Ärzte Zeitung online, 07.08.2008

Software für Hausarztvertrag vorläufig ausgebremst

NEU-ISENBURG (ger). Mit welcher Software sollen Hausärzte, die am Vertrag der AOK Baden-Württemberg mit Medi und dem Hausärzteverband Baden-Württemberg teilnehmen wollen, arbeiten dürfen? Im Streit der Software-Anbieter hat jetzt der Praxis-EDV-Anbieter DOCexpert eine einstweilige Verfügung gegen die InterComponentWare AG erwirkt. Das könnte möglicherweise zu einer Verzögerung für den Start des Hausarztvertrags führen.

Ärzte in Baden-Württemberg sind verunsichert: Fehlt ihnen die Software, können sie an dem Hausarzt-Vertrag nicht teilnehmen.

Foto: Jake Hellbach©www.fotolia.de

InterComponentWare (ICW) ist Anbieter von Hausarzt plus, bisher der einzigen Software, die von den Vertragspartnern als Voraussetzung für die Teilnahme am Hausarztvertrag in Baden-Württemberg akzeptiert ist. Seit dem 1. Juli können Ärzte sich in den Vertrag einschreiben, von Oktober an sollen sich auch Patienten einschreiben können. Spätestens dann muss die Vertragssoftware einsatzbereit sein. Sie wird derzeit auch schon in bereits eingeschriebenen Praxen installiert. Die Software kostet 33,10 Euro im Monat.

Das Landgericht Heidelberg hat jetzt ICW in einer einstweiligen Verfügung untersagt, "zu Wettbewerbszwecken die Software Hausarzt plus zu vertreiben und zu installieren". Die Untersagung gilt so lange, bis DOCexpert, das die einstweilige Verfügung erwirkt hat, die Unterlagen dafür bekommen hat, eine eigene Vertragssoftware zu erstellen. Das Gericht räumt DOCexpert sogar drei Monate ein, nach Erhalt der Unterlagen eine eigene Vertragssoftware zu programmieren. Erst danach dürfte, der einstweiligen Verfügung zufolge die Software Hausarzt plus wieder vertrieben werden.

Ziel von DOCexpert sei es, Wettbewerbsgleichheit bei der IT-Umsetzung des hausarztzentrierten Vertrages der AOK Baden-Württemberg herzustellen. Bisher verfüge ICW über eine Monopolstellung, die teilnahmewillige Ärzte dazu zwinge, die ICW-Software zu erwerben und diese zusätzlich zur etablierten Arztsoftware zu verwenden, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

Bei ICW war zunächst noch keine Stellungnahme zu der einstweiligen Verfügung zu bekommen. Die Verfügung sei gerade erst zugestellt worden, nun werde geprüft, ob man in die Berufung gehe oder welche anderen Möglichkeiten es gebe, so ICW-Pressesprecher Dirk Schuhmann.

Auch Medi-Chef Dr. Werner Baumgärtner, wollte auf Anfrage der "Ärzte Zeitung" nicht zu dem laufenden Verfahren Stellung nehmen. Baumgärtner signalisierte jedoch Interesse der Vertragspartner, dass die EDV-Häuser das Pflichtenheft zur Umsetzung der Vertragssoftware und auch die zugehörige verkapselte Arzneimitteldatenbank schnell bekommen. Er sehe Medi in einer "Vermittlerposition" zwischen den Software-Unternehmen, so Baumgärtner, "wir wollen kein Monopol".

Ziel sei es vor allem, dass die Softwarehäuser akzeptieren, dass es für die Vertragssoftware eine verkapselte Version der Arzneimitteldatenbank ohne Werbung gebe. Die potenziellen Einsparungen bei den Arzneimittelverordnungen - unter Wahrung der Therapiehoheit - sei letztlich die Voraussetzung für den Hausarztvertrag gewesen.

Die große Mehrheit der Anwender wolle die Umsetzung des Hausarztvertrags in der angestammten Umgebung, teilte DOCexpert mit. Die CompuGROUP hatte vor kurzem in einer Umfrage unter den eigenen Anwendern ähnliches ermittelt.

"Wir sehen in der Entscheidung des Richters zum Erlass der einstweiligen Verfügung eine Bestätigung unserer Position und hoffen, dass wir im Interesse unserer Anwender nunmehr schnell und vollständig all jene Unterlagen erhalten, die zur Umsetzung des HzV-Vertrages nötig sind", erklärt Jens Naumann, Geschäftsführer von DOCexpert und Mitglied der Geschäftsführung der medatiXX. "Gern messen wir uns mit ICW in einem fairen Wettbewerb. Dazu bekommen wir hoffentlich jetzt die Chance", ergänzte Naumann.

Unter dem Dach von medatiXX sind die Arztpraxis-EDV-Aktivitäten der MCS Arzt- und Ambulanzsysteme GmbH und der DOCexpert Computer GmbH zusammengefasst. DOCexpert ist mit 16 000 Anwendern einer der führenden Praxis-EDV-Anbieter in Deutschland.

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