Ärzte Zeitung, 27.11.2008

USB-Stick mit eingebautem Datenschutz

Patienten des Hausarztes Dr. Hans Rundfeldt bekommen auf Wunsch ihre Daten auf einem USB-Stick. Anders als andere Datenträger sind diese USB-Sticks vor unberechtigtem Zugriff geschützt.

Von Dirk Schnack

Hausarzt Dr. Hans Rundfeldt aus Flensburg bietet seinen Patienten einen USB-Stick als Datenträger an.

Der Flensburger Hausarzt Dr. Hans Rundfeldt setzt bei der Befunddokumentation und dem Austausch mit Kollegen auf USB-Sticks, verwaltet von den Patienten.

USB-Sticks sind handlich, leicht einlesbar und verfügen über eine hohe Speicherkapazität. Als Träger sensibler Daten wie Vorerkrankungen, Behandlungsergebnisse und Medikation waren sie für viele Ärzte bislang aber keine Alternative - denn bei Verlust sind die Daten für jedermann einsehbar.

Der Grund: Herkömmliche USB-Sticks haben keinen Zugriffsschutz. Rundfeldt bietet seinen Patienten nun USB-Sticks an, die neben dem Speicherbaustein noch einen zusätzlichen Chip beinhalten. Dieser chiffriert den Inhalt und fragt vor dem Zugriff nach einem Passwort. Gelingt die Eingabe nach mehreren Versuchen nicht, wird der Inhalt gelöscht.

Patienten können Daten auch auf Reisen mitnehmen

"Damit kann ich meinen Patienten eine Datenträgerlösung anbieten, die sie auf Reisen und bei Notfällen sinnvoll ist", sagt Rundfeldt. Denn bei Notfällen ist der Chip leicht einlesbar und bietet dem behandelnden Arzt einen schnellen Überblick über die Krankheitsgeschichte. Die Kapazität von mehreren Gigabyte bietet sogar die Möglichkeit, Bilder zu speichern.

Erste Patienten von Rundfeldt lassen sich nun mit dem Stick ausstatten und nutzen ihn zusätzlich, um etwa wichtige Reisedokumente darauf abzuspeichern. Der Stick ermöglicht auch dann noch den Zugriff, wenn ein Patient nicht ansprechbar und ohne Begleitung ist: Das Passwort kann aus Zahlen und Buchstaben zusammengesetzt werden. Möglich ist bei acht Stellen also eine Kombination aus Initialen und Geburtsdatum. Bei einem Notfall könnten Retter also über einen Blick in den Ausweis des Patienten den Stick einlesen. Wichtig ist allerdings das Datenformat: Rundfeldt benutzt das tif-Format, das auf fast allen Rechnern lesbar ist.

Der SafeStick: Patientendaten können vor unberechtigtem Zugriff geschützt werden.

Fotos: di

Aushang in der Praxis wirbt für die mobile Datenstation

Rundfeldt war von der Lösung so überzeugt, dass er in seiner Praxis nun mit einem Aushang für den zugriffsgeschützten Stick wirbt. Er nutzt einen in Schweden hergestellten Datenträger mit Namen SafeStick, der seit Kurzem in Deutschland von der Firma Optimal in Aachen vertrieben wird.

Pressesprecher Bert Rheinbach hat außer an Rundfeldt vereinzelt auch an andere Ärzte kostenlose Demosticks verschickt. Insgesamt sind rund 20 000 USB-Sticks dieser Art in Deutschland im Einsatz, im Gesundheitswesen sind sie bislang aber noch eine Ausnahme.

Im britischen nationalen Gesundheitssystem (National Health Service NHS) dagegen ist ihr Einsatz in großer Stückzahl geplant. Einen ähnlichen Erfolg erwartet Rheinbach für Deutschland vorerst nicht. Er ist skeptisch, ob sich neben der elektronischen Gesundheitskarte eine weitere Lösung auf breiter Basis etablieren lässt.

Rundfeldt: USB-Stick hat mehr Potenzial als E-Card

Rundfeldt hat der Stick überzeugt. Er stellt den Patienten zehn Euro für das Laden der Daten plus Beschaffungskosten für den USB-Stick in Rechnung. Diese sind abhängig von der Speicherkapazität und beginnen mit rund 40 Euro für 512 MB. Möglich sind Sticks mit einer Kapazität bis zu 64 Gigabyte. Rundfeldt hält zwei Gigabyte aber für ausreichend. Damit könnten deutlich mehr Daten als auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden. Der Flensburger Hausarzt hatte auch an der Testphase für die E-Card teilgenommen und stellt ihr ein vernichtendes Urteil aus: "Sie hat in ihrer Testphase weitestgehend versagt."

Interessierte Haus- und Fachärzte können sich von dem Anbieter Optimal einen kostenlosen SafeStick zu Demozwecken zuschicken lassen. E-Mail: info@optimal.de

Patientendaten in Patientenhand

Patientendaten können möglicherweise in Zukunft auch auf USB-Sticks wie dem SafeStick oder anderen Speichermedien in Patientenhand aufbewahrt werden. Die mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte betraute Projektgesellschaft gematik hat kürzlich angekündigt, dass sie neben der servergestützen Datenspeicherung auch alternative Speichermöglichkeiten testen lassen wolle. Die Bundesärztekammer (BÄK) legt Wert darauf, dass die Versichertendaten auf dem USB-Stick nach höchsten Sicherheitsstandards kryptografisch geschützt werden. (ava)

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