Ärzte Zeitung, 08.03.2010
Rechenzentren: sicherer Hort für die
Daten
Immer wieder tauchen Datenskandale auf. Manch einer
meint, es gebe keine sicheren Daten mehr, vor allem im Hinblick auf die
E-Card. Doch schaut man sich Rechenzentren genauer an, wird man schnell
eines besseren belehrt.
Von Jürgen Stoschek
MÜNCHEN. Die
elektronische Datenverarbeitung ist allgegenwärtig. Die
IT-Netze werden zunehmend dichter, das merken auch kooperierende
Ärzte. Wichtige Knoten im Netz sind Rechenzentren. Dort laufen
die Datenströme zusammen und werden verarbeitet. Nicht zuletzt
deshalb hat die Datensicherheit gerade dort allerhöchste
Priorität.

Technik als Sicherheitskomponente.
© Joachim Wendler / Fotolia.com
Zu den großen Betreibern von Rechenzentren in Europa
gehört T-Systems, die Geschäftskundensparte der
Deutschen Telekom. Allein in Deutschland betreibt T-Systems vier
strategische Rechenzentren in einem Redundanzverbund, sowie ein gutes
Dutzend Einzelrechenzentren, die miteinander gekoppelt und nicht mehr
als 40 Kilometer voneinander entfernt sind. Rund 50 000
Quadratmeter Fläche umfassen die Zentren von T-Systems in
Deutschland. Für den Betrieb sind etwa 4000 Mitarbeiter
zuständig.
Rechenzentren sind häufig sicherer als
Gefängnisse
Eines dieser Rechenzentren ist in München in einem
ehemaligen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg untergebracht. Der Bunker
mit seinen vier Meter dicken Wänden aus Spezialbeton liegt im
Nordwesten der bayerischen Landeshauptstadt auf einem
Firmengelände, für das ohnehin schon strenge
Sicherheits- und Zutrittsberechtigungen gelten.
Der Zugang zur eigentlichen Einrichtung wird von Wachpersonal
geschützt. Im Gebäude gibt es elektronische Schleusen
und eine Video- überwachung. Ein Zugang zu den einzelnen
Bereichen ist nur mit einer Chipkarte möglich.
Für den Betrieb von Rechenzentren gibt es
internationale Sicherheitsnormen wie den "British Standard 7799" oder
ISO, die erfüllt werden müssen, um zertifiziert zu
werden, betont Olaf Heyden, verantwortlich für die
T-Systems-Rechenzentren. Die Normen, die auf europäischer und
internationale Ebene einheitlich sind, werden laufend aktualisiert und
umfassen ein Arsenal an Sicherheitsvorkehrungen, die vor unbefugtem
Zugriff, Missbrauch und Datenklau schützen sollen. Die
Mitarbeiter in den Rechenzentren unterliegen dem
Bundesdatenschutzgesetz und werden laufend überprüft
und geschult.
Im Mittelpunkt der Sicherheitsmaßnahmen steht die
Firewall, die die Server wie ein elektronischer Schutzwall umgibt und
den elektronischen Zugang überwacht. Anhand festgelegter
Regeln werden Herkunft, Ziel und Begehr von Datenpaketen
überprüft. Ergänzt wird die Firewall durch
weitere Mechanismen wie Intrusion-Detection und
Intrusion-Prevention-Systeme, die Datenströme auf
verdächtige Bestandteile wie Schadcodes abklopfen und
suspekten Angriffsmustern nachspüren.
"Wir sind seit mehr als zehn Jahren im Bereich
Finanzdienstleistungen tätig. Dort sind die technischen
Anforderungen an die Datensicherheit und deren Überwachung
mindestens genauso komplex und streng wie im Gesundheitswesen", sagt
Holger Hille, bei T-Systems für den Bereich Länder,
Kommunen und Gesundheitswesen zuständig. Im Finanzbereich gebe
es strenge Prüfverfahren und Mechanismen, die das Bundesamt
für Finanzdienstleistungen vorschreibt. "Die prüfen
bis ins kleinste Detail", sagt Hille. Besonders geprüft
würden die Prozesse, also welche und wie viele Personen Zugang
zu den Rechnern haben.
Für die eGK gelten weitere Sicherheitsmechanismen
Auch für die Speicherung und Übermittlung
von Sozialdaten gelten die höchsten Anforderungen, sagt Martin
Gödecke, bei T-Systems auch für die elektronische
Gesundheitskarte (eGK) zuständig. Zusätzlich zu den
Sicherheitsmaßnahmen in den Rechenzentren werden die Daten
verschlüsselt. Und auch der Transport der Daten ist
verschlüsselt. "Selbst wenn man in einen solchen Datenstrom
hineinkäme, würde man nur einen Brei von Bits und
Bytes sehen", sagt Gödecke. Für die eGK
beispielsweise wurde die Verschlüsselung von 1024 auf 2048 Bit
verdoppelt.
Bei der elektronischen Patientenakte werde es mit dem
elektronischen Heilberufeausweis und der Zugangsberechtigung des
Versicherten ein weiteres Sicherheitselement geben. "Nur wenn beide
Seiten sich authentifizieren, ist ein Zugriff möglich, und nur
auf diese eine Akte", betont Gödecke.
Ein wichtiges Element der Datensicherheit betrifft zudem den
Ausfallschutz. Fällt ein Rechenzentrum aus, springt in
Sekundenbruchteilen ein zweites ein. "Die Daten werden über
einen doppelten Leitungsweg geleitet.
Im Idealfall merkt der Kunde gar nichts", so Heyden. Bei
Stromausfall springen Batterien und dann jeweils zwei 5000 PS starke
Dieselaggregate ein, die die Stromversorgung bis zu zehn Tagen
sicherstellen können.
"Bei der gematik, der Gesellschaft für
Telematikanwendungen der Gesundheitskarte, haben wir zwei Rechenzentren
mit unterschiedlichen Brandabschnitten, so dass wir vier
unabhängige Systeme haben." Das Umschalten erfolge so schnell,
dass sich die Geräte in den Praxen nicht ausschalten. "Sonst
würde sich die Konnektoren in den Praxen abmelden und wieder
anmelden. Das würde das System überfordern".
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| [09.03.2010, 06:53:00] |
| Dr. Philipp Stachwitz
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Der Text könnte auch einer Werbebroschüre des dort (auch noch ausschließlich!) genannten Unternehmens entnommen worden sein. Er ergeht sich in Beteuerungen im Stil von "alles total sicher, echt!". Kein kritischer Ton und auch keine Erwähnung des entscheidenden Sicherheitsmerkmals der eGK, nämlich der Verschlüsselung in der Hand des Patienten. Das Implementieren von Zugangskontrollen, Bunkern, Video etc. gehört zu banalen Basismaßnahmen, es schützt aber niemals vor Innentätern. Dies wird von den eGK-Gegnern daher zu Recht auch als nicht ausreichend vorgebracht. Insofern ist ein solch oberflächlich-trivialer "Artikel" Wasser auf deren Mühlen. Das Thema Sicherheit sollte man entweder detailliert anpacken oder es eben lassen. zum Beitrag »
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