Ärzte Zeitung online, 13.10.2011

KV-Telematik-Arge wehrt sich gegen Vorwurf des "Kassentrojaners"

Kassentrojaner oder nicht? Jetzt meldet sich auch die KV-Telematik-Arge zu Wort und bestätigt: Die geplante Standard-IT-Schnittstelle für Selektivverträge soll keinerlei Daten durch die Hintertür abfragen.

NEU-ISENBURG (reh). Die Kritik des Deutschen Hausärzteverbandes und des MEDI-Verbundes an der Standard-IT-Schnittstelle für Selektivverträge, zeuge von blanker EDV-Unkenntnis, sagt Dr. Gunter Hauptmann, Vorsitzender der KV-Telematik-Arge.

In einer Mitteilung bestätigt er noch einmal, was auch bereits Karsten Knöppler, Leiter des Geschäftsbereiches "Gesundheit - Versorgung - Kommunikation" (gevko) der AOK Systems GmbH gegenüber der "Ärzte Zeitung" erklärt hat: KV-Telamtik-Arge und gevko, die gemeinsam an der Schnittstelle arbeiten, stellen keine eigene Software her.

Softwarehäuser programmieren selbst

Sie definierten lediglich gemeinsam "Schnittstellen", die Regeln vorgeben, nach denen Verträge zwischen Vertragspartnern EDV-technisch umgesetzt werden könnten, so Hauptmann. "Dieses Regelwerk steht allen Softwareherstellern barrierefrei und kostenlos zur Verfügung."

Die zur Umsetzung von Verträgen erforderliche Software würden die Softwarehäuser selbst programmieren - "und zwar gemäß den Vorgaben der jeweiligen Vertragsparteien nach den Regeln der Schnittstelle"."

"Über die vertraglich vereinbarten Inhalte hinaus können keine Dateninhalte ausgetauscht werden"

Hauptmann weist aber auch ausdrücklich noch einmal darauf hin, dass die Schnittstellen ausschließlich die Daten beschreiben würden, die die Vertragspartner miteinander vereinbart hätten.

Hauptmann: "Über die vertraglich vereinbarten Inhalte hinaus können keine Dateninhalte ausgetauscht werden. Welche Daten wohin gehen bestimmen ausschließlich die Ärzte und Krankenkassen in ihrem jeweiligen Versorgungsvertrag unter Einhaltung der gesetzlichen Datenschutzbestimmungen."

Aussagen zeugten von Unkenntnis

Absichtliche Falschinformation unterstellt Hauptmann dem Hausärzteverband und MEDI dabei keines Falls. Die Behauptungen, die die beiden Verbände in ihrer gemeinsamen Mitteilung Anfang der Woche aufgestellt hätten, zeugten aber zumindest von großer Unkenntnis.

"Eigentlich ist eine solche Reaktion schade, dabei könnten doch auch diese Verbände die Schnittstellen zum Nutzen ihrer Mitglieder und zur Einsparung von Bürokratie und Kosten nutzen", so Hauptmann. Er lädt MEDI und den Hausärzteverband daher dazu ein, gemeinsam mit der KV-Telematik-Arge und gevko Lösungen zu entwickeln.

[18.10.2011, 08:39:56]
Dr. Karlheinz Bayer 
??? Über die vertraglich vereinbarten Inhalte hinaus können keine Dateninhalte ausgetauscht werden ???

Dem Artikel fehlt ein Vorspann, daß es sich hier um eine Werbeaussage von Gematik und KBV handelt. Datenschützer und Informatiker können das, was da steht bestenfalls für eine Glosse halten, denn es ist falsch.

Schnittstelle heißt, hier findet ein Einschnitt für den Datenaustausch statt.

Die klassischen Schnittstellen sind die zwischen PC und Drucker oder Kartenlesegerät und Festplatte. An jeder dieser Schnittstelle können Datenübertragen werden. Das, um was es hier geht ist der Datenaustausch von unseren heiligen Rechnern in der Praxis an die unheiligen in den Geschäftsstellen der AOK und anderer Interessierter.

Der Satz "Über die vertraglich vereinbarten Inhalte hinaus können keine Dateninhalte ausgetauscht werden" ist inhaltlich falsch, weil das Wort "können" nicht zutrifft. Können tut man alles austauschen, selbst die Bankdaten des Praxisinhabers, wenn sie auf derselben Festplatte liegen können (!) ausgelesen werden. "Können" muß ersetzt werden durch "dürfen". Aber wenn "dürfen da stehen würde, wäre sofort ersichtlich, wie löcherig das System zu werden droht.

Bitteschön, was sind denn schon die "vertraglich vereinbarten Inhalte"?
Manche der Selektivverträge haben ja bereits jetzt Inhalte vereinbart, die von den Datenschutzbeauftragten gerügt wurden.

Bei der Online-Abrechnung empfieht die KV (BaWue), Abrechnungsdaten auf einen USB-Stick zu laden und von einem a n d e r e n Rechner zu übertragen, das mit der Warnung, den freien Zugriff auf den Praxisrechner zu unterbinden, den man mit der Telematik Hard-und Software ja geradezu ausrücklich einräumt und vertraglich vereinbart.

Die AOK und die Gematik können behaupten was sie wollen, mit dieser IT-Komnstruktion sitzen sie in unseren PCs, ob das vertraglich so vereinbart wurde oder nicht, sie tun's einfach.

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal zum Beitrag »
[17.10.2011, 11:03:40]
Dr. Birgit Bauer 
Soll, soll,soll, aber was ist möglich ?
Wie lange führen uns die Internetspezialisten noch an der Nase herum ?
Es zeigt sich doch im Alltag, dass nichts sicher ist im Internet,also
trau, schau , wem ?
Ich frage mich wo unsere sogenannten Standesvertreter bleiben um unseren Berufsstand vor derartigen Machenschaften zu schützen ?
Was wird aus dem Arzt-Patienten-Verhältnis wenn die Schweigepflicht an allen Ecken und Enden aufgeweicht wird.
Ich bin mir schon lange nicht mehr sicher ob nicht auch schon mit der normalen Praxissoftware Gefahren für die Schweigepflicht bestehen.
M.f.G. B.Bauer zum Beitrag »

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