Ärzte Zeitung, 30.06.2014

Hochfranken

Ein Ärztenetz macht Effizienz vor

Eigene Abrechnungsziffern und netzinterne dringliche Überweisungen sind nur zwei von vielen Faktoren, dank derer das Ärztenetz UGHO in Hochfranken Erfolgsgeschichte schreibt.

Von Jürgen Stoschek

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Allgemeinarzt mit Visionen: Stefan E. Breit setzt auf die Stärken des Netzes UGHO.

© UGHO

MÜNCHEN. Schnelle Termine für Patienten beim Facharzt und lediglich zehn Abrechnungsziffern im hausärztlichen Bereich - das sind wesentliche Merkmale des UGHO, nach eigenen Angaben zweitgrößtes Ärztenetzes in Bayern.

Vor vier Jahren haben sich Haus- und Fachärzte in Hof und Umgebung in Form einer GmbH & Co. KG zum Unternehmen Gesundheit Hochfranken (UGHO) zusammengeschlossen.

Das Netz, in dem heute 40 Praxen mit etwa 70 Haus- und Fachärzte zusammengeschlossen sind, hat sich zum Ziel gesetzt, den Folgen des demografischen Wandels für die Gesundheitsfürsorge im Raum Hof entgegenzuwirken. Mittlerweile versorgt UGHO mehr als 14.000 AOK-Versicherte, zu erkennen an einem kleinen UGHO-Aufkleber auf der Versichertenkarte.

Die Zusammenarbeit mit der AOK läuft schon länger. Bereits 2006 gab es mit der AOK-Direktion Hof einen IV-Vertrag nach Paragraf 140 SGB V, den UGHO 2010 übernommen und im hausärztlichen Bereich zu einem Vollversorgungsvertrag mit einer fixen Vergütung pro eingeschriebenem Versicherten weiterentwickelt hat.

Die leidige Diskussion um lange Wartezeiten auf einen Termin beim Facharzt ist nach Angaben von Stefan E. Breit, Allgemeinarzt in Hof und Mitglied im Aufsichtsrat von UGHO, im Arztnetz kein Thema.

Bei UGHO gibt es für medizinische Notfälle die Dringlichkeitsüberweisung: Innerhalb von 48 Stunden - wenn nötig auch sofort - bekommt ein UGHO-Patient einen Termin bei einem UGHO-Facharzt.

Alle erforderlichen Unterlagen werden an den Facharzt übermittelt, und innerhalb von fünf Tagen erfolgt die Befundübermittlung vom Facharzt an den Hausarzt. "Für diese Leistung erhalten der Hausarzt und der Facharzt eine zusätzliche Vergütung direkt von der UGHO", erklärt Breit im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Kontingentierte Expresstermine

Jeder Hausarzt kann pro Quartal zehn dringliche Überweisungen, für die er jeweils 40 Euro erhält, ausstellen. Sollten mehr dringliche Überweisungen erforderlich sein, kann man sich von Kollegen eine solche Überweisung gewissermaßen übertragen lassen. Grundsätzlich habe die Budgetierung der dringlichen Überweisung den Sinn, ein "Ausufern" zu vermeiden, erläutert Breit.

Im vergangenen Jahr wurde das Instrumentarium der dringlichen Überweisung im UGHO-Netz insgesamt 537mal in Anspruch genommen. 26 Prozent der Fälle betrafen die Innere Medizin, 20 Prozent die Chirurgie sowie 17 beziehungsweise 16 Prozent die Urologie und HNO.

Die Vergütung der hausärztlichen Leistungen über einen fixen Betrag pro Versichertem stelle eigentlich eine "Mini-Capitation" dar, erläutert Breit. Um das Honorar gerecht aufteilen zu können, wurde im 3. Quartal 2012 ein eigenes Abrechnungssystem mit zehn Ziffern eingeführt.

Seitdem gebe es mit der Abrechnung praktisch keine Arbeit mehr. Die Fehlerquote, gemessen an der Gesamthonorarsumme, lag im 4. Quartal 2012 bei lediglich 0,35 Prozent, berichtet Breit.

Ein wichtiges Ziel von UGHO ist die datentechnische Vernetzung der Mitgliedspraxen mit dem Ziel einer praxisübergreifenden, elektronischen Patientenakte. Die Gesellschafter haben sich deshalb für das comdoXX-System entschieden, das mittelfristig auch eine Anbindung von Kliniken ermöglicht.

Derzeit sind etwa drei Viertel der UGHO-Praxen vernetzt. Alle wichtigen Daten von Netzpatienten sind mit unterschiedlichen Zugriffshierarchien auf einem zentralen Server der UGHO gespeichert, sodass ein Abruf auch am Wochenende möglich ist, wenn Praxen geschlossen haben. Die Patienten müssen dem elektronischen Datenaustausch zustimmen, der Datenverkehr läuft über sichere VPN-Verbindungen.

Jedes Mitglied ist Kommanditist

Neben der Verringerung von Doppeluntersuchungen und Doppelverordnungen erwarten sich die UGHO-Ärzte von der Vernetzung eine Entlastung des Praxispersonals und eine Verringerung des Verwaltungsaufwands durch belegloses Arbeiten.

Erwartet wird auch, dass es durch den umfassenderen Blick auf die Patientendaten mitbehandelnder Ärzte zu einer Verringerung von AU-Tagen und stationärer Aufenthalte kommt.

Jedes Mitglied bei UGHO ist als Kommanditist mit einer Einlage von 1000 Euro an dem Unternehmen beteiligt. "Wir nehmen jeden auf, der sich mit unseren Zielen und Spielregeln identifizieren kann", sagt Breit.

Dazu gehört auch die Pflicht zur Teilnahme an Disease Management Programmen. Was zur Folge hat, dass die UGHO-Praxen mit ihren DMP-Quoten deutlich über dem Bayern-Durchschnitt liegen.

"Wir wollen der führende Gesundheitsanbieter in der Region werden", erklärt Breit. Deshalb wirkt UGHO nicht nur nach innen, sondern führt auch diverse Gesundheitsaktionen etwa gegen Schlaganfall oder Darmkrebs durch, die vom Netzbüro evaluiert werden.

Erst jüngst hat sich das Unternehmen finanziell und ideell für die Gründung der Sportstiftung Hochfranken stark gemacht, die den Kinder- und Jugendsport unterstützen und das Bewusstsein für mehr Bewegung im Alltag schärfen möchte.

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