Ärzte Zeitung online, 29.12.2008

Hoppe spricht sich für Denkpause in Sachen Einführung der E-Card aus

KÖLN (akr). Der Präsident der Bundesärztekammer Professor Jörg-Dietrich Hoppe will die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte kurz nach dem Startschuss stoppen.

Hoppe spricht sich für Denkpause in Sachen Einführung der E-Card aus.

Foto: ProspeGKT

Weder das Konzept noch die bisherigen Erfahrungen mit der E-Card seien überzeugend, sagte Hoppe der Nachrichtenagentur AP. Das Konzept sei intransparent, die bisherigen Tests hätten nicht den Nachweis erbracht, dass die Karte praxistauglich sei. Deshalb sei es falsch, schon jetzt mit der Einführung der Karte ohne weitere Flächentests zu beginnen. "Wir müssen jetzt einfach innehalten und überlegen, ob dieses Projekt überhaupt so weiter geführt werden kann", sagte er. "Eigentlich brauchen wir eine neue Versuchsanordnung, die technik- und ergebnisoffen angelegt ist."

Mitte Dezember hatten Politiker und Ärztevertreter das erste Lesegerät für die elektronische Gesundheitskarte in einer Dürener Arztpraxis in Betrieb genommen. In den ersten beiden Quartalen 2009 sollen die Lesegeräte an die Leistungserbringer in der Region geliefert werden, dann erhalten neun Millionen Versicherte im Rheinland die Karten. Bis 2010 soll die elektronische Gesundheitskarte bundesweit einführt werden.

Die Ärzte müssten frei entscheiden können, ob sie sich an dem Projekt beteiligen, forderte Hoppe. "Wir lassen uns nicht unter Zeitdruck setzen, weil die Politik der IT-Industrie unerfüllbare Versprechen gemacht hat." Bisherige Testergebnisse seien nicht einmal ansatzweise ausgewertet worden. "Es gibt also keinen Grund, die Entscheidung jetzt übers Knie zu brechen."

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNo), in deren Zuständigkeitsgebiet das Pilotprojekt für die E-Card läuft, will sich der Forderung Hoppes weder anschließen noch entgegenstellen. "Ich nehme die Position zur Kenntnis", sagte KVNO-Vize Dr. Klaus Enderer zur "Ärzte Zeitung". "Wenn sie darauf beruht, dass die Karte nicht praxistauglich ist, habe ich Verständnis dafür." Es müsse geklärt werden, ob die Karte ohne Komplikationen für niedergelassene Ärzte einsetzbar sei oder nicht. Würden Bedenken der Mediziner nicht ausgeräumt, sei die richtige Konsequenz, mit der Einführung zu warten. Wann die E-Card komme, müssten aber andere als die KV entscheiden. "Der schwarze Peter liegt bei den Krankenkassen und der Politik", sagte er.

Sache der KVNo sei dagegen, die Wettbewerbsfähigkeit der niedergelassenen Ärzte durch das Bereitstellen von Lesegeräten zu guten Konditionen zu gewährleisten, betonte Enderer. "Es wäre unerträglich, wenn unsere Mitglieder zum Beispiel gegenüber Medizinischen Versorgungszentren nicht wettbewerbsfähig wären."

[29.12.2008, 18:11:55]
Dieter Döring 
Hoppe spricht sich für Denkpause in Sachen Einführung der E-Card aus
Kann ich nur voll und ganz zustimmen.
Übrigens die Einführung der E-Card wird bei einigen Kollege zur vorzeitigen Beendigung ihrer kassenärztlichen Tätigkeit führen. zum Beitrag »

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