Ärzte Zeitung, 30.11.2015

Medica in Düsseldorf

Hybrid-Software hebt Praxen in die Cloud

Vor gut einem Jahr ging der Praxis-EDV-Anbieter medatixx mit einer Neuentwicklung in den Markt, die Ärzten das Cloud-Computing näher bringen soll und mit einer intuitiven Oberfläche arbeitet. Auf der Medica zeigte das Unternehmen, wie die Software seither gewachsen ist.

Hybrid-Software hebt Praxen in die Cloud

Was kann die Hybrid-Software medatixx? Auf der Medica in Düsseldorf testeten Praxisteams das neue System.

© medatixx

DÜSSELDORF. Beim Thema Cloud-Computing zucken viele Ärzte zunächst zusammen: Zu groß ist die Sorge, dass die sensiblen Praxisdaten, werden sie über externe Server verwaltet, in falsche Hände geraten könnten.

Doch was geschieht, wenn nur öffentliche Listen und Kataloge wie der EBM, die Arzneidatenbank oder Formularvorlagen in die Cloud verlagert werden, die eigenen Praxis- und Patientendaten aber vor Ort bleiben? Der Arztsoftware-Anbieter medatixx hat es ausprobiert und mit seiner gleichnamigen Hybrid-Lösung vor rund einem Jahr ein komplett neues Praxissystem auf den Markt gebracht.

Auf der Medica in Düsseldorf zeigte sich, dass die Idee bei den Praxen durchaus ankommt - zumal die Nutzer das Software-Paket auch kurzfristig auf ihre Bedürfnisse anpassen können.

Kein Ersatz für etablierte Systeme

"Medatixx soll kein Ersatz für unsere etablierten Software-Systeme sein", machte medatixx-Vertriebsleiter Michael Schober deutlich. Ziel sei es, Neukunden zu gewinnen.

Die etablierten Systeme wie x.comfort oder x.isynet würden auch in Zukunft weiter geführt. Rund 70 Ärzte arbeiten bereits mit dem neuen System, das sie sich über die Website des Unternehmens selbst herunterladen und zusammenstellen können. Seit diesem Herbst läuft aber zusätzlich der Vertrieb über die angeschlossenen Fachhändler samt Support bei der Installation.

Das Interessante an der Software ist, dass sie die Server in den Praxen entlastet, in dem sie einen Großteil des Datenvolumens - vor allem jenes, das ständigen Änderungen unterworfen ist - in die Cloud verlagert.

Alle öffentlichen Kataloge und Formularvorlagen werden außerhalb der Praxis gespeichert und vorgehalten. Per Internetverbindung greift die Software auf die Daten zu.

Für den Fall, dass die Internetverbindung einmal kappe, liege aber immer eine Kopie der Daten auf dem lokalen System, sodass der Arzt problemlos seine Abrechnung oder Verordnungen ausfüllen könne, erläuterte Schober.

Alle Messwerte auf einen Blick

Die Software bietet aber auch ein frisches, an die Apple- und Tablet-Welt angelehntes Design. Auf dem "Dashboard", eine Übersicht mit den wichtigsten Patientendaten, kann der Arzt ganz individuell zusammenstellen, welche Informationen seines Patienten er im Sprechzimmer auf den ersten Blick benötigt.

Die Daten werden nebeneinander in Kacheln angezeigt. Hierbei lassen sich direkt Grafiken, etwa Kurven zu Messwerten oder Balkendiagramme zu Verordnungen, einbinden.

Über eine Datenschnittstelle lassen sich dort auch Diagnosebilder von Medizingeräten ins Dashboard und damit die Patientenakte ziehen.

Updates der Software laufen im Sechs-Wochen-Rhythmus automatisch und werden nachts eingespielt, um den Praxisbetrieb nicht zu stören. Über das aus Windows bekannte Briefumschlag-Symbol können Ärzte direkt auf das Postfach zugreifen, das zweigeteilt ist: in interne und externe Nachrichten.

Elektronischer Arztbrief über KV-Connect

 Der elektronische Arztbrief über KV-Connect, der damit auch den Standards des E-Health-Gesetzes entspricht, wird laut Schober in die neue Software zwar erst im ersten Halbjahr 2016 eingebaut. Ärzte könnten aber bereits Briefe als verschlüsseltes PDF versenden.Bereits enthalten ist dafür der bundeseinheitliche Medikationsplan.

Hier setze sich das Unternehmen dafür ein, dass es nicht nur bei den Inhalten, sondern auch der technischen Ausgestaltung eine für alle Unternehmen einheitliche Spezifikation gebe, sagte Schober.

Dabei beinhaltet das System eine eigene Textverarbeitung, in die sich ohne großen Aufwand eigene Textbausteine integrieren lassen.

Die Praxen können externe Technik - seien es nun Medizin- oder weitere IT-Geräte in wenigen Schritten selbst ans System anbinden. "Sie müssen nur die integrierte GDT-Schnittstelle anwählen, einen Namen für das Gerät und den zugehörigen Dateipfad angeben", demonstrierte Schober. Bei letzterem hilft die Software durch eine Suchfunktion.

Auch der Nutzungsvertrag läuft wie gesagt flexibel: Die Basisversion kostet 49,99 Euro im Monat. Sie lässt sich um verschiedene Module wie den mobilen Datenzugriff vom Tablet-PC, einen Terminplaner oder die Datenschnittstelle zur Privatärztlichen Verrechnungsstelle erweitern. Die Zusatzservices lassen sich nach einem Monat bequem wieder abbestellen. (reh)

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