Ärzte Zeitung, 13.06.2016

Ausbildung

Praxen zeigen sich konkurrenzfähig

Auch 2015 stand die Ausbildung zur MFA bei jungen Frauen ganz oben auf der Liste der gewählten Berufe. Dabei zeigt eine Berechnung des Bundesinstituts für Berufsbildung, dass die jungen Kräfte Praxen durchaus auch auf der Ertragseite etwas bringen.

Von Rebekka Höhl

NEU-ISENBURG. Die Tarifparteien haben in den vergangenen Jahren einiges getan, um den Ausbildungsberuf zum/zur Medizinischen Fachangestellten auch gehaltlich attraktiv zu halten.

Das scheint sich auszuzahlen: Im vergangenen Jahr rangierte die Ausbildung in den Praxen bei jungen Frauen auf Platz zwei der 25 am häufigsten besetzten Berufe, direkt hinter der Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement. Das zeigt der Berufsbildungsbericht 2016 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der auf dem Datenreport des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) beruht.

Von den insgesamt 522.094 neuen Ausbildungsverträgen in deutschen Betrieben in 2015 wurden demnach 207.564 mit jungen Frauen geschlossen (39,8 Prozent). Über sieben Prozent von ihnen starteten ihre Berufsausbildung in einer Arztpraxis, damit wurden in den Praxen weit über 14.000 Neuverträge geschlossen.

Tarifplus seit April wirkt

Die durchschnittliche Ausbildungsvergütung über alle Berufe und Ausbildungsjahre hinweg betrug vergangenes Jahr in den alten Bundesländern monatlich 832 Euro. In den neuen Bundesländern waren es 769 Euro. Davon war die tarifliche Vergütung der Azubis zum/r MFA gar nicht so weit entfernt: Sie lag über alle Ausbildungsjahre im Schnitt bei 743 Euro im Monat und damit sogar über der Durchschnittsvergütung bei den Auszubildenden zur Bürokauffrau (721 Euro im Westen, 667 Euro im Osten) sowie geringfügig über dem Schnitt aller freien Berufe (738 Euro im Westen, 720 Euro im Osten). Zumal es bei den MFA schon seit 2008 im Tarifvertrag einheitliche Gehälter für Ost und West gibt - auch bei den Azubis.

In diesem Jahr haben die Tarifparteien noch einmal eine Schippe drauf gelegt: Die Azubigehälter in den Praxen wurden mit Wirkung zum 1. April in allen Ausbildungsjahren um 30 Euro monatlich erhöht. Damit steigt die Monatsvergütung im ersten Ausbildungsjahr auf 730, im zweiten auf 770 und im dritten auf 820 Euro.

Die Praxen können sich auch kaum dem Druck entziehen, den Azubis Tarifgehälter zu zahlen. Denn es besteht die gesetzliche Pflicht, den Auszubildenden eine angemessene Vergütung bereitzustellen, selbst wenn man nicht der Tarifpartei auf Arbeitgeberseite, also der Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen/MFA (AAA), angehört.

Das zahlt sich nicht nur dadurch aus, dass es in den Arztpraxen bislang bei den Auszubildenden noch keinen nennenswerten Mangel an Bewerbern gibt. - Denn von den insgesamt 41.000 Ausbildungsplätzen, die 2015 bundesweit über alle Branchen unbesetzt blieben, war laut BIBB-Datenreport vor allem das Handwerk betroffen. - Die angehenden MFA leisten auch einen Beitrag zum Praxisertrag.

Über alle Branchen hinweg entstanden den Betrieben in Deutschland im Ausbildungsjahr 2012/13 - jüngere Daten hat das BIBB nicht - im Durchschnitt pro Auszubildendem und Jahr Bruttokosten in Höhe von 17.933 Euro. Diese setzen sich aus den Personalkosten für Auszubildende und das Ausbildungspersonal sowie Anlage-, Sach- und sonstige Kosten zusammen. Während der Ausbildung erwirtschaften die Azubis durch ihre Arbeitskraft aber auch Erträge, so das BIBB. Und diese machten im Schnitt 12.535 Euro aus. Damit deckten sie 70 Prozent der Bruttokosten.

Mehr Erträge als in Apotheken

Bei den angehenden Medizinischen Fachangestellten sah es sogar noch besser aus: Je Auszubildender fallen in den Arztpraxen im Schnitt Bruttokosten von 16.275 Euro an. Gleichzeitig erwirtschaften die Azubis zum/r MFA pro Person aber Erträge in Höhe von 12.405 Euro. Damit sind mehr als 76 Prozent der Ausbildungskosten gedeckt.

Dabei erwirtschafteten die Azubis zum/r MFA im Schnitt auch höhere Erträge als beispielsweise angehende Zahnmedizinische Fachangestellte oder Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte: Bei ersteren lagen 2012/13 die Bruttokosten bei 16.628 Euro und die Erträge bei 11.161 Euro pro Azubi, damit waren nur 67 Prozent der Ausbildungskosten gedeckt. Bei den Azubis in den Apotheken fielen im Schnitt 18.643 Euro Kosten an, denen ertragseitig 12.532 Euro gegenüberstanden, hier waren also ebenfalls nur rund 67 Prozent der Kosten gedeckt.

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