Ärzte Zeitung, 15.09.2015

Schweiz

Offen für Ärzte aus Deutschland

Die Schweiz will ihr Gesundheitssystem optimieren. Eine wichtige Rolle spielen dabei Ärzte aus dem Ausland - zum Beispiel aus Deutschland. Die Mehrheit derer ist im stationären Sektor tätig.

Von Matthias Wallenfels

BERN. Die Menschen in der Schweiz profitieren nach einer Analyse von OECD und WHO von einem guten Gesundheitssystem.

In Volksabstimmungen haben sich die Eidgenossen wiederholt dafür ausgesprochen, keine radikalen Veränderungen an der Gesundheitsversorgung vorzunehmen.

Unter Berücksichtigung dieser Eckpunkte hat der Schweizer Bundesrat im Januar 2013 seinen Bericht Gesundheit 2020 verabschiedet.

Wappnen für Demografiewandel

Er will damit auf die Herausforderungen reagieren, vor denen die Schweiz steht: Zunahme an Patienten mit chronischen Krankheiten, Anpassung der Versorgungsstrukturen, Finanzierbarkeit und Erschwinglichkeit des Gesundheitswesens, mangelnde Steuerbarkeit und fehlende Transparenz.

Folgende Handlungsfelder ergeben sich demnach aus Sicht des Bundesrates: die Sicherung der Lebensqualität, die Stärkung von Chancengleichheit und Selbstverantwortung, die Sicherung und Erhöhung der Versorgungsqualität sowie die Schaffung und Steuerung von Transparenz im Gesundheitswesen.

Der flächendeckende Einsatz elektronischer Patientenakten, verbindliche Behandlungspfade sowie die Förderung der Gesundheitskompetenz der Patienten stellen dabei wichtige Erfolgsfaktoren dar.

Einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der gesteckten Ziele werden Ärzte aus dem Ausland beisteuern müssen. Denn: Wie aus der Jahresstatistik des Schweizer Berufsverbandes der Ärzte FMH hervorgeht, betrug der Anteil ausländischer Ärzte in der Schweiz zum Stichtag 31.12.2014 rund 30,5 Prozent. "Es ist davon auszugehen, dass das hohe Niveau der Versorgung nur dank den Fachkräften aus dem Ausland aufrechterhalten werden kann", heißt es in der FMH-Ärztestatistik 2014.

Wie aus dem Datenkonvolut hervorgeht, sind 56,2 Prozent der Ärzte aus dem Ausland im stationären und 41,7 Prozent im ambulanten Sektor tätig. 2,1 Prozent arbeiten in einem anderen Sektor, zum Beispiel bei Versicherungen.

Mit 17,4 Prozent stammt der Löwenanteil der Mediziner aus Deutschland, mit deutlichem Abstand gefolgt von Italien (2,4 Prozent), Frankreich oder Österreich (je 1,7 Prozent). Das Geschlechterverhältnis ist mit 44 Prozent weiblichen und 56 Prozent männlichen Ärzten fast ausgeglichen.

Fachärzte dominieren

Wirft man einen Blick auf die Verteilung der Disziplinen in der gesamten Schweizer Ärzteschaft, so beträgt das Verhältnis der Generalisten - dazu zählen laut FMH die Allgemeine Innere Medizin, die Kinder- und Jugendmedizin sowie die Tätigkeit als Praktischer Arzt - zu den Fachärzten 37,4 Prozent zu 62,6 Prozent.

Das am häufigsten vertretene medizinische Fachgebiet ist demnach mit 23,5 Prozent die Allgemeine Innere Medizin, gefolgt mit 10,3 Prozent an zweiter Stelle von der Psychiatrie und Psychotherapie. Danach rangieren die Gynäkologie und Geburtshilfe und die Kinder- und Jugendmedizin (je 4,8 Prozent) und die Anästhesiologie (4,2 Prozent).

Der Frauenanteil ist mit 62,9 Prozent in den Fachrichtungen Kinder- und Jugendpsychiatrie am höchsten, gefolgt von der Kinder- und Jugendmedizin (57,4 Prozent) und der Gynäkologie und Geburtshilfe (56,6 Prozent).

Die Chirurgie in der Schweiz ist hingegen ganz klar eine Männerdomäne mit 92 Prozent in der Herz- und thorakalen Gefäßchirurgie, 91,5 Prozent in der Orthopädischen Chirurgie, 86,1 Prozent in der Neurochirurgie sowie 82,3 Prozent in der Chirurgie.

Zahl berufstätiger Ärtze gestiegen

Die Schweiz verzeichnet laut FMH-Statistik für das vergangene Jahr insgesamt 34.348 berufstätige Ärzte (20.759 Männer und 13.589 Frauen). Das bedeute im Vergleich zu 2013 eine Zunahme um 1106 Ärzte. Im Schnitt arbeiten bei den Eidgenossen 4,1 Ärzte je 1000 Einwohner (Deutschland: 4,0, OECD: 3,2).

Die Schweizer Kantone mit der höchsten Ärztedichte sind laut FMH Basel-Stadt mit 9,7 Ärzte je 1000 Einwohner, Genf (6,2) und Zürich (4,9). Die niedrigste Ärztedichte weisen Nidwalden (2,2), Uri und Appenzell (je 1,6) auf.

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