Ärzte Zeitung, 26.07.2013

Spaßfaktor null?

Damit der Praxisalltag nicht zur Qual wird

Kommunikation ist nicht nur zwischen Arzt und Patienten wichtig. Auch mit den Mitarbeiter sollte gesprochen werden - aber richtig.

Von Kerstin Mitternacht

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Praxisteam ohne Begeisterung für die Arbeit? Hier sind die Chefs als Motivatoren gefragt.

© Klaus Rose

FRANKFURT/MAIN. Der Schlüssel für zufriedene Mitarbeiter ist Wertschätzung und Kommunikation. Das klappt im Praxisalltag jedoch nicht immer. Kommt es zu Konflikten, leidet darunter nicht nur die Stimmung im Team, sondern oft auch dessen Leistung.

"Wir beobachten immer wieder, dass in Praxen das Kommunikationsverhalten der Medizinischen Fachangestellten (MFA), die mehrheitlich Frauen sind, und das der Praxischefs, die in der Mehrzahl immer noch Männer sind, sehr unterschiedlich ist", berichtet Verena Ende, Praxiscoach in Frankfurt aus ihren Erfahrungen.

Ärzte sind oft sehr sachlich bei der Kommunikation, die MFA wünschen sich jedoch meist eine persönliche Ansprache, Anerkennung und Wertschätzung für die Arbeit sowie Lob. Viele Ärzte sind im Praxisalltag allerdings oft überlastet und erwarten, dass ihre Mitarbeiter den Praxisablauf selbstverständlich und optimal gestalten.

Wenn es dann hakt, wächst die Unzufriedenheit beim Arzt. Gleichzeitig werden die Mitarbeiter unzufrieden, weil sie das Gefühl haben, dass ihre Arbeit nicht wertgeschätzt wird. "So entsteht ein negativer Kreislauf, den es zu stoppen gilt", warnt Ende. "Denn der Umgangston kann dann schnell rau werden."

Um eine solche Negativspirale erst gar nicht entstehen zu lassen, hilft es, wenn der Arzt seinen Mitarbeitern Wertschätzung entgegenbringt - nicht nur, was die Arbeit betrifft, sondern auch ein persönliches Interesse an den Mitarbeitern zeigt.

"Das kostet nichts, bringt aber enorm viel, die Zufriedenheit im Team zu steigern", erklärt Ende. Finanzielle Wertschätzung habe meist nur einen sehr kurz anhaltenden Effekt, so Ende. "Ein wertschätzendes Arbeitsklima, das nichts kostet, hält da viel länger."

QM muss auch gelebt werden

Zur Zufriedenheit im Team trägt auch bei, dass Verantwortungen für spezielle Arbeitsbereiche zugeteilt werden, damit es nicht zu Konflikten innerhalb des Teams kommt.

"Dort wo das Qualitätsmanagement (QM) gut funktioniert, gibt es auch kaum Probleme", weiß der Praxiscoach.

Aber nicht immer reicht ein gelebtes QM: "Ich habe aber auch schon erlebt, dass es zwar ein gutes QM in der Praxis gab, aber keine gelebte Wertschätzung, und die Ärzte sich untereinander im Führungsstil nicht einig waren. Dies hat zu Konflikten im Team geführt", berichtet Ende von einem Beispiel aus einer Gemeinschaftspraxis.

Wichtig war es dann, die Ärzte auf eine einheitliche Linie zu bringen und den Austausch untereinander zu fördern. "Regelmäßige kurze Meetings und einmal im Monat ein gemeinsames Frühstück haben das persönliche Gespräch und den Austausch gefördert, " resümiert Ende.

Neben gelebter Wertschätzung und Kommunikation kann auch ein Entgegenkommen bei Arbeitszeiten oder Kinderbetreuungsunterstützung motivierend wirken. Solche Maßnahmen zeigen, dass der Arzt die persönlichen Bedürfnisse seiner Mitarbeiter kennt und auf diese auch eingeht, so Ende.

Zur Person: Verena Ende ist Diplom-Psychologin. Seit 2010 berät sie Arztpraxen zu den Themen Führung und Zusammenarbeit.

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