Ärzte Zeitung, 01.11.2011

Neue Mitarbeiter gesucht? Dann raus mit der Wahrheit

Wer neues Personal für die Gesundheitsbranche werben will, muss auf Botschaft und Ansprache achten. Erste Ansätze sind auf dem Kommunikationskongress der Gesundheitswirtschaft in Hamburg vorgestellt worden.

Von Dirk Schnack

Neue Mitarbeiter - ehrlich währt am Längsten

Arzt gesucht? Innovative Ideen sind gefragt.

© N-Media-Images Konzernchef / fotolia.com

HAMBURG. Hohe Nachfrage nach Leistungen, aber geringes Interesse an einer Tätigkeit im Gesundheitswesen: Diese Situation kennzeichnet derzeit die Branche.

Der Kommunikationskongress der Gesundheitswirtschaft, dessen Medienpartner die "Ärzte Zeitung" ist, beschäftigte sich deshalb in diesem Jahr mit dem Werben für das Personal.

Kommunikationsberater: Vielfalt macht Probleme

Ein Problem der Branche ist nach Ansicht von Berater Michael Quaas aus Frankfurt die hohe Zahl der unterschiedlichen Verbände im Gesundheitswesen. Dies führe zu vielen Einzelmaßnahmen. Er riet dazu, bei der Personalansprache Synergien zu nutzen und Kompetenzen zu bündeln.

Kommunikationsprofi Imran Ayata dagegen sieht eher ein Problem in den zahlreichen unterschiedlichen Berufen im Gesundheitswesen.

Diese Vielfalt erfordert gerade eine differenzierte Ansprache, lautete sein Argument: "Eine übergeordnete Gattungskommunikation ist wenig sinnvoll."

Klischees müssen überwunden werden

Eine weitere Hürde bei der Personalgewinnung etwa von Ärzten und Schwestern ist das Überwinden von Klischees, die aus der medialen Berichterstattung über den vermeintlichen Alltag in diesen Berufen erwachsen.

Aufgabe der Kommunikation ist es nach Ansicht Ayatas, die Diskrepanz zwischen solchen Klischees und der Realität zu schließen. Er riet dazu, nur mit ehrlichen Aussagen über den beruflichen Alltag zu werben.

Wenn die mit falschen Aussichten in einen Beruf gelockten Mitarbeiter im Alltag andere Realitäten wahrnehmen, drohe ein Ausstieg. "Berufsabbrecher nützen der Branche nichts", warnte Ayata.

Landarztkampagne der KV Schleswig-Holstein

In Hamburg wurden zwei Kampagnen vorgestellt, mit denen für Tätigkeiten im Gesundheitswesen geworben wird. Die KV Schleswig-Holstein hat in diesem Jahr ihre Kampagne für eine Landarzttätigkeit gestartet. Dazu gehören unterschiedliche Maßnahmen an den Universitäten des Landes und von Kliniken, um Studenten und Weiterbildungsassistenten anzusprechen.

Die von einer Agentur entwickelte Kampagne soll nach Angaben von Pressesprecher Marco Dethlefsen zunächst die Aufmerksamkeit für die Landarzttätigkeit erhöhen und Vorurteile abbauen.

Klinik Ruppin: Chefarzt ist Ansprechpartner der Studenten

Das Klinikum Ruppin in Neuruppin kämpft ebenfalls gegen Vorurteile über eine Tätigkeit in der Provinz. Ein Mittel dagegen ist ein im Klinikum eingesetztes Kommunikationskonzept für angehende Ärzte im PJ, um den Nachwuchs gezielt anzusprechen.

Ein Chefarzt ist Ansprechpartner für alle Studenten, die im Klinikum klare Einsatz- und Rotationspläne bekommen. Das Krankenhaus strebt außerdem an, dass der selbstbewusste Umgang mit dem Standort zwischen Ostsee und Berlin noch verstärkt wird und die Vorteile herausgestellt werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Gluten kann auch Reizdarm verursachen

Wenn Reizdarmpatienten, die nicht an Zöliakie leiden, über glutenabhängige Beschwerden klagen, kann das ein Noceboeffekt sein. Es kann sich aber um etwas anderes handeln. mehr »

Entlassmanagement krankt an schlechter Kommunikation

Kaum in Umlauf, gerät der Medikationsplan in die Kritik. Ärzte fordern, Webfehler im System zu beheben. mehr »

So hoch ist der Diabetiker-Anteil in den 16 Bundesländern

In Deutschland leben mehr Menschen mit Diabetes als bisher geschätzt: Inzwischen leidet rund jeder zehnte GKV-versicherte Bundesbürger an Diabetes. mehr »