Ärzte Zeitung, 25.06.2013

Vergleich für Ärzte

Das spricht für Netbook, das für Tablet

Tablets liegen heute in der professionellen Anwendung voll im Trend, in der Arztpraxis bieten jedoch auch Netbooks Vorteile. Wir sagen Ihnen, welches Gerät für welche Ärzte geeigneter ist.

Von Rebekka Höhl

Das spricht für Netbook, das für Tablet

Vor- und Nachteile: Beim Text punktet das Netbook, beim Bild das Tablet.

© Tsiumpa/fotolia.com

NEU-ISENBURG. Während der Markt für Tablet-PCs stetig wächst, sinken die Verkaufszahlen für Netbooks.

Gerade einmal rund 190000 Geräte sollen laut Schätzungen des Branchenverbands Bitkom dieses Jahr über den Ladentisch gehen. 2009 wurden in Deutschland noch rund zwei Millionen Netbooks verkauft.

Bei den Tablets geht es genau in die entgegen gesetzte Richtung. Wie Bitkom mitteilt, verdoppelten sich hier die Verkaufszahlen binnen eines Jahres: Wurden 2011 noch 2,1 Millionen Tablets veräußert, waren es 2012 bereits 4,4 Millionen Geräte.

In diesem Jahr sollen die Absatzzahlen gar die Fünf-Millionen-Marke knacken. Doch sind die Netbooks gerade im ärztlichen Bereich tatsächlich ein Auslaufmodell?

Tablets haben höhere Bildauflösung

Beide Geräte eignen sich vor allem für Ärzte, die viel unterwegs sind. Insbesondere für Hausärzte, die häufig auf Hausbesuch gehen, sind die Leichtgewichte besser als herkömmliche Notebooks.

Wer in der Praxis lieber mit einem flexibleren Gerät von Raum zu Raum zieht, statt eine feste Workstation in jedem Behandlungszimmer einzurichten, der wird allerdings bei den Tablets besser aufgehoben sein.

Da diese gerade dann, wenn der Minirechner auch zur Unterstützung im Patientengespräch eingesetzt wird, eine bessere Bildauflösung und ohne Tastatur eine bessere Handhabung bieten.

So erreichen Tablets in der Regel eine Bildauflösung von über 2000 x 1500 Pixel. Bei den Netbooks werden häufig nur 1000 x 600 Pixel erreicht.

Das ist gerade für Ärzte, die viel mit bildgebender Diagnostik und Grafiken arbeiten, von Vorteil. Außerdem wecken die Tablets durch ihr modernes Erscheinungsbild mehr Aufmerksamkeit bei den Patienten.

Wer viel Schreibarbeiten erledigen muss, für den sind die Netbooks hingegen besser geeignet. Innerhalb der Praxisräume ist das auch für die Tablets, die selbst nur über eine virtuelle Tastatur verfügen, kein Problem. Denn sie lassen sich per Dockingstation oder USB-Adapter mit einer normalen Tastatur verbinden.

Auf Hausbesuch mit dem Netbook

Auf Hausbesuch kann ein Gerät, das Bildschirm und Tastatur in einem bietet, aber angenehmer sein. Manche Tablet-Hersteller lösen das Problem, indem sie die zugehörige Tastatur gleich mit liefern beziehungsweise ihre Geräte als Zwitter zwischen Tablet und Netbook daherkommen lassen.

Klarer Vorteil der Netbooks ist auch ihr Speichervolumen. 250 Gigabyte (GB) sind bei den Minirechnern meist kein Problem. Tablets hingegen bieten meist nur eine Speicherkapazität zwischen acht und 32 GB.

Sie lassen sich aber aufrüsten. Zumindest einige, wie der Bitkom erklärt, nämlich per Micro-SD-Karte. Damit könnten die Tablets um bis zu 64 GB Speicherplatz erweitert werden.

Die Speicherkapazität ist aber ebenfalls eher ein Problem für Ärzte, die viel unterwegs sind und etwa auf Hausbesuch, für die Arbeit in Qualitätszirkeln oder auf Vorträgen mit größeren Dateien arbeiten. Denn für alles andere kann der Speicherplatz auf dem Praxis-Server genutzt werden.

Insbesondere wenn es um Daten für die Patientenakte geht. Viele Praxissoftware-Anbieter bieten längst Apps ihrer Systeme für die Tablets an. Die unterwegs erhobenen Daten werden häufig per Bluetooth oder USB-Schnittstelle in der Praxis auf den Server übertragen - und direkt ins Praxisverwaltungssystem eingepflegt.

Aber: Die Netbooks warten mit wesentlich mehr Anschlüssen als die Tablets auf. Während sich bei den Netbooks problemlos Kameras, Drucker und andere Rechner via USB-Schnittstelle anschließen lassen - also eine sicherere Hardware-Verbindung aufgebaut werden kann -, müssen die Tablets meist mit Bluetooth- und WLAN-Verbindungen oder zumindest Adapter für eine USB-Anbindung an den Praxisrechner arbeiten.

Wunddokumentation mit dem Tablet

Ebenfalls ein Vorteil der Netbooks: Bei ihnen kann häufig ein Ersatzakku mit auf Reisen gehen und schnell ausgetauscht werden. Bei den Tablets ist das nicht möglich, da die Akkus fest im Gehäuse verbaut sind bzw. sich das Gehäuse nicht öffnen lässt.

Ärzten, die unterwegs viel auf Fotodokumentation angewiesen sind, ersparen die Tablets dafür aber das Umhertragen einer zusätzlichen Kamera. Die Geräte sind mittlerweile mit gut auflösenden Kameras ausgerüstet.

Das Interessante dabei: Es gibt meist auf der Front- und der Rückseite eine Kamera, wodurch sich leichter Fotos etwa von Wunden schießen oder auch ganze Dokumentationsvideos aufnehmen lassen.

Netbooks besitzen in der Regel nur eine Frontkamera oberhalb des Bildschirms.

Gerätearten im Vergleich:

NETBOOK

Pro: Tastatur (ergonomisches Schreiben), Speicherplatz (ab 250 GB), Schnittstellenvielfalt, Akku lässt sich tauschen

Contra: Bildschirmauflösung (häufig 1000 x 600 Pixel), oft altbackenes Erscheinungsbild

TABLET

Pro: Gewicht, Raum-zu-Raum-Mobilität, Kamera, Bildschirmauflösung (häufig mehr als 2000 x 1500 Pixel), modernes Erscheinungsbild

Contra: Eingabemöglichkeiten (Ergonomie), Speicherplatz (bis 32 GB), Schnittstellenbegrenzung, Akku fest verbaut

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