Ärzte Zeitung, 15.04.2015

Schleswig Holstein

Erfolgreiche Partnerschaft in Sachen Arbeitsmedizin

Die Übernahme eines Anbieters für arbeitsmedizinische Dienstleistungen hat sich für zwei Ärzte in Lübeck gelohnt. Das Geschäft mit der Gesunderhaltung am Arbeitsplatz brummt.

Von Dirk Schnack

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Gleichberechtigte Geschäftspartner: Dr. Mohammed Ghalamkarizadeh (links) und Rolf Hartmann.

© Dirk Schnack

LÜBECK. Die Ärzte Rolf Hartmann und Dr. Mohammed Ghalamkarizadeh sind ungewöhnliche Partner. Der sieben Jahre jüngere Hartmann ist Ghalamkarizadehs Weiterbilder zum Facharzt für Arbeitsmedizin.

Der 62-jährige Ghalamkarizadeh wiederum ist der kaufmännische Chef der gemeinsamen Firma.

Beiden zusammen gehört das Unternehmen "Betriebsärztlicher Dienst Norddeutschland", für das die beiden als gleichberechtigte geschäftsführende Gesellschafter agieren.

Die GmbH ist einer der wichtigsten Player in der Arbeitsmedizin im Norden. Seit die beiden das ohnehin gut aufgestellte Unternehmen vor zwei Jahren übernahmen, expandiert es.

350 Firmen als Kunden

Die Zahlen sind beeindruckend: 2013 verbuchte die GmbH ein Umsatzplus von rund 13 Prozent, im vergangenen Jahr rund 15 Prozent. Die Mitarbeiterzahl stieg von 22 auf 27.

An vier Standorten in Kiel und Lübeck gibt es Praxen. Neben dem mit 12500 Mitarbeitern größten Unternehmen des Landes, dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, betreut die Firma der beiden Ärzte Unternehmen mit Rang und Namen aus allen Branchen - vom Marzipanhersteller bis zum metallverarbeitenden Betrieb.

Insgesamt sind es rund 350 Firmen mit zusammen 45.000 Beschäftigten. Eines der am schnellsten wachsenden Segmente ist die Medizin: Rund 70 Praxen sind bereits Kunden der beiden Ärzte, die aus diesem Bereich stark steigende Zahlen erwarten.

Das Erfolgsgeheimnis liegt für die beiden Mediziner in der Kombination ihrer Persönlichkeiten. Hartmann ist Arbeitsmediziner mit Leib und Seele, der sich in allen Branchen gut auskennt und die volle Weiterbildungsermächtigung besitzt.

"Man muss wissen, wie ein Arbeitsplatz aussieht und unter welchen Bedingungen dort gearbeitet werden muss", sagt Hartmann. An der Arbeitsmedizin reizt ihn besonders der präventive Charakter.

Arbeitsmediziner und Disability-Manager

Und die Möglichkeit, den Menschen neue Perspektiven zu bieten: Wenn die Gesundheit eines Beschäftigten die bisherige Tätigkeit nicht mehr erlaubt, ist er als Arbeitsmediziner gefragt, neue Beschäftigungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

"Als Arbeitsmediziner ist man auch Disability-Manager, der nach adäquaten Beschäftigungsmöglichkeiten sucht", sagt Hartmann.

Ghalamkarizadeh ist nach erfolgreicher Managementkarriere und als Diplomingenieur in die Medizin gekommen und hat wie 2012 berichtet erst mit 60 Jahren seine Weiterbildung begonnen. Ob er die jemals beenden wird, ist offen. Der gebürtige Perser ist derzeit halbtags in der Weiterbildung und halbtags in der Geschäftsführung.

Neben seinen Managementkenntnissen ist die Dienstleistungsorientierung sein Markenzeichen, das er auch an seiner neuen Wirkungsstätte erkennen lässt. "Wir leisten Dienste.

Wer bei uns anruft, bekommt immer einen Termin", lautet sein Credo. Das ist in der Branche gar nicht so leicht umzusetzen. Arbeitsmediziner sind rar. Unter den 27 Angestellten sind derzeit zwölf Arbeitsmediziner, weitere Einstellungen sind geplant.

Flexible Arbeitszeiten

Auch hier zeigt Ghalamkarizadeh die Flexibilität, die sein abwechslungsreiches Berufsleben geprägt hat - jede gewünschte Arbeitszeit ist möglich. "Wer bei uns 27,85 Stunden arbeiten will, arbeitet 27,85 Stunden.

Das ist einer der Vorteile der Arbeitsmedizin - sie ist planbar und Wochenenddienste gibt es nicht", wirbt er für das Fach.

Hartmann stellt dagegen die medizinischen Möglichkeiten heraus. Er erreicht bei seiner Arbeit auch die Menschen, die nicht zum Hausarzt gehen und sorgt dafür, dass sich auch diese Gruppe Gedanken um Gesundheitsvorsorge macht.

Neben dem präventiven Gedanken sieht Hartmann die hohe soziale Komponente und die Vielseitigkeit als Pluspunkte für das Fach, das nach Ghalamkarizedehs Eindruck oft zu Unrecht im Schatten der therapeutischen Fächer steht.

Er selbst ist ganz bewusst in die Arbeitsmedizin gegangen, weil er in seinem Alter nicht mehr die für die kurative Medizin erforderliche Erfahrung sammeln könnte. Dass er seine kaufmännische Erfahrung so schnell wieder einsetzen würde, kam dann aber doch etwas überraschend. Nur neun Monate nach seinem Start in die Weiterbildung übernahm er gemeinsam mit Hartmann die Firma, in der er angestellt war - ebenfalls von einem Mediziner.

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