Mittwoch, 1. Oktober 2014
Ärzte Zeitung, 16.01.2013

HNO in Nordrhein

Freitags für Kassenpatienten geschlossen

Honorarfrust bei Nordrheins HNO-Ärzten: Weil sie ihre Praxen nicht mehr finanzieren können, handeln sie: Ab Februar sind freitags die Praxen für Kassenpatienten geschlossen.

Freitags für Kassenpatient geschlossen

Kampfeslustig: Dr. Uso Walter

© HNOnet-NRW

KÖLN. Hals-Nasen-Ohrenärzte in Nordrhein wollen ab Februar ihre Praxen freitags für Kassenpatienten geschlossen halten.

"Wir reagieren mit der Reduzierung auf die desolate Situation in unseren Praxen", sagt Dr. Uso Walter, Vorstandsvorsitzender des Ärztenetzwerks HNOnet-NRW.

Als weitere Maßnahme setzt das HNOnet-NRW darauf, in den Praxen so weit wie möglich auf personal- und geräteintensive Leistungen zu verzichten.

Was medizinisch nicht absolut notwendig sei, könnten die Ärzte künftig als Wahlleistung anbieten, sagt Walter. "In der Vergangenheit haben wir noch vieles erbracht, was nicht zwingend notwendig war. Das wollen wir rigoros abbauen."

Bei einem Fallwert von 22,07 Euro im ersten Quartal 2013 bleibe den HNO-Ärzten gar nichts anders übrig, betont der Arzt aus Duisburg. Mit der Kassenpraxis erwirtschafteten die HNO-Praxen im Durchschnitt 31.400 Euro pro Quartal, die Kosten betrügen aber 33.300 Euro.

In Duisburg hätten bereits drei Praxen dichtgemacht, vier weitere von 25 Praxen stünden auf der Kippe, berichtet er.

Die Ärzte im HNOnet müssten jetzt durch öffentlichkeitswirksame Maßnahmen Druck auf die Politik und vor allem die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNo) machen, damit sich an der Situation endlich etwas ändert. In Duisburg wollen sich 80 Prozent der Kollegen an der Aktion beteiligen, sagt Walter.

Nach Angaben des Vorsitzenden des nordrheinischen Berufsverbands der HNO-Ärzte Dr. Joachim Wichmann sind Praxisschließungen nur eine der Maßnahmen, über die die Fachgruppe derzeit diskutiert.

"Es geht darum, unseren Protest nicht auf dem Rücken der Patienten auszutragen", sagt er.

Die HNO-Ärzte müssten aber wie andere Versorger-Fachgruppen zum Ausdruck bringen, dass sie mit dem Rücken an der Wand stehen und nicht mehr weitermachen können wie bisher. "Es ist schon eine groteske Situation, wenn Ärzte bei vollen Wartezimmern in die Pleite gehen."

Wichmann hofft, dass die Honorarverhandlungen zwischen KVNo und Kassen sowie Änderungen am Honorarverteilungsmaßstab der KVNo die Lage verbessern. So könnten Honorarzuwächse asymmetrisch verteilt werden, wie es beispielsweise die KV Westfalen-Lippe plant.

Passieren müsse auf jeden Fall etwas, sagt er. "Es kann nicht sein, dass eine Fachgruppe den Bach hinunter geht, und niemand tut etwas."Nach Angaben der KVNo ist gegen eine Schließung der Kassenpraxis am Freitag nicht zu sagen - vorausgesetzt die Ärzte versorgen Notfälle, wenn sie in den Praxen sind. (iss)

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Arzthonorar: In den KVen geht es um bis zu 120 Millionen Euro

Im Herbst verlagern sich die Honorarverhandlungen der Kassenärzte auf die Ebene der KVen. Wie viel Geld es gibt, hängt auch von den verschlüsselten Diagnosen ab. mehr »

Kampf gegen Unterversorgung: Gröhe kündigt Zuschläge für Hausärzte an

Der Sachverständigenrat hat seine Vorschläge konkretisiert, wie die Unterversorgung in ländlichen Regionen bekämpft werden kann. Minister Gröhe zeigt sich von vielen Ideen begeistert - und kündigt Vergütungszuschläge für Hausärzte an. mehr »

Bahr: Ex-Gesundheitsminister heuert bei PKV an

16:24 Der ehemalige Gesundheits­minister Daniel Bahr arbeitet künftig für einen privaten Krankenversicherer - und wechselt also in die Branche, für die er einst zuständig war. Dieser Schritt ruft unterschiedliche Reaktionen bei Ärzten, Gesundheitspolitikern und Ärztevertretern hervor. mehr »