Freitag, 25. Mai 2012
Ärzte Zeitung, 08.02.2012

Ärztliches Netzwerk mit Anziehungskraft

Im Rhein-Neckar-Kreis haben sich sechs Hausärzte an zwei Standorten zusammengeschlossen. Weitere Praxen sollen in der nächsten Zeit folgen - und auch für fachärztlich tätige Kollegen will sich die Kooperation öffnen.

Von Marion Lisson

Ärztliches Netzwerk mit Anziehungskraft

Dr. Thomas Soballa (links) und Dr. Michael Eckstein glauben, dass sie sich um die Praxisnachfolge in ihren Praxen zukünftig keine Gedanken mehr machen müssen.

© privat

HOCKENHEIM/REILINGEN. Sorgen, später einmal einen Praxisnachfolger zu finden, machen sich die beiden Hausärzte Dr. Michael Eckstein und Dr. Thomas Soballa keine mehr.

Die beiden Mediziner aus der Nähe von Heidelberg haben gemeinsam mit vier anderen Kollegen eine überörtliche Berufsausübungsgemeinschaft (ÜBAG) gegründet - mit einer KV-Nummer und zwei Praxisstandorten.

"Wir haben damit eindeutig an Attraktivität gewonnen. Junge Ärzte wollen im Netzwerk arbeiten, und genau das bieten wir", ist Eckstein überzeugt. Er ist seit 13 Jahren als hausärztlich tätiger Internist in Reilingen im Rhein-Neckar-Kreis niedergelassen und Mitglied im geschäftsführenden Vorstand von Medi Baden-Württemberg für die Region Nordbaden.

"Wir sind nun ein Team. Wir stellen gemeinsam Personal ein, tätigen miteinander den Praxiseinkauf, nutzen zusammen Geräte und können unseren Patienten bereits aus den eigenen Reihen ein breites Angebot an IGeL-Angeboten offerieren", beschreibt er die Vorteile der ÜBAG.

Sechs Hausärzte beteiligt

"Synia-Hausarztpraxen" heißt der neue Zusammenschluss, der rechtlich einer Gemeinschaftspraxis gleichgestellt sei. Zwei Kilometer liegen die derzeitigen Synia-Praxisstandorte in Reilingen und Hockenheim auseinander, sechs Hausärzte machen aktuell mit.

"In diesem Jahr werden noch drei weitere Praxen aus der näheren Umgebung mit einsteigen", kündigt Soballa an. Der Allgemeinmediziner aus Hockenheim ist Geschäftsführer der neuen ÜBAG.

Seit gut einem Jahr läuft "Synia-Hausarztpraxen". Zeit und Geld mussten investiert werden. Hausarzt Eckstein, der in seiner Jugend erfolgreich eine Banklehre absolvierte, hat gerade 16 000 Euro in seine Praxis gesteckt.

Schulungszentrum angedacht

Eine neue Praxis-EDV mit Anbindung an ein Rechenzentrum in Mannheim trägt dazu bei, die Praxisabläufe an den verschiedenen Standorten anzugleichen. "Man kann sich vorstellen, dass solch eine Umstellung nicht ganz reibungslos abläuft und jede Menge Nerven kostet", verrät Eckstein.

Außerdem plane man bei Synia derzeit, auch ein Schulungszentrum einzurichten, führt Eckstein weiter aus. "Gemeinsam versorgen wir bis Ende des Jahres rund 7000 Patienten in unseren Praxen.

Das sind mit Blick auf Selbstzahlerleistungen natürlich auch Kunden für uns." Patienten mit Diabetes will das Synia-Team hier ebenso gewinnen wie auch Interessierte für Angebote im Bereich Sport- oder Reisemedizin und Schulungen.

Zudem wollen die Ärzte in Nordbaden langfristig in der ÜBAG auch fachärztlich tätige Kollegen mit einbinden. Erste Kontakte zu Dialyseärzten und Onkologen eines MVZ sind bereits geknüpft. Berufsrecht liche Fragen müssen allerdings noch geklärt werden.

Dr. Michael Eckstein

Aktuelle Position: Hausärztlicher Internist mit Zusatzbezeichnungen Sport- und Notfallmedizin.

Werdegang/Ausbildung: Medizin-Studium 1981 bis 1988 in Tübingen und Heidelberg, Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin am Städtischen Klinikum in Pforzheim. Zusatzqualifikationen in der Alpin- und Höhenmedizin sowie der Reisemedizin.

Karriere: Erster Vorsitzender des Ärztenetzes Hockenheim, Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes bei Medi Baden-Württemberg.

Dr. Thomas Soballa

Aktuelle Position: Facharzt für Allgemeinmedizin seit 2003, Zusatzbezeichnung Sportmedizin.

Werdegang/Ausbildung: Medizin-Studium 1986 bis 1992 in Heidelberg, Medizinisches Examen (ECFMG) der USA.

Karriere: Verschiedene Tätigkeiten an der Universität Philadelphia, an der Ludolf-Krehl-Klinik in Heidelberg, an den Kliniken für Rehabilitation in Bad Herrenalb. Versuchsleiter Klinische Forschung bei Boehringer Mannheim, Geschäftsführer von FA Antaris in Lampertheim.

Lesen Sie dazu auch das Interview mit Dr. Soballa:
"Erhoffe mir mehr Synergieeffekte"

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