Ärzte Zeitung, 31.01.2012

Tipps für die Arzthelferin

Kontrollgang zum Wohlfühlen

Welche Zeitschriften liegen im Wartezimmer aus? Wie warm ist es? Langes Warten macht Patienten feinfühlig. MFA sollten daher regelmäßig das Wartezimmer kontrollieren und auf Wohlfühl- faktoren achten.

Von Theresia Wölker

Wartezimmer-Checkup deckt Missstände auf

Fehlende Ablenkung und Information machen für Patienten das Warten oft unerträglich.

© hake / imago

Wartezimmer, so heißen immer noch die meisten Räumlichkeiten in Arztpraxen, in denen Patienten und Praxisbesucher auf ihren Termin warten müssen.

Die Fähigkeit, geduldig zu warten, ist unterschiedlich ausgeprägt. Davon kann die Medizinische Fachangestellte (MFA) ein Lied singen.

Das Wort "warten" meint aber eigentlich, auf der "Warte" wohnen. "Warte" ist der Ort der Ausschau, der Wachtturm. Warten meint also: Ausschau halten, ob jemand kommt.

Verbringen Patienten viel Zeit in der Praxis, sollte man sich im Klaren darüber sein, dass sie auch viel registrieren und beobachten, auch und vor allem, ob sie Zwischeninformationen bekommen.

Gerüche, räumliche Enge, fehlende Ablenkung und Information sind Faktoren, die eine Wartesituation für Patienten oft unerträglich machen.

Deshalb gilt: Wo Wartezeiten entstehen, sollte man sich - nicht zuletzt um Ärger und Querelen vorzubeugen - auch Gedanken um die Wartezeitgestaltung machen.

Ouvertüre beginnt im Wartezimmer

Eine periodische durchgeführte Selbstbewertung kann neue Perspektiven eröffnen. MFA sollten daher einmal mit den Augen eines externen Prüfers oder eines besonders kritischen Patienten durch das Wartezimmer gehen, sich auf einen Stuhl setzen und verschiedene Dinge fragen.

Etwa: Könnte ich bequem eine längere Zeit darauf verweilen? Welche Zeitschriften liegen aus? Wie riecht es im Raum? Wie ist die Geräuschkulisse? Wie sind die "Wohlfühlfaktoren"? Gibt es eine Schreibecke? Wie sieht es aus mit der Garderobe (Kleiderbügel, Ablage, Spiegel usw.)? Wird die Zimmertemperatur, Raumluft und Frischluftzufuhr regelmäßig von einer MFA kontrolliert?

Dies sind nur einige Beispiele, die eine individuelle Checkliste enthalten kann. Und natürlich die Frage: Wie heißt das Wartezimmer? Oder haben Sie längst einen besseren Begriff dafür gefunden?

Halten wir fest: Langes Warten macht feinfühliger und kritischer für jeden Augenblick des Praxisaufenthaltes.

Das gilt es zu bedenken, aber auch, dass ein Wartezimmer die "Seele" der Praxis, also den individuellen Stil und die Einstellung des Praxisteams zu kranken Menschen repräsentiert. Ein Arzt sagte einmal: "Die Ouvertüre des Arztes beginnt im Wartezimmer."

Zur Person: Theresia Wölker aus Bendorf ist Personaltrainerin und Beraterin für Praxisteams.

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