in Vorleistung.

Sie haben mit der AOK Rheinland/Hamburg einen Vertrag zur "Integrierten Versorgung Bergisch Land" abgeschlossen. Finanzielle Vorteile gibt es für die Ärzte frühestens im Jahr 2015 - wenn sie Einsparungen nachweisen können.

Ziel des Projekts ist es, die Versorgung der Patienten durch eine bessere Kooperation von Haus- und Fachärzten zu verbessern.

"Wir wollen kürzere Wege schaffen, den Informationsfluss verbessern und Doppeluntersuchungen sowie Medikationsbrüche vermeiden", sagt die Remscheider Hausärztin Martina Wetter, stellvertretende Vorsitzende des Arztnetzes Bergisch Land (ABeL).

Zu spät für Anschubfinanzierung

Die Genossenschaft besteht seit 2007. Durch die späte Gründung konnten die Ärzte beim Aufbau der Strukturen für die integrierte Versorgung nicht von einer Anschubfinanzierung profitieren. "Wir mussten alles mit eigenen Mitteln aufbauen", sagt Wetter.

Die zurzeit 21 Haus- und 26 Fachärzte zahlen jeden Monat einen Mitgliedsbeitrag von 85 Euro plus Mehrwertsteuer.

Nach und nach sollen weitere Kollegen zum Netz stoßen. "Ich persönlich würde mir wünschen, dass mehr Hausärzte dabei sind." Manche würden jedoch den monatlichen Beitrag scheuen.

Weniger Behandlungsabbrüche und kürzere Wartezeiten

Er ist allerdings nach Einschätzung Wetters eine lohnende Investition. "Wir schaffen Strukturen, die mir künftig helfen, die steigende Zahl von Patienten besser zu versorgen."

Den immer komplexer werdenden Aufgaben könnten Einzelkämpfer nicht mehr gerecht werden. Gemeinsam erarbeitete Behandlungspfade sollen bei ABeL zu einer besser abgestimmten Versorgung und zur Vermeidung von Behandlungsbrüchen beitragen. Ein weiteres Ziel ist die Verkürzung der Wartezeiten.

In der "Integrierten Versorgung Bergisch Land" fungieren die Hausärzte als Lotsen, sie sollen die Patienten durch die komplette Versorgung begleiten. Langfristig setzen die Mediziner auch auf die EDV-technische Vernetzung.

Sie steht aber nicht oben auf der Prioritätenliste und ist nicht verpflichtend. "Wir wollten nicht Kollegen verlieren, weil ihnen die IT-Vernetzung zu teuer und zu arbeitsintensiv ist", sagt Wetter.

Kasse hofft auf Einsparungen in fünf Bereichen

Krankenhäuser sind nicht Mitglieder der Genossenschaft. "Wir streben aber eine bessere Zusammenarbeit mit den Kliniken an", betont die Hausärztin. So haben die Ärzte eine Kooperationsvereinbarung mit den Sana-Kliniken beschlossen, die den besseren Informationsaustausch zum Ziel hat.

Das Projekt sei nicht Teil des Vertrags mit der AOK, ließe sich aber gut dort einbringen, sagt Wetter.

Die Krankenkasse hat ehrgeizige Erwartungen an das Netz. Sie hofft auf Einsparungen in fünf Bereichen: Krankenhauseinweisungen, Arzneimittelausgaben, Heil- und Hilfsmittel, Krankentransporte und häusliche Krankenpflege.

"Wir müssen sehen, wo wir einsparen können, ohne den Patienten zu schaden", betont die Hausärztin. Gelingt den Ärzten das, geht ab 2015 ein Teil der Einsparungen an sie.

Patienten behalten freie Arztwahl

Das Netz wird durch eine Management-Gesellschaft unterstützt, auch die AOK will ihre Kompetenzen einbringen. "Wir werden das Netz begleiten und helfen, wenn Hindernisse auftauchen", sagt Matthias Mohrmann, Vorstand der AOK Rheinland/Hamburg.

Die Versicherten sollen sich in das Netz einschreiben, behalten aber die freie Arztwahl. "Wie setzen auf Überzeugung, nicht auf Zwang." Wenn die Patienten die Vorteile des Netzes spüren, haben sie keinen Grund, sich Ärzte außerhalb zu suchen, hofft er.

Nach Einschätzung von Mohrmann liegt in Ärzteverbünden noch großes Potenzial für die Versorgung der Zukunft. Langfristig sollten weitere Gesundheitsberufe in die Kooperation einbezogen werden, findet der AOK-Vorstand.

"Gerade in ländlichen Regionen führt an der Zusammenarbeit kein Weg vorbei."

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