Ärzte Zeitung, 26.09.2014

Horizon 2020

Medizinische Einheitssprache unter der Lupe

Im Rahmen von Horizon 2020 prüft die Hochschule Niederrhein, ob sich eine Medizin-Sprache auch ökonomisch lohnt.

KREFELD. Die Hochschule Niederrhein führt ein internationales Forschungsprojekt zur europaweiten Evaluation einer einheitlichen Medizinsprache an.

Sylvia Thun, Professorin für Informations- und Kommunikationstechnologie im Gesundheitswesen, erhielt jetzt nach Angaben der Hochschule die Zusage für das Projekt, das mit insgesamt einer Million Euro von der Europäischen Union gefördert werde.

Das Projekt laufe innerhalb des EU-Forschungsrahmenprogramms Horizon 2020. Mit fünf Flaggschiffprojekten in den Bereichen Chip-Fertigung, Nanoelektronik, Luftfahrt, Wasserstofftechnologien und Medikamentenentwicklung hat die EU im Jahre 2007 im Rahmen des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms neue Förderinstrumente gestartet.

Mit insgesamt zehn Milliarden Euro sucht die EU ihre Position in Schlüsseltechnologien der Zukunft zu festigen. Mit mehr als 22 Milliarden Euro will die EU die fünf Joint Technology Initiatives (JTI) unter dem Forschungsprogramm Horizon 2020 ab diesem Jahr ausstatten.

Schon seit einigen Monaten arbeiten Wissenschaftler am Fachbereich Gesundheitswesen der Hochschule Niederrhein daran, eine einheitliche Sprache in der Medizin zu etablieren.

"Im medizinischen Alltag kommt es immer wieder zu Fehlern oder Missverständnissen, weil die Sprache nicht genau ist und einzelne Begriffe bei den Akteuren unterschiedlich definiert sind", verdeutlicht Thun.

Zusammenarbeit von 15 Partnern

Was versteht der Arzt unter dem Begriff Ebola? Ist die Allergie, die bei dem Patienten diagnostiziert wird, eindeutig benannt? Diese Probleme gäbe es nicht, wenn die Begriffe klar codiert seien, ist sich Thun sicher.

Bei dem EU-Projekt "Assessing SNOMED CT for Large Scale eHealth Deployments in the EU" geht es laut Hochschule um die Frage, ob es aus ökonomischer Sicht sinnvoll ist, europaweit eine einheitliche Medizinsprache einzuführen.

Die Hochschule Niederrhein führt dazu ein Konsortium von 15 internationalen Partnern an, die sich im Rahmen verschiedener Arbeitspakete mit dem Thema beschäftigen. Grundlage sei die Medizinsprache "Snomed CT", die von der International Health Terminology Standards Development Organisation IHTSDO herausgegeben wird.

Von den 28 EU-Mitgliedsstaaten seien derzeit 14 dieser Organisation beigetreten. Ziel der Sprache "Systematisierte Nomenklatur der Medizin (SNOMED)" ist es, Ungenauigkeiten oder Verständnisfehler in der Medizin zu unterbinden.

Die einheitliche Sprache sorge für eine hohe Präzision und solle auch elektronisch gelesen werden können. Weitere Vorteile seien die Entscheidungsunterstützung zum weiteren klinischen Vorgehen, der Grad der hohen Detaillierung und deren Sprachunabhängigkeit.

Als Partner des Projekts, das im Rahmen von Horizon 2020 laufen werde, fungiere unter anderem die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

"Wir haben uns in der jüngsten Zeit im Rahmen von drei großen Forschungsprojekten mit der Frage beschäftigt, wie eine einheitliche, international gültige und auf Codierungen aufbauende Medizin-Sprache etabliert werden kann. Das ist auch bei den Entscheidern in Brüssel registriert worden. Darüber freuen wir uns sehr", erklärt Thun, warum die Hochschule Niederrhein die Lead-Position bei diesem internationalen Renommee-Projekt einnimmt.

Der Hochschulpräsident Professor Hans-Hennig von Grünberg sieht in Horizon 2020 durch die Ausschreibung mittelstandsnaher Forschungsprogramme für die Fachhochschulen größere Chancen als bisher, an europäischen Forschungsprogrammen teilzunehmen. (maw)

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