Ärzte Zeitung, 11.07.2016

Positionspapier

Praxisnetze fordern mehr Spielraum

Netze wollen künftig noch stärker die Rolle des regionalen Versorgungskoordinators übernehmen. Dafür fordern sie von Politik und KVen nicht nur bessere Finanzierungsmodelle.

NEU-ISENBURG. "Praxisnetze wollen verwaiste Arztsitze für die Region sichern und mit zeitgemäßen, kooperativen Konzepten betreiben, aber das ist uns rechtlich verwehrt", sagt Markus Knöfler, Geschäftsführer des Praxisnetzes Herzogtum Lauenburg. Auf Initiative seines Netzes sowie des Arztnetzes Lippe fordern daher Gesundheitsexperten aus 18 Praxisnetzen, dass die Netze bei der Gründung von Medizinischen Versorgungszentren mit Kliniken und Kommunen gleichgestellt werden.

In einem gemeinsam aufgelegten Positionspapier stellen sie zudem klar, dass sie in der regionalen Versorgung auch eine stärkere Rolle einnehmen wollen. Die Praxisnetze sehen sich künftig als Koordinatoren und Moderatoren in der regionalen Gesundheitsversorgung. Gerade auch, wenn es um die Schnittstelle zu anderen Leistungserbringern geht. Die Patienten sollen dabei durch den kompletten Behandlungsprozess geführt werden.

Gleichzeitig sehen sich die Netze in der Pflicht, gemeinsam mit Kommunen auch attraktive Arbeitsbedingungen für junge Ärzte und damit Praxisnachfolger zu schaffen. "Wir agieren mit enormem kreativem Potenzial in der ambulanten Versorgung vor Ort, das müssen wir deutlicher herausstellen", sagt Constanze Liebe, Geschäftsführerin des Ärztenetzes Lippe.

Um regional maßgeschneiderte Versorgungskonzepte zu entwickeln und zu betreiben, braucht es laut der Netze aber auch ein stabiles Finanzierungskonzept. Die Honorierung von koordinierenden ärztlichen Leistungen müsse verbindlich in die Honorarverträge der KVen aufgenommen werden und von den Kassen mit zusätzlichen Mitteln finanziert werden, heißt es.

Die vom Gesetzgeber eingeführte Netz-Förderung reiche dafür nicht aus. Zumal sie noch nicht flächendeckend von allen KVen verbindlich geregelt werde. Auch das müsse sich ändern, monieren die Netze. Und auch die Selektivverträge würden unter dem Druck des Wettbewerbs unter den Krankenkassen nie die notwendigen Volumina erreichen.Bundesweit zählte die Agentur Deutscher Arztnetze e.V. im Jahr 2014 übrigens 438 Arztnetze. (reh)

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