Ärzte Zeitung online, 17.08.2011

Markt leergefegt: Zahnarzt findet keine Fachkräfte

MÜNCHEN (sto). "Der Markt ist leergefegt", so beschreibt der Münchener Zahnarzt Dr. Johann Eichenseer die Personalsituation im deutschen Gesundheitswesen. Und spricht aus Erfahrung: Seit Monaten sucht er dringend 40 Zahnmedizinische Fachangestellte für seine zahnärztlichen Tageskliniken - bislang ohne Erfolg.

20.000 Euro für Stellenanzeigen ausgegeben - trotzdem findet Zahnarzt keine Fachkräfte

Zahnarzt Dr. Johann Eichenseer, Betreiber von sechs Zahnärztlichen Tageskliniken in Bayern, sucht händeringend neue Mitarbeiter.

© Stoschek

Der Fachkräftemangel hat inzwischen auch das Gesundheitswesen erreicht. Das zumindest ist die Erfahrung des Münchner Zahnarztes Dr. Johann Eichenseer, der bayernweit sechs Zahnärztliche Tageskliniken mit rund 400 Mitarbeitern, davon 45 Zahnärzte und drei Ärzte, betreibt.

Allein für München suche er seit Monaten händeringend 40 Zahnmedizinische Fachangestellte, berichtete Eichenseer bei einer von ihm eigens deshalb einberufenen Pressekonferenz, die er unter das Motto "Arbeitgeber in Not" gestellt hatte. Allein für Zeitungsanzeigen habe er in den vergangenen Monaten schätzungsweise 20.000 Euro ausgegeben.

Alle Mühen seien jedoch vergebens gewesen. "Der Markt ist leergefegt", sagte Eichenseer. Auf Stellenanzeigen in regionalen und überregionalen Zeitungen, egal ob in Zwickau oder Köln, ob in Ost oder West geschaltet, gebe es kaum Reaktionen.

Grenzen bei der Zahl der Ausbildungsplätze

Und auch die Datenbanken der Agentur für Arbeit seien leer. Jetzt wolle er mit einem Transparent auf seine Personalnöte aufmerksam machen, kündigte der aus der Oberpfalz stammende Zahnarzt an.

Er sei auch bereit mehr Auszubildende einzustellen, erklärte Eichenseer. Derzeit werden in seinen Tageskliniken 13 Zahnmedizinische Fachangestellte ausgebildet, davon fünf in München.

Mehr sei jedoch nicht möglich, da die Zahl der Auszubildenden in einem festen Verhältnis zur Zahl der Zahnärzte stehe. "Wir dürfen nicht noch mehr ausbilden, uns sind die Hände gebunden", bedauerte Eichenseer, der sich in dieser Frage von der Zahnärztekammer mehr Flexibilität erhofft. Zumal die Problematik auch viele Kollegen in München betreffe.

Geschlossen Grenzen für Fachkärfte rächen sich

Kritik äußerte Eichenseer in diesem Zusammenhang auch an früheren Bundesregierungen, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt hätten, als es um die Öffnung der europäischen Arbeitsmärkte ging.

Aus Angst vor einer "Überschwemmung" habe man die Grenzen dichtgemacht. "Das rächt sich jetzt", meinte Eichenseer.

Derzeit betreibt Eichenseer zusammen mit Kollegen in München zwei Zahnärztliche Tageskliniken, eine dritte soll noch in diesem Jahr eröffnet werden. Weitere Einrichtungen gibt es in Nürnberg, Riedenburg, Regensburg und Schmidmühlen.

Alle Tageskliniken sind an sieben Tagen der Woche geöffnet. Dennoch seien Fünf-Tage-Woche und flexible Arbeitszeiten für die Mitarbeiterinnen üblich. Marktüblich seien auch die Gehälter, betonte Eichenseer.

Es gebe aber zusätzlich Prämienzahlungen. Außerdem könne er in München einige Personalwohnungen zu vergünstigten Konditionen zur Verfügung stellen.

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