Ärzte Zeitung, 23.09.2016

Deutsche Telekom:

"Wir können den Unmut der Ärzte verstehen"

Die Deutsche Telekom stellt den Router "Medical Exchange" bereits zum 21. Oktober ein. Betroffene Praxen müssen nun einen neuen Provider suchen, um ihren Zugang zum KV-Safenet zu behalten.

Von Ilse Schlingensiepen

"Wir können den Unmut der Ärzte verstehen"

Die Online-Abrechnung ist für Vertragsärzte Pflicht. Ohne Router geht es dabei nicht.

© [M] Haus: Dron / Symbol: Maria.P. / fotolia.com

DORTMUND. Ärzte, die über den Router der Deutschen Telekom Zugang zum sicheren Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen bekommen, müssen sich einen neuen Provider suchen. Das Unternehmen stellt das Gerät "Medical Exchange" zum 21. Oktober ein und hat die Verträge mit rund 2200 Ärzten gekündigt. Die Zertifizierung für den Router ist zum 30. Juni abgelaufen.

Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) Dr. Thomas Kriedel hat das Unternehmen für sein Verhalten scharf kritisiert. "Es ist ein Unding, Kunden so hängen zu lassen", sagte Kriedel auf der KVWL-Vertreterversammlung in Dortmund. In Westfalen-Lippe sind nach seinen Angaben 750 Praxen mit 1000 Ärzten von der Entscheidung betroffen. Sie müssen sich jetzt um einen neuen Provider kümmern.

Sicherheitsanforderungen zu hoch

Wie die anderen Anbieter auch hätte die Telekom den Router für das sichere Netz der KVen – auch bekannt als KV-Safenet – gemäß den Anforderungen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik rezertifizieren lassen müssen. Das Amt hatte ein Sicherheits-Update gefordert. Darauf hat das Unternehmen jedoch verzichtet und den Kunden deshalb keine neue Hardware geliefert. "Die Ärzte haben sich auf die Telekom verlassen", monierte Kriedel. Dieses Geschäftsgebaren sollten die Ärzte im Auge haben, wenn sie demnächst mal wieder einen Anbieter im Bereich der Telekommunikation brauchen, findet er.

"Wir können den Unmut der Ärzte verstehen und bedauern sehr, dass wir uns zu diesem Schritt entschließen mussten, sehen aber nach Abwägung aller Sachverhalte keine andere Lösung", sagt Dirk Becher, Pressesprecher der Deutschen Telekom. In der vorgegebenen Zeit habe Medical Exchange nicht an die erhöhten Sicherheitsanforderungen angepasst werden können.

Eventuell Ersatz für Wechselkosten

Die Einstellung zum 21. Oktober bedeute, dass die Ärzte ihre Abrechnung für das dritte Quartal noch mit dem Router über das sichere Netz der KVen abwickeln können. "Gleichzeitig empfehlen wir ein alternatives Angebot eines zertifizierten sowie bewährten KV-Safenet-Anbieters, so dass die Kontinuität sichergestellt ist", sagt Becker.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) weist betroffene Ärzte darauf hin, dass sie für den Wechsel zu einem neuen KV-Safenet-Provider laut Richtlinie der KBV gegebenenfalls Wechselkosten bei der Telekom geltend machen können. "Ausschlaggebend dafür sind jedoch die individuellen Verträge zwischen Praxis und Telekom als Anbieter", heißt es in einer Stellungnahme der KBV.

Sie empfiehlt den betroffenen Praxen, ihre Verträge daraufhin zu überprüfen und hat online Informationen zu anderen Providern zusammengestellt.

KBV-Infos zu alternativen Providern:

http://www.kbv.de/html/7146.php

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So viel jünger und attraktiver macht Facelifting

Wer sein Gesicht straffen lässt, will in der Regel jünger und dynamischer aussehen. Das scheint tatsächlich zu klappen. mehr »

Niedrig dosiert starten und langsam erhöhen!

Die neue Gesetzeslage zur Verordnung von Cannabis auf Kassenkosten ist beim Schmerz- und Palliativtag begrüßt worden. Ärzte mit Erfahrung mit Cannabinoiden loben vor allem den Erhalt der Therapiefreiheit. mehr »

Obamacare bleibt!

Blamage für US-Präsident Donald Trump: In letzter Minute zogen die Republikaner die Abstimmung über die geplante Gesundheitsreform zurück. Gerade auch, weil die Zustimmung aus den eigenen Reihen fehlte. mehr »