Ärzte Zeitung App, 29.11.2013

Netz-Förderung startet 2014 im Norden

Der Weg zur Förderung ist für Praxisnetze oft steinig. In Schleswig-Holstein zeigt sich, dass die Integration des KV Safenet ein kritischer Punkt ist.

Von Dirk Schnack

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Hand in Hand: Bis Praxisnetze finanziell von der KV gefördert werden, müssen sie viele Hürden nehmen. Im Norden ist es bald so weit.

© shefkate / fotolia

KIEL. Die KV Schleswig-Holstein erwartet, dass im kommenden Jahr die ersten drei Praxisnetze im Norden die Anforderungen der KVSH für eine finanzielle Förderung erfüllen. Diese Einschätzung gab KV-Chefin Dr. Monika Schliffke auf dem "Tag der Netze" in Kiel ab. Bislang haben erst drei von rund 30 Netzen zwischen Nord- und Ostsee einen Antrag gestellt.

Derzeit sind die meisten Netze noch weit entfernt von der Erfüllung der KV-Vorgaben, die Schleswig-Holstein im Vergleich zum Bund in einigen Punkten verschärft hatte. Netzvertreter kritisierten in Kiel, dass sie nicht früher einbezogen wurden. "Ich hatte gehofft, dass die Netze bei der Umsetzung eingebunden werden", sagte etwa Dr. Svante Gehring aus dem Hausarztnetz Norderstedt (HANN).

Er nannte den Dachverband der Netze und die Ärztegenossenschaft als mögliche Partner, die hierzu eingebunden werden könnten. Die Fördermittel sind laut Schliffke strukturgebunden und können etwa für Qualitätszirkelarbeit oder Netzmanagement verwendet werden. Die KV-Chefin hält die verschärften Anforderungen für richtig und wirkungsvoll: "Wir sehen, dass viel in den Netzen gearbeitet wird. Es gibt eine steil ansteigende Kommunikation."

Das Ärztenetz Eutin-Malente hat die Förderung bereits beantragt. Deren Geschäftsführerin Heike Steinbach berichtete, dass in ihrem Verbund derzeit mehr als 50 Prozent der Praxen wie gefordertmit KV Safenet arbeiten, im kommenden Jahr voraussichtlich 80 Prozent. Eine vollständige Abdeckung hält sie nicht für realistisch. Auch Gehring hält diesen Punkt für kritisch unter Netzärzten: "Die Kröte ist das KV Safenet." Neumünsters Netzvorsitzender Dr. Johannes Kandzora hätte bei der Förderung lieber Themen wie die intersektorale Versorgung im Vordergrund gesehen.

Dr. Franz Bartmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein, sprach sich für mehr elektronische Vernetzung, aber auch für eine bessere Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen aus. Davon werden nach seiner Ansicht in den kommenden Jahren weitere entstehen - und die Ärzte müssten bereit sein, mit ihnen zu kooperieren. "Wir müssen uns lösen von dem Gedanken, dass andere uns etwas wegnehmen wollen." Nach Beobachtung Steinbachs sind die Hausärzte in den Netzen dazu nicht nur bereit, sondern wünschen sich diese Zusammenarbeit ausdrücklich.

Nach Beobachtung von Sonja Laag von der Barmer  GEK sind viele Netzmitglieder aber noch nicht bereit, die erforderliche Zeit für eine bessere Zusammenarbeit zu investieren und sich bewusst zu machen, welche Ziele sie ansteuern sollten: "Viele Netze wissen selbst nicht, wer sie sind. Ärzte sehen oft keine Notwendigkeit, Versorgung anders zu denken", hat sie beobachtet.

Zugleich sieht sie immer noch ärztliches Misstrauen gegenüber Delegationsmodellen. Handlungsfelder gibt es aus ihrer Sicht mehr als genug für Ärzteverbünde - diese müssten sich aber zunächst so organisieren, dass sie diese Aufgaben auch wahrnehmen könnten.

Dr. Veit Wambach von der Agentur Deutscher Arztnetze listete auf, was von Praxisverbünden verlangt wird: eine nachweisbare Versorgungsqualität und Patientenbeteiligung und -zufriedenheit. Einen Königsweg für die Netze konnte er nicht nennen - es gibt ihn nach seiner Ansicht wegen der unterschiedlichen Bedingungen in den Regionen nicht.

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