Ärzte Zeitung, 14.06.2011

Wie Praxen passende Azubis finden

Schon im August startet formal das neue Ausbildungsjahr in den Praxen. Die Zeit, jetzt noch gute Bewerber zu finden, wird knapp. Eine MFA gibt Tipps, worauf Praxen bei der Auswahl achten sollten.

Von Rebekka Höhl

Wie Praxen passende Azubis finden

Damit eine geeignete Bewerberin den Azubi-Vertrag erhält, sollten Praxen in Gesprächen auch konkrete Fall-Aufgaben stellen.

© Bernd Leitner / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Bis zum Start des neuen Ausbildungsjahres ist zwar noch etwas Zeit, und auch die Ärztekammern - so zumindest der Stand aus der Landesärztekammer Hessen - sind noch nicht so weit, dass sie die neuen Ausbildungsverträge zählen. Dennoch sollten Praxen nicht mehr allzu lange warten, wenn sie gute Azubis für sich gewinnen wollen. Denn im August startet formal das neue Ausbildungsjahr.

Das Problem vieler Praxen: Sie würden erst einmal abwarten, ob ihre derzeitige Auszubildende im dritten Ausbildungsjahr die Prüfung schaffe, so Brigitte März vom Verband medizinischer Fachberufe e.V. (VmF). Vor allem bei "Wackelkandidaten" werde diese Taktik gefahren.

"Weil: Besteht sie die Prüfung nicht, muss die Praxis die Auszubildende ja noch ein halbes Jahr weiterbeschäftigen", erklärt die Medizinische Fachangestellte (MFA), die selbst lange Jahre MFA mit ausgebildet hat. "Dann suchen die Praxen im Juli eine Kandidatin für August." Dass die Praxen zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viel Auswahl unter den Bewerbern haben, liegt nahe.

Andere Branchen locken mit höheren Azubi-Gehältern

Zumal andere Branchen viel früher mit der Werbung um Azubis beginnen - besonders in diesem Jahr, in dem die Industrie einen Fachkräftemangel befürchtet. Erst kürzlich vermeldete der Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, dass Industrie- und Handelskammern bereits Ende Mai rund 149.000 neue Ausbildungsverträge fürs kommende Lehrjahr gezählt hätten.

Diese Eigenschaften sollten Azubis mitbringen

Bei angehenden Medizinischen Fachangestellten sollten Praxen laut Brigitte März vom VmF vor allem folgende Eigenschaften achten:

• rasche Auffassungsgabe und Lernbereitschaft

• ordentliches Erscheinungsbild und - wenn möglich- auch sorgfältiges Arbeiten testen

• ein gewisses manuelles Geschick (das ist wichtig bei Assistenzarbeiten)

• Belastbarkeit, Kritikfähigkeit

• Teamfähigkeit

Das seien 13 Prozent mehr als im Mai 2010. Aber nicht nur diese Entwicklung macht es für späte Praxen schwierig: "Kluge Schüler schauen sich schon viel eher nach einer Lehrstelle um", so März, "und sehen dann auf den Websites der Krankenkassen oder Banken, was anderswo gezahlt wird."

Und das sei leider gerade in den Verwaltungsjobs noch immer mehr als bei den MFA - obwohl der neue Tarifvertrag, der seit Januar gilt, den Azubis in den Praxen ein monatliches Plus von 30 Euro gebracht hat.

Die Praxen müssen daher mit anderen Dingen werben: Wichtig ist, dass in Stellenausschreibungen klar interessante Aufgaben gezeigt werden. Noch besser sei es, auch direkt in Schulen den Beruf vorzustellen. "Wir haben in der Region einen Zahnarzt, der in die Schulen geht - schon in neunten Klassen - und fragt dort, wer denn Interesse an dem Beruf hätte", berichtet März. Anschließend würde er Schüler zu einem Praktikum einladen. Eine der besten Möglichkeiten, sich auch gegenseitig kennenzulernen.

Noten sagen längst nicht alles

Doch was, wenn die Zeit dafür nicht mehr reicht? Dann gilt es, eine geeignete Auswahl zu treffen. Dabei sollten die Praxen vor allem auf folgende Kompetenzen achten: Die/der angehende Azubi sollte in jedem Fall Interesse an Medizin haben.

Dabei sollten sich Ärzte nicht auf die schriftliche Bewerbung verlassen, sondern gezielt nachfragen. Vor allem, wenn im Anschreiben stünde, dass die Bewerberin sich für Physik und Chemie begeistert, die Schulnoten aber ein anderes Bild sprächen. Dennoch mahnt März, nicht nur auf Schulnoten und die Art des Abschlusses zu achten. "Ich hatte schon Hauptschülerinnen in der Ausbildung und das lief wunderbar."

Viel wichtiger sei eine rasche Auffassungsgabe, die man vielleicht mit kleinen Aufgabentests - gespielte Situationen aus dem Praxisalltag - im Gespräch versucht zu ermitteln. Denn, so erklärt März, wann immer die Tür in der Praxis aufgehe, müsse sich die MFA auf einen komplett anderen Patienten einstellen.

Ebenso wichtig sei Lernbereitschaft. Frage die angehende Azubi etwa schon im Gespräch, was sie denn in der Ausbildung alles dürfe und was sie nach der Ausbildung machen könne, sei das ein gutes Zeichen. Außerdem sollten die Chefs - nachdem sie die Praxis gezeigt und die verschiedenen Tätigkeiten kurz erläutert haben - nachhaken, welche Eigenschaften die Bewerberin in die Praxis mitbringe. Hier geht es laut März darum, herauszufinden, inwieweit die Bewerberin ihre eigenen Stärken einschätzen kann und wie motiviert sie ist.

Die Sächsische Landesärztekammer bietet auf ihrer Website und auf Youtube einen Infofilm zum Berufsbild der MFA, den man Bewerbern als Info zusätzlich nahelegen kann: www.slaek.de (MFA, Ausbildung);

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