Ärzte Zeitung online, 13.08.2011

Studie: Chefs haben kaum Interesse an guter Personalführung

Das Thema Personalführung wird von deutschen Chefs einer Studie zufolge klar unterschätzt. Schlechte Personalführung werde toleriert, sofern das operative Ergebnis des Unternehmens stimme, sagte Carsten Steinert, Professor für Personalmanagement an der Hochschule Osnabrück.

Von Marie-Luise Braun

OSNABRÜCK. "Der Stellenwert der Personalführung ist gering", betonte der Wissenschaftler. Eine Folge seien "innere Kündigungen" von Mitarbeitern, was für Unternehmen mit immensen Kosten verbunden sei.

Im vergangenen Herbst hatten Steinert und sein Kollege Professor Dominik Halstrup Entscheidungsträger von 118 deutschen Unternehmen mit mehr als 400 Mitarbeitern befragt. In der Studie sind Dienstleister ebenso berücksichtigt wie Unternehmen aus den Bereichen Finanzen, Industrie, produzierendes Gewerbe und Handel.

Führungskräfte sind nicht als solche ausgebildet

Einen Grund für die geringe Wertschätzung einer guten Personalführung sieht Steinert darin, dass viele Führungskräfte nicht als solche ausgebildet seien: "Seminare und Entwicklungsprogramme werden von ihnen nicht wahrgenommen. Die Angebote werden von den Geschäftsführern nicht als wichtig eingestuft."

Angestellte würden dieses Verhalten ihrer Vorgesetzten oft übernehmen - es sei denn, sie hätten ein persönliches Interesse daran, sich auf diesem Gebiet fortzubilden. Dieses hätten aber die wenigsten.

Fatale Folgen - auch für den finanziellen Erfolg

Das habe fatale Folgen - auch für den finanziellen Erfolg der Unternehmen. Denn aufgrund schlechter Personalführung entstünden Reibungsverluste in den Abteilungen, zudem "kündigten" Mitarbeiter innerlich - dies führe auch zu Dienst nach Vorschrift. So entstünden immense volkswirtschaftliche Kosten.

"Wenn Führung für das Top-Management keine Rolle spielt, fühlt sich die mittlere Ebene schlecht behandelt", sagt Steinert. Folglich sähen die meisten Mitarbeiter keinen Sinn darin, Führungsqualität zu entwickeln.

Auswahlkriterien für Führungskräfte nicht transparent

Dies würde noch dadurch unterstützt, dass die Auswahlkriterien für neue Mitarbeiter im Top-Management nicht transparent seien. Bis in die mittlere Führungsebene hinein seien für Beförderungen noch sogenannte Softskills wichtig, wie etwa das Führungsverhalten.

"So entsteht eine Diskrepanz zwischen den Mitarbeitern der verschiedenen Führungsebenen", erläutert Steinert. Auch dies trage zu einem schlechten Betriebsklima bei. (dpa)

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